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Ausgabe 1/2021


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Onlinerezensionen folker #1.21
kurz und knapp
DAVIE ANDERSON
Love So Strong
(Brechin All Records)


Spätes Debütalbum des schottischen Singer/Songwriters und Multiinstrumentalisten. Diverse viel gespielte Cover wie „Red, Red Rose“ oder „Carrickfergus“ sind definitiv schon aufregender und ansprechender interpretiert worden. Die eigenen Songs und Tunes klingen interessanter, werden aber teilweise durch fragwürdige Arrangements abgewertet. Ein externer Produzent wäre vielleicht hilfreich gewesen.
mk
BANHOLZER, HEIZMANN, HOMBURGER
Eingeborenenmusik vom Westlichen Bodensee
(Eigenverlag)


Das Konstanzer Trio singt mit drei Gästen Lieder in Konstanzer Mundart mit lustigen, ironischen, letztlich aber harmlosen Texten und bringt auch das ein oder andere gemütliche Instrumentalstück zu Gehör. Der bisweilen gewollt misstönende Gesang steht in einem interessanten Kontrast zur manchmal Big-Band-haften, jazzigen Begleitung. Texte im Beiheft.
mas

THE BEAN PICKERS UNION
Greatest Picks
(Eigenverlag)


In Cambridge, Massachusetts, gibt es diese Gewerkschaft der Bohnenpflücker. An ihrer Spitze steht der Songschreiber Chuck Melchin, der seit 2006 immer wieder musikalische Kollegen um sich schart. Gemeinsam spielen sie eine Rootsmusik voller Spaß und Spielfreude. Die Bandbreite reicht von Countryrock („Photograph“) bis Folkballade („I’m So Sorry“). Ein Lob der gepflückten Bohne!
vd
GISELA BERNDT & BAND
Bilder
(Eigenverlag)


Dezente, aber eindringliche Jazzmusik, Texte, die eine geheimnisvolle und exotische Atmosphäre schaffen, und eine Sängerin, die ihre Lieder unaufdringlich und leichthin zu interpretieren weiß – das zeichnet auch das dritte Album der Kölnerin Gisela Berndt aus. Den Bildern und Erinnerungen, die sie besingt, folgt man gern verträumt und leicht beschwingt, es sind besinnliche Chansons der besonderen Art.
rk

Bill And The Belles
Happy Again
(Eigenverlag)


Warnung: Der Chorgesang auf diesem Album ist gewöhnungsbedürftig. Wer aber Doo-Wop und Muppets gut erträgt, wird mit stilsicherem Old-Timey-Stringband-Sound und 1920er-Jahre-Vaudeville-Dixieland verwöhnt, in dem sich Banjo und Fiddle jagen und Kris Truelsens gewitzte Texte rund ums Thema Scheidung das Hinhören lohnen. Top produziert von Teddy Thompson.
mwi
CONTI BILONG
Miango
(Eigenverlag)


Auf seinem dritten Album zeigt der Drummer Conti Bilong seine enorme Bandbreite. Von Makossa über Salsa, Afropop, Jazzfusion und Reggae bis zu Bossa Nova bietet er mit einer erstklassigen Big-Band-Besetzung jeden Stil in überzeugender Reinfassung und kompromissloser Energie, woran das Schlagzeug durchgehend einen sehr großen Anteil hat. Sowohl für Afrika- als für Jazzrockfans eine Entdeckung.
cs

JOHN BLEK
Of Ether & Air
(K&F Records)


Der irische Poet ist das perfekte Bindeglied zwischen Folkhelden wie James Taylor oder Paul Brady und modernen Lo-Fi-Kompositionen à la Mighty Oaks. Das Album, welches der Künstler selbst als Abschluss eines Albenzyklus versteht, ist stark von seiner eigenen Krankheitsgeschichte geprägt und lädt ein, das Leben von John Blek auf intime Weise zu teilen.
ce
RORY BUTLER
Window Shopping
(Vertical Records)


