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»Wir sollten nicht aufhören, miteinander zu teilen.«
Aline Fraz * Foto: Ana Brígida

5 Minuten mit ...


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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www.alinefrazao.com



Aktuelles Album:


Insular
(Jazzhaus Records, 2016)



Cover Insular


Aline Frazão

Die Kosmopolitin aus Luanda

Aus der lusofonen Musikwelt, gerade auch abseits von Brasilien und Portugal, kommen immer wieder charismatische Künstlerinnen. In ihrer Arbeit halten sich auch nach vielen Jahren in der Diaspora Weltgewandtheit und Heimatverbundenheit nicht selten weiterhin die Waage, bilden bestenfalls besonders originelle, eigene Klangallianzen. So auch bei dieser angolanischen Singer/Songwriterin, die sich auf ihrem aktuellen Album Insular allerdings doch deutlicher als bisher von der Scholle entfernt hat – musikalisch wie geografisch.

Text: Katrin Wilke

„Nach zwei sehr persönlichen Alben, deren Songs ich geschrieben und selbst produziert habe, versuchte ich bei diesem dritten aus meinem eigenen Kopf, meiner Welt herauszukommen. In den Norden zu gehen, mit Jazz zu arbeiten und mit dem Gitarristen Pedro Geraldes – all das war wichtig, um den von mir angestrebten, neuen Sound zu erzielen. Ich begann, E-Gitarre zu spielen, mit ihren Effektpedalen zu experimentieren, mit einer ganzen, neuen und atmosphärischen Welt an Klängen und Musik, die näher an Rock und Noise ist.“
Eher geräuscharm und still dagegen ist der Ort des Geschehens, das schottische Inselchen Jura, auf dem George Orwell sein 1984 verfasste und nun auch Aline Frazão unter Federführung des dort ansässigen britischen Produzenten Gilles Perring maßgeblich an Insular bastelte. Der zierlichen Angolanerin ist an diesem nicht gerade tropischen 180-Seelen-Ort eine ausnehmend warmherzige, sensibel-kluge Liedersammlung geglückt, die in ihren eher karg-essenziellen Texten hier und da die Idee von der Insel als einem mit Schönheit und Einsamkeit verknüpften Sehnsuchtsort aufgreift. Intoniert werden die Songs durchweg auf Portugiesisch, mit sinnlichem, eher introvertiert anmutendem, aber auch mal kraftvoll-forschem Gesang.
In ihm, in der gesamten Haltung der Endzwanzigerin scheint so einiges mitzuschwingen von ihren diversen, vor allem portugiesisch-spanischen Lebensetappen und -erfahrungen. Von Lissabon, dem ersten Aufenthaltsort außerhalb Angolas, an den Frazão mittlerweile zurückgekehrt ist; von Madrid, Santiago de Compostela, wo sie gut in Galiciens spezielle lusofone Szene eintauchte, sowie von Barcelona. Und tatsächlich schwebt ihr für irgendwann eine Rückkehr nach Angola vor.
Musikalisch tut sie dies schon einmal vorab, in „Susana“, dem letzten, beschwingtesten der insgesamt elf Lieder. „Damit geht die Reise quasi zu Ende, es ist wie eine Heimkehr, zurück zur akustischen Musik, gewissermaßen zu den Wurzeln. Es bedeutet mir sehr viel, ist es doch wie eine Hommage an meine Herkunft, an die wunderschöne Musik, die wir in Angola haben, samt ihrer vielen verschiedenen schönen Sprachen. Der Song stellt auch so etwas wie ein Versprechen dar. Denn viele Leute dort erwarteten von mir ein mehr mit Afrika, mit Angola verbundenes Album. Aber das ist es nicht geworden.“

... mehr im Heft.