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 KONSTANTIN WECKER: Mönch und Krieger : auf der Suche nach einer Welt, die es noch nicht gibt.
KONSTANTIN WECKER
Mönch und Krieger : auf der Suche nach einer Welt, die es noch nicht gibt.
www.gtvh.de
(– 3. Aufl. – Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus, 2014. – 278 S.)
ISBN 978-3-579-07066-7 , 19,99 EUR (auch als E-Book erhältlich)


Alles zulassen, auskosten und leben, auch die eigenen gegensätzlichen Wesenszüge, scheint ihm bereits 1947 als Großauftrag in die Wiege gelegt worden zu sein, dem Konstantin Alexander Wecker. Da stecken schon beide drin: der Mönch (Kaiser Konstantin war zugleich oberster Priester von Rom) und der Krieger, der die ganze Welt einen will. Solche starke Vornamen, dazu den „Rufer zur rechten Zeit“ als Familiennamen, würden schwächere Typen überfordert haben. Ihm waren seine Namen offenbar Anspruch und Ermutigung zugleich. Er hat es gepackt. „Conny“, wie ihn früher nur sein Freund, der weise Dieter Hildebrandt, nennen durfte, bildete Körper und Geist, Herz und Sinne, Kunstfertigkeit und Charakter. Er nahm jede Lebenserfahrung, die sich ihm bot, dankbar als Herausforderung an: vom feinen Lyriker bis zur Rampensau, vom Sexfilmstarlet bis zum wahrhaft Liebenden, vom Junkie auf Trip bis zum nüchternen Visionär, vom Knastbruder bis zum Musik- und Friedensapostel. Dabei war er immer ehrlich Suchender, auch Gottsucher, was ihm mancher Mensch ob seines Pathos vielleicht bis heute nicht abnehmen mag. Doch das Pathos ist ein echtes, und die laute Stimme – die ihn schon manchmal selbst erschreckt hat, wenn er zu seinen Kindern sprach – hat er nun mal mitgekriegt, von ganz oben. Wer Konstantin Weckers Autobiografie unvoreingenommen liest, wird einen ebenso inspirierten wie spirituellen Mann mit Tiefgang kennenlernen, der durch seine Gedanken, seine Offenheit und Ehrlichkeit immer wieder positiv überrascht und durch sein Wesen berührt. Holen Sie ihn sich dort, „wo der Conny nicht mehr weit ist“ – in der nächsten Buchhandlung –, und nehmen Sie seine Literaturempfehlungen gleich mit! Schade, dass Wecker wohl nie Bundeskanzler oder -präsident werden wird. Wie sähe die Welt aus, wenn Künstler und Visionäre wie er in den Schaltzentralen der Macht säßen? Wie gut, dass es die Welt, die Wecker sucht, wenigstens in einigen Köpfen gibt. Ein Buch, wie ein Freund.
Kay Reinhardt
 GERHARD PAUL, RALPH SCHOCK [Hrsg.]: Sound des Jahrhunderts : Geräusche, Töne, Stimmen ;1889 bis heute / Hrsg.: Gerhard Paul u. a.
GERHARD PAUL, RALPH SCHOCK [Hrsg.]
Sound des Jahrhunderts : Geräusche, Töne, Stimmen ;1889 bis heute / Hrsg.: Gerhard Paul u. a.
www.bpb.de
(– Bonn : Bundeszentrale f. polit. Bildung, 2013. – 629 S. : mit zahlr. Foto)
ISBN 978-3-8389-7096-7 , 7,00 EUR


Veröffentlichungen der Bundeszentrale für politische Bildung sind in der Regel das Ergebnis sorgfältiger und umfassender Recherche. Ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis wegen fehlender Profitnotwendigkeit ist ein weiteres Argument für BPB-Publikationen. Schade nur, dass dort selten bis nie Themen bearbeitet werden, die die musikalischen Folker-Interessen berücksichtigen. Selbst bei Sound des Jahrhunderts sind lediglich 10 von 634 Seiten genuin Folker-relevant: ein Artikel über amerikanische Bürgerrechtssongs sowie die Abhandlung über „Degenhardt und die Geschichte der Liedermacher in der Bundesrepublik“, zufällig verfasst vom ex Chefredakteur Michael Kleff, der sich mit diesem Thema bekanntlich bestens auskennt. Eigentlich können wir schon froh sein, dass wir nicht komplett vergessen wurden. Dennoch kann dieses dicke Buch Lesern dieser Zeitschrift problemlos empfohlen werden, denn unsere Musik existiert schließlich nicht im luftleeren Raum. Der Folker ruft gerne, regelmäßig und zu Recht, das politische Umfeld des Musikmachens ins Gedächtnis, beeinflussende Faktoren sind aber auch „Geräusche, Töne, Stimmen – 1889 bis heute“, wie der Untertitel konkretisiert. Eine unglaublich breite Themenvielfalt wird kompetent und kompakt bearbeitet. Beispiele gefällig? „Musik im Konzentrationslager“, „AFN: neue Musik, neue Radiokultur, neues Lebensgefühl“ oder „Udo Lindenberg und die deutsch-deutsche Sehnsucht“ – und das waren jetzt nur musikbezogene Topics. Besonders spannend und informativ ist die beiliegende Daten-DVD, auf der neben dem kompletten Band auch eine große Menge der angesprochenen Klänge abrufbar ist. Dieses Buch verhilft zu einem besseren Verständnis der Klangentwicklung der letzten circa 120 Jahre auch unserer Musik – mit teils überraschenden Fakten.
Mike Kamp