Debütalbum des Schotten, der in London lebt. Ziemlich spartanisch aufgenommen, lediglich akustische Gitarre, Bass und Drums. Und natürlich Gesang, schließlich ist der Mann Singer/Songwriter. Die Liedthemen sind ziemlich düster, aber wenn man nicht genau zuhört (was problemlos möglich ist, denn er benutzt seine Stimme meist wie ein Instrument), dann fließt die Musik ruhig und gelassen.
mk

UYGAR ÇAĞLI
Ting
(Eigenverlag)


Zusammen mit seinen Freunden aus der gemeinsamen Formation Çarx, Bilge Kaan Kuş (Gitarre) und Marco Mrčela (Schlagwerk), hat der österreichische E-Bassist und Komponist Çağlı sein erstes Soloalbum aufgenommen. Mit dabei sind Musiker an Saxofon, Kanun, Ney, Erhu und weiteren Instrumenten. Keine typische Weltmusik, eher Jazz mit Weltflair und Rockelementen.
ink
STEWART COPELAND – RICKY KEJ
Divine Tides
(Ponderosa Music Records)


Ex-Police-Drummer Stewart Copeland und der mit einem Grammy ausgezeichnete indische Komponist Ricky Kej haben sich für ein äußerst ambitioniertes Werk zusammengetan. Ambitioniert in vielerlei Hinsicht: neben den Kompositionen, die moderne Poplangwelten mit traditioneller indischer Musik zusammenbringen, kommt hier ein ausgesprochen weltverbindendes, spirituelles Anliegen zum Ausdruck. Sehr gelungen!
rb

Adam Douglas
Better Angels
(Compro Records)


Im positiven Sinn breitentauglicher Southern Soul aus Norwegen. Bläser heben und senken sich, ein Ellenbogen jerryleelewist über die Klaviertasten. In den besten Momenten groovt das wie Huey Lewis oder Jimmy Barnes, in den elegischeren Phasen klingt da immer noch ein funkiger Elton John durch. Die Texte, meist von Cory Chisel und Jeff Wasserman, kreisen nicht selten offen um religiöse Bilder.
mwi
DUOHANDINHAND
Knallbunt
(Hey!blau Records)


Seit fast zwanzig Jahren irritiert das Duohandinhand die Kleinkunstszene. Die zwei Musikerinnen, die ansonsten dem Jazz oder auch dem Rockabilly verschrieben sind, genießen spürbar die kindliche Freude an der Musik. Dadurch entsteht ein eigener Stil, der sowohl auf die Straße als auch ins Theater passt. Die Texte sind persönlich und oft humorvoll, kleine Geschichten mit großer Wirkung.
ce

ESPOO BIG BAND
Blood Red
(Galileo Music)


Der Roman Benim Adım Kırmızı („Rot ist mein Name“) des türkischen Nobelpreisträgers Orhan Pamuk hat es Mikko Hassinen so sehr angetan, dass er ihn zu einer Reihe von Musikstücken angeregt hat. Diese hat der Finne nun mit einer neunzehnköpfigen Big Band (darunter vierzehn Blechbläser) eingespielt. Hassinen zeichnet auf der Aufnahme für Percussion und Elektronik verantwortlich. Eher Jazz als Weltmusik.
ink
FANFARE CIOCÄ‚RLIA
It Wasn’t Hard To Love You
(Asphalt Tango Records)


Die rumänischen Turbotröter kriegt auch eine Coronapandemie nicht klein, wenn es das 25-jährige Bandjubiläum zu feiern gilt. Auf fünfzehn Tracks zünden die Blechbläser ein wie immer Laune förderndes Feuerwerk an bekannten und weniger bekannten Melodien ab. Sie machen dabei auch vor Brahms’ ungarischen Tänzen und Bill Withers’ Schmusehit „Just The Two Of Us“ nicht Halt.
ink

FEE. Fee & HR
Big Band
(O-Tone Music)


