Folker-Logo   Probeabo & Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
»Hört euch Django an, und dann versteht ihr, was Musik ist.«
Lulo Reinhardt

[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Probe-)Abo.







Aktuelles Album:


Gypsy Meets India
(DMG/Broken Silence, 2019)



Cover Gypsy Meets India



Lulo Reinhardt

„Musik ist die absolute Sprache“

„Hört euch nur Django an, und dann versteht ihr, was Musik ist. Django hat immer eine Geschichte erzählt.“ Lulo Reinhardt ist auch ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Das Aufnahmegerät ist noch nicht eingeschaltet, da geht es schon los. Bereits nach fünf Minuten befinden wir uns in der Wüste Rajasthans, und nach gut drei Stunden beschließen wir eine farbenprächtige Reise um den Erdball mit einer Führung durch die ansehnliche Instrumentensammlung des Koblenzer Gitarristen.

Text: Rolf Beydemüller

Reinhardt, der schillerndste Name im Bereich des Sinti-Jazz überhaupt. Doch die Frage nach den verwandtschaftlichen Beziehungen der Koblenzer Reinhardts zu Übervater Django ist nicht leicht zu klären. Historie und Geschichten vertragen sich ohnehin nicht immer gut, und was in einer Kultur, die in erster Linie mündliche Überlieferung kennt und pflegt, als gesichert gilt, zerfällt unter den gestrengen Augen trockener Historiker schnell zu Staub.
Sinti und Roma leben seit rund sechshundert Jahren in Deutschland. Jahrhunderte, die dem Versuch gelten, in einem Land Heimat zu finden, das den Fremden bestenfalls argwöhnisch begegnet. Dass Hunderttausende in den Vernichtungslagern der Nazis ums Leben kamen, ist der entsetzliche „Kulminationspunkt“ dieser gemeinsamen Geschichte. Lulos Vater Bawo hat als Kleinkind mehrere Konzentrationslager (u. a. Auschwitz) erlebt und überlebt. Das Trauma der Verfolgung endet nicht mit dem Tod der unmittelbar Betroffenen. Es lebt in den Kindern und Kindeskindern weiter. Lauscht man den Erzählungen des Musikers Lulo Reinhardt, ist scheinbar nicht viel davon zu entdecken – vorerst.

„Da, wo meine Familie ist, ist meine Heimat“

Lulo erlernte das gitarristische Handwerk von seinem Vater Bawo, der mit seiner Gruppe I Gitanos in den Neunzigerjahren erfolgreich durch Europa tourte. Lulo wuchs mit dem „Zigeuner-Swing“ auf, wie er früher und leider auch noch heute von den Nicht-Sinti, den „Gadje“ (Begriff aus dem Romanes, der Sprache der Sinti und Roma) genannt wird. Die diskriminierende Verwendung des Begriffes „Zigeuner“ vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus hat dazu geführt, dass Sinti und Roma diesen Begriff ablehnen.
Reinhardt machte bereits als Zwölfjähriger Erfahrungen als Rhythmusgitarrist on tour. Doch die traditionelle Musik, die er liebte, wurde dem Heranwachsenden nach und nach zu eng. Er suchte musikalische Begegnungen, die seinem weiten geistigen Horizont entsprachen. Flamenco, Latin, brasilianische Musik, Tango – der junge Gitarrist empfand in all diesen verschiedenen „Sprachen“ ein Gemeinsames, eine Art musikalisches Esperanto. Es folgten Lehr- und Wanderjahre in den unterschiedlichsten Besetzungen, und so ist es bis heute geblieben.

... mehr im Heft.