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Ausgabe 1/2015


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Afrika
 RICARDO LEMVO & MAKINA LOKA: La Rumba Soyo
RICARDO LEMVO & MAKINA LOKA
La Rumba Soyo
www.makinaloca.com
(Cumbancha CMB CD-31)
11 Tracks, 52:50 , m. engl. Infos


Er ist wieder da, der Afro-Latino-Star, mit einem Gute-Laune-Album erster Güte. Sein zwölfköpfiges Ensemble Makina Loka, das er 1990 gründete, stärkt ihm erneut den Rücken. Dazu gesellen sich zahlreiche Gäste, darunter Akkordeonist Mario Aguilar mit passgenauen Soli und Sängerin Chantal Yal Kizita. Lemvo stammt aus dem Norden Angolas, der Grenzregion Zaire, zur Demokratischen Republik Kongo hin, wo er auch aufwuchs. Als Fünfzehnjähriger siedelte er in die USA über, wo er später Politikwissenschaft studierte. In Los Angeles hat Lemvo bis heute seinen Lebensmittelpunkt. Die stilistische Bandbreite ist enorm. Natürlich bilden Rumba, Samba und Salsa die Grundfesten. Er bedient sich aber auch bei Merengue, Bolero, oder in Würdigung seiner angolanischen Wurzeln bei Kizomba und Semba. Die Stücke gehen fast fließend ineinander über, animieren erwartungsgemäß zum Tanzen. Verbunden sind sie durch Lemvos sonore Stimme. Bemerkenswert, wie oft er die Sprachen wechselt! Natürlich spielt das Thema Liebe die Hauptrolle, bisweilen augenzwinkernd wie in „Padre George“ („Meine Frau ist schwanger, und mein Nachbar ist der Vater!“) oder „Dikulusu“ (da gibt „seine“ Exfrau die Alimente an den Neuen weiter!).
Roland Schmitt



Nordamerika
 SAM AMIDON: Lily-O
SAM AMIDON
Lily-O
www.samamidon.com
(Nonesuch Records 7559-79545-1/Warner)
10 Tracks, 47:14 , mit engl. Infos


Wenn sich einfache Folksongs mit den komplexen Ideen einfallsreicher Musiker verbinden, mag daraus etwas Ungehörtes entstehen. Dem in Vermont geborenen Sänger, Fiddler, Banjospieler und Gitarristen Sam Amidon gelingt auf seinem dritten Album genau das – die Zuhörer in akustische Welten zu entführen, die außergewöhnlich klingen. Es sind Welten, die zwar Vertrautes erkennen lassen, aber doch aus sich heraus ein eigenes Leben entwickeln. Dazu tragen Amidons Mitstreiter ihren gehörigen Teil bei, allen voran Jazzgitarrist Bill Frisell, dessen eigentümlich schräger E-Gitarrenton Klischees gar nicht erst aufscheinen lässt. Hinzu kommen Bassist Shazad Ismaily und Drummer Chris Vatalaro mit ihren besonderen musikalischen Sichtweisen. Und auch Produzent Valgeir Sigurðsson, in dessen Greenhouse Studios auf Island die Aufnahmen entstanden sind, hinterlässt seine Spuren auf diesem vielfach inspirierten Werk. Im Zentrum steht das fast neunminütige Titelstück „Lily-O“, das Sam Amidon a cappella mit seiner leicht brüchigen Stimme eröffnet, in dem sich nach und nach aber eine Soundwand auftürmt, die sämtlichen Schmerz der traurigen Ballade in sich vereint. So trifft Schönklang auf Tiefe. Gänsehaut!
Volker Dick
 ALANA AMRAM & THE ROUGH GEMS: Spring River
ALANA AMRAM & THE ROUGH GEMS
Spring River
www.alanaamram.com
(Kingswood Records)
Promo-CD, 10 Tracks, 36:32


Langsam und träge schlängelt sich die elektrifizierte Gitarre von Alana Amram durch den ersten – und titelgebenden – Song dieses Albums, „Spring River“. Darin beschreibt sie die schmutzig träge Schönheit des „Frühlingsflusses“, der Arkansas mit Missouri verbindet und Ursprung für vielerlei Leben in und um sich ist. Gleichzeitig definiert dieser Song recht genau ihre eigene Musik als bluesgefärbtes Amalgam aus Folk, Country und der Lust am Geschichtenerzählen. Alana Amram wurde die Musik quasi in ihre Wiege gelegt, ist sie doch die Tochter des Komponisten David Amram, der nicht nur zahlreiche Orchestermusiken geschrieben hat, sondern auch viele Filmmusiken – unter anderem die zu Pull My Daisy von Robert Frank, nach einer Geschichte von Jack Kerouac. Doch hat sich Alana schon lange aus dem Schatten ihres Vaters freigeschwommen und singt nun mit ihrer etwas rauchigen Stimme schwermütige Balladen, in denen immer wieder biblische Motive auftauchen. Ihre Musik kann als Bindeglied zwischen Himmel und Erde verstanden werden, als Mittler zwischen dem kaum sag- und doch deutlich fühlbaren. Spiritualität ist für Alana Amram wichtig, wenngleich sie diese gerne in ein erdenschweres Kleid steckt.
Michael Freerix