Der HR klopfte Ende 2020 bei der Liedermacherin für ein gemeinsames Projekt an, eine Unterstützung für lokale Künstlerinnen und Künstler mithilfe der hauseigenen Big Band war das Ziel. Das Ergebnis waren mehrere Ausstrahlungen in Funk und Fernsehen und nun auch dieses Album. Die Balladen der deutschen Antwort auf Suzanne Vega klingen ungewohnt und doch erstaunlich passend mit orchestraler Begleitung.
ce
FREYR
Nikotin Bunker
(Nettwerk)


Folk ist schon lange im Mainstream angekommen, und so passt Freyr musikalisch zu dem Geist einer Zeit, in der Ry X die Musikhallen füllt. Zwischen akustischer Gitarre und behutsam eingesetzten Electronica klingt die geglättete, samtene Stimme von Freyr als typisch nordeuropäische Vertretung des Genres. Die Musik an und für sich klingt wunderschön, aber sie ähnelt eben auch vielen anderen Alben. Mainstream eben.
ce

ANNIE GALLUP
Oh Everything
(Gallway Bay Music)


Waren die Arrangements auf ihren bisherigen Alben eher zurückhaltend, hat sich die Kanadierin Gallup auf Oh Everything für eine modernere Produktion entschieden. Sogar Loops und Drumprogramming sind gelegentlich zu hören, was jedoch dem Charme ihrer zauberhaften, intimen Songs nicht schadet.
mf
The Golden Creek
Heartbreaks And Breakdowns
(Off Label Records)


Das Cover (Totenköpfe, Revolver, Schlange) täuscht. Die nostalgischen Hamburger spielen molligen, weichen Indierock Marke Del Amitri, erinnern sich an bessere Zeiten („We Loved Elvis“) und betrauern das traumatischste aller Erlebnisse, „The Day I Sold My Records“. Und wer kann seinem Arbeitgeber schon mal so ein einfühlsames Portrait widmen, wie sie es mit „Hasenschaukel, St. Pauli“ getan haben?
mwi

GRIFFELKNOPF
Griffelknopf – handgemachte Musik und vertonte Gedichte für Kinder
(Griffelknopf)


Hinter dem Duo Griffelknopf, das Lieder für Kinder macht und singt, verbergen sich die Sängerin Anna Stijohann und der Gitarrist Gereon Stefer aus Unkel. Muntere Lieder aus eigener Feder, aber auch von Ringelnatz, Hoffmann von Fallersleben oder der finnischen Sängerin Marjatta Pokela, die viele Kinderlieder geschrieben und komponiert hat. Muntere und aufmunternde Lieder für große und kleine Kinder.
rk
GROSSES HANDGEMENGE
Leben in Zeiten des Wirrwarrs
(Grenzton)


Die vierköpfige Band wurde von Volkmar Große gegründet, einst Bassist bei der Leipziger Rocklegende Cäsar und Musiker bei Gerulf Pannach oder Polkaholix. Geradliniger, handgemachter Rock und Blues ohne Schnörkel, ganz im Stile der großen Vorbilder Renft und Karussell, mit namhaften Gastmusikern wie Mario Ferraro von der Seilschaft. Die Texte von Große stellen kleine Alltagsgeschichten dar.
rps

GUYACÁYO
Lemonade
(Superlaut)


Rocksteady und Reggae mit Dub-Anleihen bestimmen den Sound der vier Hamburger in sieben tanzbaren, eingängigen Titeln. In den Texten über innere und äußere Konflikte („Lockdown“) gibt Sophie Filip schon stimmlich einen positiven Appell zur Aktion. Die unbekümmerte, juvenile Popenergie erinnert an die Neunziger, wirkt aber frisch. Lässige Hall- und Echoeffekte beugen dem Eindruck eines glatten Kommerzprodukts vor. Partymusik gerne so!
is
JOHN HARTFORD
Steamboat Whistle Blues – Live in Bremen 1977
(MIG Music)