 JAKE WALTON: Sunlight And Shade : Celtic Song Affairs / Ill.: Vivien Nicholson.
JAKE WALTON
Sunlight And Shade : Celtic Song Affairs / Ill.: Vivien Nicholson.
www.heupferd-musik.de
(– 1. Aufl. – Dreieich : Heupferd Musik-Verl., 2014. – 117 S. : mit zahlr.)
ISBN 978-3-923445-11-0 , 16,00 EUR


Der Lied- und LP-Titel des kornischen Folkmusikers Jake Walton ist auch der Titel seines Songbuchs mit dem Zusatz „Celtic Song Affairs“. Es enthält die schönsten Stücke seiner vier Jahrzehnte umspannenden musikalischen Praxis als Songwriter und Musiker: originelle Bearbeitungen traditioneller Lieder befreundeter Musiker sowie eine Fülle eigener Songs, die ihn als kreativen Inspirator der keltischen Folkszene ausweisen. Jake Walton spielt Gitarre, Dulcimer und Drehleier und „gilt als wahrer Meister des keltischen Klanguniversums und dessen vielfältiger Songpoesie. Mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm, feinste Nuancen eines ungemein reichen musikalischen Erbes aufzuspüren, neu zu beleben und auf höchst kunstvolle Weise in zeitgemäße Formen zu überführen“ (Klappentext). Es ist begrüßenswert und verdienstvoll, dass der kleine Heupferd-Musikverlag aus Dreieich das verlegerische Risiko eingegangen ist, das Songbuch des hierzulande eher unbekannten Liedermachers und Sängers zu veröffentlichten. Das mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Illustrationen wunderschön ausgestattete Buch enthält knapp vierzig Lieder und ein Instrumentalstück im übersichtlichen Notensatz mit Texten und Gitarrenakkorden sowie Hinweise, auf welchen Bund man das Capo setzten sollte und mit welcher Gitarrenstimmung Walton sein Instrument spielt. Am Ende des Buches finden sich die verwendeten Akkordgriffbilder der verschiedenen, teils offenen Stimmungen. Ein Vorwort von Musikerkollege Jez Lowe eröffnet den Band. Walton selbst hat zu jedem Song Hintergründe und Anekdoten beigesteuert und das Nachwort verfasst. Die Texte sind auf Englisch und in deutscher Übersetzung abgedruckt. Ein Quellennachweis informiert über die Veröffentlichungsdaten und Urheberrechte. So weit, so schön. Ein fast rundum gelungenes Werk, wäre da nicht das eher unzulängliche Lektorat gewesen. So ist die erste Stimme des Instrumentalstücks „Appleby Gallop“ peinlicherweise einen Ganzton gegenüber der zweiten Stimme nach unten gerutscht. Auch den Texten hätte eine gründlichere Durchsicht gut getan. Es ist unschön, wenn zum Beispiel eine Liederklärung am Ende mit einem unvollständigen Satz schließt („The Music Makers“). Insgesamt ist es ein inhaltlich und optisch sehr gelungenes Liederbuch mit kleinen, verschmerzbaren Schönheitsfehlern.
Ulrich Joosten
 JOHN COWLEY [Hrsg.]: Creole Music of the French West Indies : a discography, 1900-1959 / comp. by Alain Boulanger, John Cowley, Marc Monneraye.
JOHN COWLEY [Hrsg.]
Creole Music of the French West Indies : a discography, 1900-1959 / comp. by Alain Boulanger, John Cowley, Marc Monneraye.
www.bear-family.com
(– Hambergen : Bear Family Publ.,2014. – 367 S. (frz./engl.) : mit zahlr. Abb)
ISBN 978-3-89916-705-4 , 49,90 EUR