 DIVERSE: This Ain’t No Mouse Music! – The Story Of Chris Strachwitz And Arhoolie Music
DIVERSE
This Ain’t No Mouse Music! – The Story Of Chris Strachwitz And Arhoolie Music
www.arhoolie.com
(Arhoolie CD 545 A&B)
CD 1: 20 Tracks, 64:04; CD 2: 18 Tracks, 72:25 , 36-seitiges, engl. Begleitbuch


Als 16-Jähriger kommt Chris Strachwitz nach dem Zweiten Weltkrieg als deutscher Emigrant in die USA, wo er 1960 mit Arhoolie ein Schallplattenlabel gründet, das zu einem bedeutenden Klangarchiv der amerikanischen Regionalstile wird und sich zu einem der einflussreichsten Rootsmusik-Anbieter des Landes entwickelt. Weltmusik und Weltbeat – das sind heute gängige Vermarktungsbegriffe im Musikgeschäft. In den USA war schon immer fast jede Ethnomusik eine Vermischung unterschiedlicher Kulturen und Musikstile – wie Blues, Cajun, Zydeco oder auch Tex-Mex. Sie alle finden sich neben Bluegrass, Polka, Country und Jazz im Arhoolie-Repertoire. Die vorliegenden CDs bieten einen Querschnitt aus dem Soundtrack des gleichnamigen Films von Maureen Gosling und Chris Simon, der Leben und Werk von Chris Strachwitz nachzeichnet. Vertreten sind unter anderem Ry Cooder, Flaco Jiménez, Country Joe MacDonald, Clifton Chenier, Lydia Mendoza. Vierzehn der Titel sind bislang unveröffentlicht. Das Begleitbuch liefert Informationen zu Strachwitz, den Filmemachern und den Künstlern sowie zu den Songs und ihren Entstehungsgeschichten. Eine exzellente Einführung in den Katalog von Chris Strachwitz.
Michael Kleff
 THE FRETLESS: The Fretless
THE FRETLESS
The Fretless
www.thefretless.com
(Magnetic Music 05873/Membran Entertainment)
Promo-CD, 11 Tracks, 42:00


The Fretless haben sich beim Instrumentalstudium an der renommierten Bostoner Musikakademie Berklee kennengelernt und sich in der Besetzung eines klassischen Streichquartetts (Violine I, Violine II, Bratsche, Cello) gefunden. Ihre Musik hingegen entspringt schottischen und irischen Fiddletraditionen sowie Bluegrass und Americana ihrer Heimat Kanada. Der nordamerikanischen Folkmusik entnehmen sie Techniken wie das Choppen, eingestreute Banjoarrangements und die dort so typischen Bluesskalen. Das Repertoire ist hingegen größtenteils irischer und schottischer Folklore entlehnt. Ihr Set-up erlaubt der Band, mit vollmundigen Streichersounds zu arbeiten, den Jigs und Reels satte Harmonien zugrunde zu legen und ihre Sets mit allerlei technischen Finessen, waghalsigen Improvisationseinlagen und Modulationen auszustatten. Insbesondere das Cello, das sich als erstaunlich schnellfüßiges Melodieinstrument entpuppt und mit rhythmisierenden, perkussiven Stricharten für den Drive sorgt, gibt den Tracks klangliche Tiefe. Ergänzend wartet das zweite Album der Band mit einigen Songs auf, für die zwei Gastsänger engagiert wurden, und mit einer wilden Stepptanznummer.
Judith Wiemers

 LILY & MADELEINE: Fumes
LILY & MADELEINE
Fumes
www.lilandmad.com
(Asthmatic Kitty Records AKR128/Cargo)
Promo-CD, 10 Tracks, 37:17


Das neue Album der Schwestern aus Indianapolis, die – man mag es kaum glauben – mit siebzehn und neunzehn Jahren immer noch Teens sind. Ähnlich wie bei First Aid Kit aus Schweden ist es der phänomenale zweistimmige Gesang, der jedem gesungenen Wort eine endgültige Wahrheit zu verleihen scheint. Immer eine Spur zu rau, um kitschig zu sein, so brillant einfach, schlicht und authentisch kommt er daher, um ohne Umwege direkt an der Seele zu rühren. Mit Produzent und Manager Paul Mahern, sowie dem Ko-Songwriter Kenny Childers sitzt wieder das gleiche Team hinter den Reglern. Das klangliche Spektrum wird dezent erweitert Richtung Popappeal, dennoch bleiben die Stimmen immer – in diesem Falle – Frau im Haus. Die Stücke sind allesamt getragen, und die Instrumentierung mit vornehmlich Akustikgitarre, Bass und dezentem Schlagzeug schafft eine Grundlage mit genügend Bodenhaftung. Wobei Produktion und Arrangements ein perfektes Schaumbad ergeben, in dem Fumes in Schönheit und Sentimentalität hätte versinken können. Dass dies nicht passiert, ist die große Qualität dieses Albums – da winkt man auch die eine oder andere musikalische Belanglosigkeit gerne durch.
Dirk Trageser
 DAN POSSUMATO & FRIENDS: Tunes Inside
DAN POSSUMATO & FRIENDS
Tunes Inside
www.danpossumato.com
(Old Box Records 003/Eigenvertrieb)
14 Tracks, 51:05 , mit engl. Infos