Vor zwanzig Jahren verstarb der wunderbare John Hartford, mehrfacher Grammy-Gewinner, überzeugender Songschreiber und Multiinstrumentalist. Die Aufnahme von Radio Bremen lässt ihn als Solokünstler lebendig werden. Das Album zeigt den US-Amerikaner, wie er Traditionals interpretiert und eigene Songs vorträgt – darunter natürlich auch sein ikonografisches „Gentle On My Mind“. Ein schönes Dokument.
vd

ARCHIE LEE HOOKER AND THE COAST TO COAST BLUESBAND
Living In A Memory
(Eigenverlag)


Nur auf den Namen seines legendären Onkels John Lee Hooker sollte man Archie Lee Hooker keinesfalls reduzieren, dazu ist der Unterschied zu dessen Musik dann doch zu deutlich. Zwar spielt, d. h. singt, auch Archie Blues und Boogie, dies jedoch im Bandkontext und mit Klavier, Saxofon oder Mundharmonika in Begleitung. Toller, breiter, satter Sound und eine ausdrucksstarke Stimme.
ah
Hotel Bossa Nova
Cruzamento
(Enja)


Die Wiesbadener haben ihren Brazil Jazz inzwischen Richtung Fado bis Flamenco oder die Gitarrenimprovisationen eines Ralph Towner weiterentwickelt. Sängerin Liza da Costa wirkt mitreißend, die Band zeigt eine gute Balance zwischen Anspruch und Temperament. Einzig die Melodien sind oft nicht dafür gebaut, sie nach einem Konzert weiter zu summen.
hjl

AYOUB HOUMANNA
Berber Colors
(Soliton)


Nach einer EP 2020 kommt nun der erste Longplayer unter eigenem Namen. Houmanna verließ 2014 seine Heimat Marokko, wohnt inzwischen in Warschau und singt auf Arabisch, Französisch, Englisch und Polnisch. Er hat diverse Gäste eingeladen, darunter die Sängerin Rasm Almashan und den Trompeter Nathan Williams. Die Musik ist meist poppig-arabisch – Ausflüge zu den Gnawa und nach Jamaika inklusive.
ink
KAMINER & DIE ANTIKÖRPERS
Bleib zu Hause, Mama
(Trikont)


Kaminers Abrechnung mit dem Pandemiewahn mag 2020 kathartisch gewirkt haben, ein Jahr später erscheinen die Texte eher angestrengt. Von der Wahrheitsliebe der Medien über die schöngeredeten Vorzüge der Isolation behandelt das Album Themen, die wichtig waren, vermutlich auch noch sind, aber über die keiner mehr etwas hören mag. Musikalisch bieten Kaminers Antikörper auf dem Album durchweg Partisanendisko.
ce

KARWENDEL
Im Lichte der Zeit
(Backseat)


Auffallend hell klingt die Stimme des Hamburgers Sebastian Król, der sich auf einer einsamen Berghütte zu diesen Songs inspirierte. Unterstrichen durch den ausdrucksvollen Einsatz von Klarinette, Geige, Piano und Saxofon bringt er in poetisch präziser Sprache das Phänomen der Zeit, sei es der Moment oder die Ewigkeit, zum Schwingen. Intimität und Zerbrechlichkeit des Stils erinnern ein wenig an Damien Rice.
is
ANNIE KEATING
Bristol County Tides
(Gallway Bay Music)


Album Nummer acht legt die New Yorkerin Annie Keating mit Bristol County Tides vor. Ein Album geprägt von der Pandemie, mit fünfzehn Songs, in denen sie ihr Leben resümiert und sich die Frage stellt, was noch vor ihr liegt. Gerne wird Keating mit Lucinda Williams verglichen. Tatsächlich ist ihr Songwriting ähnlich ungestüm und bluesgetränkt, wenngleich viel Raum für introspektive Momente bleibt.
mf

DAVID KEENAN
What Then?
(Rubyworks)


