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»Immer hübsch lieb sein, das halte ich nicht aus!«
Stefan Sterzinger * Foto: Robert Wimberger

5 Minuten mit ...


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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www.sterzinger.priv.at



Aktuelles Album:


Ashanti Blue
(Monkey Music/Rough Trade, 2015)



Cover Ashanti Blue


Stefan Sterzinger

Gegen Freunderlwirtschaft und Fremdenhass

„Der Sterzinger“ – ein Urgestein der Musikszene Wiens, aber in jüngeren Austropopkreisen eher als Unbekannter verkannt. Wenn er mit Akkordeon, Hut und Federboa auftritt, dann ist Charisma, böser Humor mitsamt einer Spur anarchischem Musikspaß angesagt. Glücklicherweise ist er in der Position eines Freigeistes, der sich locker zwischen Wienerlied, Rock ’n’ Roll, Chanson und Electro-Experimenten bewegt, um dem Rest der Welt die Stirn zu bieten.

Text: Harald Justin

Der Rest der Welt ist vornehmlich Österreich. Die provinziell-nationalistische Trutzburg gegen die Moderne, in der man laut Umfragen mehrheitlich stolz auf „Berge und Seen“ ist, ebenso mehrheitlich rechts(extrem) wählt, sich gegen Schwarze, Juden, Ausländer und Gutmenschen ausspricht und die EU, den Euro und den Feminismus für das Böse unter der Sonne hält, hat einen wie Sterzinger nicht nötig.
Aber er ist, zur Freude einer radikalen Minderheit, nicht lieb genug, um die Klappe zu halten. „Immer hübsch lieb sein, das halte ich nicht aus!“ Er mag sie nicht, die Freunderlwirtschaft generell und speziell die in der Wiener Musikszene. An Mitspielern mangelt es ihm aber nicht, neben seiner nach ihm benannten Band spielt er mit verschiedenen Projekten. Mit Belofour improvisiert er mit drei anderen Akkordeonisten im Grenzbereich zwischen Improvisation und Neuer Musik. Wenn er unter eigenem Namen ein Programm zwischen Eigenkompositionen und Coverversionen von Udo-Jürgens-, Hans-Albers- oder Rolling-Stones-Titeln mit Tom-Waits-Anklängen auf die Bühne bringt, dann überzeugt er als charismatischer Künstler; als Ensemblemusiker nimmt er sich zurück.
Dahingegen ist der Endfünfziger nicht bereit, sich dem herrschenden Konformitätsdruck unterzuordnen. „Im Rundfunk reagieren die Programmmacher mit Unverständnis. ‚So eine Musik ist nichts für uns. Komm doch noch mal wieder, wenn du etwas Freundlicheres gemacht hast.ʻ“ Tatsächlich agiert er, seit er Mitte der Achtzigerjahre mit Franz Franz & The Melody Boys erstmals spätdadaistischen Musikspaß auf die Bühnen brachte, mit stilistischer Offenheit. Wienerlied, Jazz, Chanson, Blues und Rock mitsamt Auftragsarbeiten für Film und Theater, er hat’s gemacht. Man schätzt „den Stefan“ unter Kollegen, und er hat sich ein Stammpublikum, aber eben nicht die Anerkennung erspielt, die seine Projekte zu Selbstgängern machen würden. Er nimmt es mit Spott – und weiteren Projekten.

... mehr im Heft.