Diese große, genau 1.000 g schwere und sehr aufwendig gestaltete Zusammenstellung von Veröffentlichungen kreolischer Musik der ersten sechs Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts ist zugleich eine Dokumentation der langen und vielschichtigen Tradition der schwarzen karibischen Musik auf den französischen Antillen und ihrer Rückkopplung mit dem Musikgeschehen in den Nachtclubs und Studios von Paris. Der Leser wird zu den Ursprüngen der Biguine geführt, die in der Sklaverei liegen, und vermag die eigenständige Entwicklung nachzuvollziehen, wenn ihm anhand alter Plakate, Plattenlabel, Plattencover, Fotos, Liederbüchern und ähnlichem etwa Chansons Créoles, Folklore Martiniquais, Orchestre Typique Antillais präsentiert werden. Ausgesprochen detailliert finden sich ganze Programmfolgen, Anzeigen, Bandbesetzungen, Kompositionen und Veröffentlichungen zwischen Folk, Jazz und Swing à la Creole neben Ergänzungen von Sprachwissenschaftlern, Anthropologen und Historikern. Eine wertvolle Zusammenstellung für Insider, allerdings – wie schade! – ohne jegliche Klangbeispiele.
Cathrin Alisch

 Joshua John Green: Music Making in the Faroes.
Joshua John Green
Music Making in the Faroes.
www.sprotin.fo
(– Aarhus : Scandinavian Books, 2013. – 332 S.)
ISBN 978-99918-76-55-9 , 188,00 DKK


Der kanadische Musikforscher Joshua Green hat mehrere Monate auf den Färöern verbracht und schreibt nun über die dortige Musikszene. Er konnte kein Färöisch, als er hingefahren ist, hat es dort nur bruchstückweise gelernt, und das merkt man. An schrägen Übersetzungen und Missverständnissen, die ihm nicht aufgehen, weil er ja eben die Sprache nicht beherrscht. Dass er kein Färöisch kann, erzählt er so ungefähr in jedem Kapitel einmal, wie er überhaupt Wiederholungen liebt, und das macht die Lektüre manchmal recht anstrengend. Dabei ist sein Buch eigentlich fantastisch gut, eine Fundgrube jedenfalls für alle, die gern mehr über die Musik auf den Färöern wissen möchten, aber kein Färöisch können. Sein Interesse wurde geweckt durch den Erfolg von Metalbands wie Tyr oder Hamferð. Die nun wieder greifen auf die nordische Mythologie zurück (etwa auf Tyr/Tiwaz, den Gott, dem wir den Dienstag verdanken) und orientieren sich an den alten Gesangstraditionen der Färöer. Die bestehen vor allem aus Reigen, die zu endlosen Balladen aus dem späten Mittelalter getanzt werden. Instrumente gab es auf den bettelarmen und von der Kolonialmacht Dänemark jahrhundertelang schonungslos ausgebeuteten Inseln so gut wie keine, und so wurde das Hauptgewicht eben auf Gesang gelegt. Ein guter Vorsänger beim Reigen konnte (und kann) den Ruhm erwerben, der anderswo Instrumentalvirtuosen vorbehalten ist. Joshua Green schildert die aktuelle Musikszene auf den Färöern, skizziert die Geschichte der färöischen Musik und reichert alles mit Anekdoten und eigenen Erlebnissen an.
Gabriele Haefs
 IIRO RANTALA: Songbook : 20 pieces for piano.
IIRO RANTALA
Songbook : 20 pieces for piano.
www.mutemusicproduction.com
(– o. O. : Bosworth, 2014. – 88 S. : nur Noten u. Abb. – (BOE ; 7752))
ISBN 978-3-86543-860-7 , 24,95 EUR


Der mit einem Echo ausgezeichnete finnische Jazzpianist veröffentlicht ein Liederbuch mit zwanzig selbst komponierten Werken, veröffentlicht auf verschiedenen seiner bisherigen Alben. Nichts für Anfänger, da einige Stücke schon recht kompliziert sind. Notiert sind sie mit Pianostimme sowie teilweise auch mit Violin- und Cellostimme. Bei einigen sind für weitere Instrumente Akkordangaben dazugegeben, aber merkwürdigerweise nicht bei allen.
Doris Joosten

 Element of Crime: Songbook.
Element of Crime
Songbook.
www.bosworth.de
(– o.O. : Bosworth Ed., 2014. – 288 S. : nur Noten u. Akk. + Texte. – (BOE)
ISBN 978-3-86543-594-1 , 29,95 EUR


Die seit dreißig Jahren existierende deutsche Band, die durch ihre melancholisch-chansoneske akustische Musik und durch ihre Texte von Sven Regener bekannt wurde, hat nun alle ihre Lieder in einem Songbuch veröffentlicht. Alle Stücke sind mit Noten, Akkorden und Akkorddiagrammen sowie Text abgedruckt. Laut Vorwort wurde bewusst auf Intros, Outros oder Zwischenspiele verzichtet, ebenso wie auf Gesangsphrasierungen, damit eigene „Gestaltungen“ der Songs möglich sind.
Doris Joosten