Gerade mal sein zweites Album veröffentlicht das irische Supertalent David Keenan mit What Then?, und es klingt, als wäre er seit zwanzig Jahren im Geschäft. Ob Waterboys oder Coldplay, die Songs von Keenan können sich mit den Großen messen. Bereits sein Debüt erreichte die Spitze der irischen Indiecharts, mit diesem Album und ein wenig guter PR kann der Durchbruch gelingen.
ce
RODRIGO LEÃO
A Estranha Beleza Da Vida
(BMG)


Rodrigo Leão war Gründungsmitglied der Lissaboner Gruppe Madredeus. 1994 begab er sich auf Solopfade. Im Laufe der Zeit ist er mit unterschiedlichsten Musikern und Musikerinnen aufgetreten, nahm Filmsoundtracks auf und spielte mit dem Gulbenkian Orchestra and Choir. Das aktuelle Album bietet Kammerpop mit vielen Gästen. Das Stück „A Voz De Sal“ mit der Stimme der Andalusierin Martirio ist ein Höhepunkt des Albums.
mst

CHRISTIAN LEHR
Bear
(Eigenverlag)


Fingerpickinggitarre mit Rockattitüde – der Akustikgitarrist macht mit hart angeschlagenen Saiten, schwebenden Flageoletttönen und tanzenden Melodien viel Druck. Der Musiker aus Odernheim bringt auf seinem hervorragend aufgenommenen Debüt Sologitarrenmusik mit ganz vielen eigenen Ideen, Klängen und Spielweisen. Das ist hoch virtuose Gitarrenmusik abseits ausgetretener Pfade.
uh
SÉBASTIEN LITTLESTONE
Fundamental
(Eigenverlag)


Hier öffnet sich die unwiderstehliche Welt der Handpans. Sébastien Petitpierre, wie er wirklich heißt, ist ein wahrer Meister des Blechklanginstruments. Auf seinem Debüt präsentiert der dreißigjährige Schweizer die große tonale Vielfalt der Aufschlagidiofone oder Selbstklinger aus Stahlblech. Seine dreizehn hörenswerten melodischen Eigenkompositionen lassen einen nicht mehr los.
ep

BAPTISTE LOOSFELT
Mésun
(AEPEM)


Der junge Geiger Baptiste Loosfelt hat ein Album mit traditioneller Tanzmusik der Region Poitou (im Westen Frankreichs) vorgelegt. Zu hören sind vor allem Avant-Deux, Mazurkas und Walzer. Loosfelt spielt kraftvoll, aber meist allein. Die Musik gewinnt, wenn (selten) ein Akkordeon oder eine Drehleier hinzukommt.
chr
MAARIKA & THE FROCODILES
Tree Dimensional Tunes
(Global Music Centre)


Die Musik Maarika Autios hat ihre kulturellen Wurzeln an der westafrikanischen Küste, und doch wachsen ihre Bäume, um im Bild zu bleiben, in der finnischen Heimat. Namensgeber des Albums ist das Balafon, wobei in der Mandinka-Sprache „bala“ Baum oder Holz und „fô“ Sprechen bedeutet. Das sie begleitende akustische Jazzensemble spielt extrem präzise, leider nur 33.14 Minuten.
cs

JUANA MOLINA
Segundo
(Crammed Discs)


Liegt es an coronabedingter Nichtauslastung oder der Lust der Singer/Songwriterin und Electrotüftlerin aus Buenos Aires, ihr zweites Album (2000) nun neu gemastert auch dem letzten ihrer Fans zugänglich zu machen? Diese werden sich garantiert erfreuen am typisch (auch gesanglich) minimalistischen Molina-Sound der vierzehn Songs, die sehr heutig klingen, wenngleich etwas weniger elektronisch verspielt als die letzten Alben.
kw
DAVID MUNYON
American Guitar
(Mobile Home Records)


