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»Ich würde unsere Musik als modernen Folk bezeichnen.«
 Hüsch * Foto: Michael A. Schmiedel

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Bann dr Morche grauit
(Soul Folk Records, 2014)



Cover Bann dr Morche grauit


Hüsch!

Unterwegs ins Thüringer Land

Deutsche Volksmusik abseits der Tümelei hat noch immer einen schweren Stand. Das Deutschfolkrevival der Siebzigerjahre hat kaum Nachfolger gefunden, auch Deitsch wurde als Projekt wieder aufs Eis gelegt, weil Celtic Folk einfach besser läuft. Und doch gibt es immer wieder Musiker, die sich daran wagen, angetrieben durch das Gefühl, mit deutscher Musik authentischer zu sein und das Eigene zu präsentieren. Bei Hüsch! aus Thüringen kommt noch eine weitere Motivation hinzu: der Wunsch, Regionalkultur, Musik wie Sprache, vor dem Aussterben zu retten.

Text: Michael A. Schmiedel

Ihren Anfang nahmen Hüsch!, was auf Hennebergisch, einem südwestthüringischen Dialekt, so viel wie „ach, wie ist das aber schön“ bedeutet, 2013 auf dem Cistersymposium in Suhl im Thüringer Wald. Joachim Rosenbrück, damals künstlerischer Leiter, gab dort ein Konzert, bei dem ihn die Sängerin und Keyboardspielerin Hanna Flock, zugleich seine Frau, begleitete. Um die Vielfalt möglicher Spieltechniken auf der Waldzither zu präsentieren, lud er die auch als Dozenten anwesenden Nico Schneider und Tim Liebert dazu ein. Daraus entwickelte sich die Idee, eine Band zu gründen.
Die Waldzither, eine Form der Cister mit einer zusätzlichen Basssaite, kannte Nico Schneider, der 1981 geborene Jüngste der Gruppe, von klein auf. Im Thüringer Wald ist es noch Sitte, sich in Berghütten zu treffen und zusammen Musik zu machen. Man spielt und singt Lieder, die alle von klein auf kennen, und an den Hüttenwänden hängen Waldzithern. Tim Liebert aus dem Vogtland spielte zuerst Irish Folk und Americana, vor allem auf dem Banjo, bis er die Waldzither für sich entdeckte. Joachim Rosenbrück aus Arnstadt, gelernter Geiger für klassische Musik, kam über das Thüringer Folklore Ensemble Erfurt zur Volksmusik und über die Mandoline auch zur Waldzither. Hanna Flock begann mit Gospel-, Spiritual- und Popchorgesang und fand über Sessions einen emotionalen Zugang zu deutschen Volksliedern. In der Band spielt sie Keyboard, das einzige nicht akustische Instrument, aber nur als Klavier, das wiederum seit dem neunzehnten Jahrhundert in der Volksmusik typisch ist.
Zur Faszination am Instrumentarium kam die an den Texten. Neben standarddeutschen Liedern, die überall im deutschen Sprachraum bekannt sind, sind es Mundartlieder, die das Besondere bei Hüsch! ausmachen. Schneiders nicht Mutter-, aber Großmuttersprache ist das schon erwähnte Hennebergisch, Liebert wuchs mit Vogtländisch auf und Rosenbrück mit dem „Arnschter“ Dialekt. Im Thüringer Wald ist, so Schneider, die Mundart genauso auf dem Rückzug wie in vielen anderen Gegenden Deutschlands, während laut Liebert im Vogtland noch „dolle Dialekt geredet“ wird. Schneider dazu: „Das ist unsere Kultur, und die ist schön und bewahrenswert.“ Diese beiden Mundarten sind indes so verschieden, dass Schneider und Liebert sich über sie nicht miteinander verständigen können.

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