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Zehntscheune-Team, in der Mitte die Künstler Antonio Andrade, Irene Álvarez, Miguel Sotelo und David El Gamba * Foto: Eva Reinert

Heimspiel


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Würzburger Flamenco Festival

Der Main fließt durch Spanien

Deutschland ist kein Waisenknabe in Sachen Flamenco. Es gibt unzählige, teils schon viele Jahrzehnte aktive, international vernetzte Schulen und Veranstaltungsorte für die stattliche Gemeinde hiesiger Aficionados. Doch sind die Festivals heutzutage spärlich gesät, überleben häufig nicht – wie in der Flamencokapitale Berlin geschehen. Dafür hat Würzburg eine solche Veranstaltung, die seit 2003 ohne Unterbrechung stattfindet.

Text: Katrin Wilke

Die mainfränkische Stadt assoziieren Musikfans vor allem mit Europas größtem, 1989 gegründeten Afrikafestival. Vierzehn Jahre später kam dort das kleine, feine Flamencofestival auf im Grunde pragmatische Weise zur Welt, wie es in der Erinnerung der Geburtshelferin und Chefin des Events, Mercedes Sebald, klingt. Die in Navarrés, Valencia, geborene, in Würzburg aufgewachsene Deutschspanierin war für ihr Romanistikstudium nach Spanien gegangen, wo sie auch Flamencotanz lernte. Zurück in ihrer Heimatstadt fand sie auf der Suche nach einem Probenraum zur Künstlerinitiative Salon 77, bis heute Veranstalter des Festivals. „Sie wurde 1977 von Freischaffenden verschiedener künstlerischer Genres gegründet – Malern, Musikern, Fotografen –, um Synergien zu schaffen, sich Verwaltungsaufgaben zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.“ Eines Tages trat jemand im Haus an Sebald heran mit der Bitte, doch noch irgendwas Kulturelles zu organisieren, damit die städtischen Zuschüsse nicht verloren gingen.

Gemischt wie bei spanischen Straßenfesten

„Ich kenne mich ja nur mit Flamenco aus, und so habe ich einen Auftrittstermin von mir in einen Event verwandelt. Und der wartete an jenem extrem heißen Sommertag 2003 mit einem Programm auf, das durchgehend von sechzehn Uhr bis morgens um drei gut besucht war“, so die noch heute freudig überrascht klingende Festivalchefin, die hinterher vielfach angesprochen und wegen des besonderen, auch familiären Flairs, der Lebensfreude und Offenheit jener Nacht zu einem Dacapo ermutigt wurde. „Es war altersmäßig so schön gemischt damals, wie in Spanien bei den Straßenfesten“, so Sebald. „Das hatte ich immer vermisst hier in Deutschland.“
Und so ging es 2004 weiter mit diesem seither irgendwann zwischen März und April stattfindenden, fast von Anfang an um die zehn Tage währenden Festival. Es konzentriert sich auch von jeher nicht nur auf den Tanz als die weltweit populärere Ausdrucksform dieser originär andalusischen Kultur, der auch bei den Flamencoaktivitäten in Deutschland zumeist im Zentrum steht. Es waren auch immer wieder renommierte Flamencogitarristen und -sänger der aktuellen Szene Spaniens und aus der Diaspora zu Gast, sogar als Hauptact mancher Festivalausgabe, wie etwa Antonio Rey, dessen Konzerte seine Fans hierzulande ansonsten mit der Lupe suchen müssen. Apropos: Die im Flamenco „Aficionados“ genannten Fans machen beim Festival nicht mal den Löwenanteil des Mehrgenerationenpublikums aus, was die mit Flamenco und der dazugehörigen Szene eng verbundene Mercedes Sebald keinesfalls bedauert. Im Gegenteil, es erfreut sie und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer, dass das Gros der flamencoferneren Festivalbesucher „einfach so hinkommt, manchmal auch spontan. Über die Jahre hat es sich herumgesprochen, dass – egal, wer kommt – es gut wird“.

Das Würzburger Flamenco Festival findet 2020 vom 17. bis 29. April statt.

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