Nach mehreren persönlichen Schicksalsschlägen und gefühlter Perspektivlosigkeit in der Pandemie griff der US-Musiker zur Gitarre und nahm im Keller eines Freundes in Alabama dieses Album auf. Die Auswahl der Songs aus seinem Katalog folgte der besonderen Atmosphäre dieser Zeit, vorgetragen mit altersangerauter Stimme. Verständlicherweise dominieren die dunklen Farben: aus Gründen.
vd

LUCIEN PILLOT
Vielle À Roue – Musique Traditionelle Du Nivernais
(AEPEM)


Wie es der Titel sagt: traditionelle Musik aus der französischen Region Nivernais, virtuos auf Tenor- und Altdrehleiern eingespielt von dem jungen Drehleierspieler Lucien Pillot. Dieses Album mit dreizehn Soloinstrumentalstücken und drei gesungenen Liedern zur Leier ist allerdings eher etwas für Drehleiernerds auf der Suche nach neuem Repertoire. Am besten nur in homöopathischen Dosen goutieren.
uj
MAXI PONGRATZ, MICHA ACHER & VERSTÄRKUNG
Musik für Flugräder
(Trikont)


Otto Lilienthal kennt jeder, Gustav Mesmer kaum jemand, was daran liegt, dass seine Versuche, mit Fahrrädern zu fliegen, nie erfolgreich waren. Wenn man seine Versuche im Film ansieht, hat es was Skurriles, aber auch Anrührendes. Beides bringen die neun Musiker dieses Albums mit ihrer rein instrumentalen, persönlichen Filmmusik zum Ausdruck.
mas

Jennifer Porter
Sun Come And Shine
(Eigenverlag)


Wird auf einem Album in jedem Song ein „you“ angesungen, weiß man: Hier geht es um die Liebe. Die Sängerin mit der kristallklaren Stimme beginnt denn auch mit sexy Schmusejazz für gedimmte Stimmungen, wenn „Show Me Your Love“ angesagt ist, steigert sich zu emotionsgeladenem, fingerschnippendem New Orleans Groove und endet mit sanftem Countrypop. Für Freundinnen von Madeleine Peyroux und Norah Jones.
mwi
Michael Publig
¡Caliente!
(Publig Music)


Die Spezialität des österreichischen Pianisten Michael Publig ist es, E-Musik mit Jazz und lateinamerikanischer Musik zu verbinden. Er wirbelt durch die Stile und zwischen Kuba, Spanien und österreichischer Klassikheimat hin und her. Seine an Chick Corea orientierten Jazzrockstücke überzeugen allerdings eher als seine ambitionierten Suiten.
hjl

NIAMH REGAN
Hemet
(The Black Gate Label)


Das 2020 erschienene Debüt der irischen Songschreiberin wird nun auch hierzulande veröffentlicht. Mit beeindruckender stimmlicher Wandlungsfähigkeit mäandert Regan durch elf Titel voller Emotionen wie Melancholie, Glück und Zuversicht. In schnörkellosen, ausgewogenen Arrangements, bei denen sie sich mit Piano, Geige und Gitarre begleitet, verbindet sie Einflüsse keltischer Folktradition mit Soul und Pop.
is
TOM ROBINSON & CREW
Live At Rockpalast 1984
(MIG Music)


Ja, auch Robinson war in den Siebzigern mal ein Folkie, und viele seiner Songtexte zeigen das. Bekannt jedoch wurde er mit Krachern wie „2-4-6-8 Motorway“ oder „Back in The Old Country“, die neben sechzehn anderen Songs auf diesem Mitschnitt aus der Zeche in Bochum natürlich auch zu finden sind. Alles wie üblich als Audio- und Video-CD. Heute ist er übrigens wieder eher im folknahen Musikbereich tätig.
mk

YUSSUF SAHILLI
Fake
(Musszo Records)


Nomen est omen: Das Schubladendenken ordnet Künstlernamen und Musiklegende gleich in die Ethnoecke. Aber weit gefehlt! Was hier aus den Boxen kommt, ist energiegeladener Indierock und Postpunk, verzerrte Gitarren und treibendes Schlagzeug. Die beiden vorherigen Alben beschrieb die Presse als „smarten Folkpop“ mit „heiter-gelassener Stimmung“. Und jetzt so ein Brett! Dieser Berliner mag die Überraschung – gut so.
is
LENNART SCHILGEN
Populärmusik
(Kleingeldprinzessin Records)


Fünf Popsongs mit leicht schrägen und raffinierten Texten, die gerne mit einem unterschwelligen Grauen spielen, hat sich der Berliner Lennart Schilgen ausgedacht. Kleine und große Beziehungsdramen von abflauender und nicht beginnender Liebe, Liebesausrutschern und Liebesfolgen, die einen immer wieder mit Wendungen überraschen, besingt er wie selbstverständlich mit geradezu unschuldiger Leichtigkeit.
rk

SCHWESSI
Achtung Ãœberlebensgefahr
(Pussy Empire Recording)


Humorvoll setzt Catharina Boutari als „große Schwester des Deutschpop“ mit ironischen, schlauen Texten Statements gegen die allgemeine Verunsicherung und das Schubladendenken. Mitreißend wortgewandt in heiserem Hamburgisch thematisiert sie z. B. das Schicksal alleinerziehender Mütter, Toleranz oder die innere Widersprüchlichkeit. Der Mix aus Feminismus, Power, Lässigkeit und Formulierungen, die ihre Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg erahnen lassen, macht Spaß.
is
SEBEL
2020 im Schlafanzug besiegt
(Sebel Records)


Mit seinem Lied „Zusammenstehen“ sorgte er im Coronalockdown 2020 für Aufsehen. Jetzt legt er mit einem Album dazu nach. Natürlich mit viel Bezug zum Virusfrust. In seinen rockigen Popsongs besingt Sebastian Niehoff aber auch die vielen Ernüchterungen des Alltags. Wirklich herausstechend ist der Titel „Stalingrad“ über die Unsinnigkeit des Krieges.
ep

Juliana
Da Silva Vai Samba Meu
(O-Tone Music)


Die in Deutschland tätige Brazil-Jazzerin hat sich bekannte ungarische Mitspieler wie den Tenorsaxofonisten Tony Lakatos oder den Cymbalonspieler Mihály Farkas gesucht. Mit ihrem Gesang kann Da Silva sowohl die Dynamik ihrer Begleiter vorantreiben als auch als ruhender Pol wirken oder synchron mitsingen. Einfallsreich und voller Spielfreude.
hjl
LIV SOLVEIG
Slow Travels
(Revolver Distribution Service)


Liv Solveigs Kompositionen fühlen sich in ihrer Langsamkeit und Komplexität wie ein Meisterwerk der nordeuropäischen Soundkünstler an. In der Sorgfalt der Produktion und der Liebe zum Detail erinnert das Debütalbum der norwegisch-deutschen Künstlerin sogar an die Spätwerke von Kate Bush. Strukturen des Pop folgend, braucht diese Musik einen passenden klassischen Rahmen, wie vielleicht den der Elbphilharmonie.
ce

SUNDAY
Inner Coasts
(K & F Records)


Laut Presseinfo brilliert die dänische „Folkband Sundays mit introspektivem Folk und dem gleichzeitigen [sic!] unbändigen Willen zu großen melodischen Hooks“. Wer sich darunter etwas vorstellen kann, ist mit dem Album sicher gut bedient. Sundays singen auf Englisch, sie flüstern gern, haben aber auch eine Vorliebe für Kopfstimme, es gibt Anklänge an A-ha, Folk jedoch nur in homöopathischen Dosen.
gh
STEVE TALLIS
Where Many Rivers Meet
(Eigenverlag)


Rau und ungeschliffen ist dieses Album des Australiers Steve Tallis. 25 Songs aus dem Leben und der Perspektive eines Musikers, nur Gesang und Gitarre, diese abwechselnd akustisch oder elektrisch verstärkt. Aufgenommen in Mono, also wird auch hier nichts beschönigt. „Right In The Face“ schlagen einem die Stücke entgegen, und auch damit muss man klarkommen.
ah

ALLAN TAYLOR
Win Or Lose
(Stockfisch)


Der Meister atmosphärischer Songs. Der britische Sänger meldet sich mit einer Wiederveröffentlichung von 1984 zurück. In den Songs erzählt er von Reisen und Begegnungen. Melancholische Lieder, eine unvergessliche Stimme sowie ruhige Gitarren- und Pianobegleitung. Das Label hat die Musik klanglich poliert. Als Hardcoverbuch aufgemacht, ist das Album ein sehr schönes Sammlerstück.
uh
WAFFELLOBBY
Zeit zu geh’n
(Eigenverlag)


Hinter dem ironischen Namen verbirgt sich der junge Erfurter Songwriter, Texter und Gitarrist Florian Jaster mit sieben deutschsprachigen Songs, in der Mehrzahl schlichten Liebesliedchen zwischen Pop und Rock. Einzige Ausnahme ist „Dustin“, welches sich – mit Hip-Hop- und Reggae-Elementen – gegen Rechtsradikale wendet. Die äußerst spartanisch gestaltete CD enthält weder irgendwelche Infos noch Texte.
rps

WEST OF EDEN
Taube
(West of Eden Music)


Die schwedische Band mit dem irischen Einschlag stellt Vertonungen von Liedern des schwedischen Nationaldichters Evert Taube vor. Dessen eingängigen Melodien bekommt das sehr in Kirmesmusik gehende Treatment der Band nicht gut. Am ehesten gehen noch die langsamen Balladen durch, die durch Jenny Schaubs bezaubernde Stimme veredelt werden. Eingestreute irische Tuneelemente sind spielerisch prima, aber konzeptuell in dieser Musik nicht stimmig.
js
MORITZ WEISS
Vocal Klezmer Sounds
(Preiser Records)


Unter dem Dirigenten Simon Erasimus wurden drei philosophische und musikalische Themen der Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098-1179), von der katholischen Kirche als Heilige verehrt, in einem „kulturübergreifenden Oratorium“ am 10. Juni 2019 auf Schloss Feistritz aufgenommen – ergänzt durch die Klarinette des Steirers Moritz Weiß, des Weiteren Maximilian Kreuzer (b), Georg Kroneis (v) und Stefan F. Steinhauser (g) sowie einem Ensemble von zwölf klassischen Sängerinnen und Sängern.
mg

ADA VO ZÃœRI
Heldeträne
(Narrenschiff)


D’ Ada vo Züri singt Züritütsch, das Schweizerdeutsch von Zürich, der Stadt der Banker und Reichen. Im Rest der Schweiz gilt der Dialekt als hässlich mit arrogantem Unterton. Bei Ada tönt das etwas anders. Sie singt über Gefühle und über diejenigen auf der Schattenseite der Stadt. Das Album, auf dem Ada fast alle Instrumente selbst spielt, verströmt eine gewisse Nähe zur Volksmusik
mst
Autoren und Autorinnen: Rolf Beydemüller (rb), Volker Dick (vd), Chris Elstrodt (ce), Michael Freerix (mf), Matti Goldschmidt (mg), Gabriele Haefs (gh), Achim Hennes (ah), Udo Hinz (uh), Ulrich Joosten (uj), Mike Kamp (mk), Rainer Katlewski (rk), Ines Körver (ink), Hans-Jürgen Lenhart (hjl), Erik Prochnow (ep), Christian Rath (cr), Johannes Schiefner (js), Michael A. Schmiedel (mas), Christoph Schumacher (cs), Imke Staats (is), Reinhard „Pfeffi“ Ständer (rps), Martin Steiner (mst), Katrin Wilke (kw), Martin Wimmer (mwi)