Akkordeonist Dan Possumato und seine musikalischen Mitstreiter haben auf Tunes Inside ihre Anspielung auf die irische Pubsession in musikalische Tat umgesetzt. Die Einspielungen von Jigs, Reels, Songs und Polkas klingen wie direkt im Pub aufgenommen, mit Musikern unterschiedlichsten Niveaus, ungeschönt, unbearbeitet, ein bisschen asynchron und hier und dort klapprig, aber mit Groove gespielt, oder irisch gesagt lift. Hier sind echte Liebhaber am Werk, die nicht hauptberuflich, sondern lediglich aus Spaß am Repertoire musizieren. Die Auswahl der Tracks umfasst Kompositionen nordamerikanischer Nachkommen irischer Einwanderer, Standard-Sessionhits, Tunes aus Neufundland und Québec sowie Eigenkompositionen großer Namen der irischen Folksmusik (Frankie Gavin, Liam Clancy und andere). Für die musikalische Umsetzung verlassen sich die Musiker auf ein moderates Tempo und ein traditionelles Set-up mit mehreren Melodieinstrumenten (Geige, Uilleann Pipes, Knopfakkordeon) sowie Begleitung auf Gitarre, Banjo oder einem improvisierenden Klavier. Besonders schön und einfühlsam gespielt ist eine Komposition des Fiddlers André Bronet: „Valse Du Chef De Gare“.
Judith Wiemers

 THE STRAY BIRDS: Best Medicine
THE STRAY BIRDS
Best Medicine
www.thestraybirds.com
(Yep Roc Records YEP-2408/Cargo Records)
Promo-CD, 12 Tracks, 46:17


Sie schöpfen aus dem Vollen, holen sich Inspiration bei Altvorderen wie der Carter Family und Bill Monroe, vergessen also traditionelle Wurzeln nicht und bedienen sich aus der Pop- und Rockgeschichte. Dieses Trio aus Lancaster, Pennsylvania, reiht sich ein in die Riege großartiger junger Bands aus den USA, die energievolle akustische Musik zu bieten haben, voller Melodien und atmosphärisch dichter Arrangements. Maya de Vitry, Oliver Craven und Charlie Muench spielen eine Vielzahl an Instrumenten, singen ohne Tadel und schreiben überzeugende Songs. Nur zwei Stücke ihres zweiten Albums stammen nicht von ihnen, sind Traditionals. Die Stray Birds erzählen aber Geschichten wie die Alten, über Liebe, Einsamkeit, Schmerz und Hoffnung, Themen, die sich immer erneuern – erst recht, wenn sie in den Händen talentierter Songschreiber liegen. Ob die Band wundervolle Balladen liefert wie „Never For Nothing“ oder mitreißenden Western Swing, ob Old Time oder Bluegrass, immer üben ihre Lieder eine Faszination aus, die über die gesamte Plattenlänge trägt. „Music is the best medicine I sell“, heißt es im Titelstück. Was jeder sofort unterschreiben kann, der diesen Stray Birds zuhört.
Volker Dick
 DAVID VIDAL: World Of Trouble
DAVID VIDAL
World Of Trouble
www.davidvidal.net
(Wilmac Records)
Promo-CD, 11 Tracks, 40:55


David Vidal hat das Leben eines Hobos geführt, bevor er sich in Los Angeles niederließ und Songs für andere Musiker und Filmfirmen schrieb. Sein eigenes Material, bluesgetränkt und teilweise auf selbst gebauten Gitarren gespielt, hat er bisher auf vier Tonträgern veröffentlicht. Wenn man Hollywood vor Augen hat, verwundert die Knarzigkeit dieses Albums doch ein wenig. Nun, vermutlich helfen ihm genau die im Filmbusiness verdienten Dollars dazu, als Performer eine für Hollywood absolut untaugliche Musik zu machen. Simplizistisch doch souverän spielt Vidal mit seinem Bottleneck die sechs oder vier Saiten seiner Instrumente. Er erzählt Geschichten von Bergen, Flüssen und Seen; sogar das Sirren von Insekten und das Wispern von Wüstengras scheinen sich darin auszubreiten, doch das ist alles nur Fantasie, sind die Songs von David Vidal doch geradezu staubtrocken produziert. Joe Walsh und Gene Clark haben seine Songs aufgenommen. Jackson Browne hat mal ein Hähnchensalat-Sandwich mit ihm geteilt. Vidal ist schon lange in einer uramerikanischen Songschreiberszene verankert, und es bleibt zu hoffen, dass er noch viele ähnlich eigenwillige Alben veröffentlichen wird.
Michael Freerix

Lateinamerika
 Miriam Aida: É De Lei
Miriam Aida
É De Lei
www.miriamaida.com
(Connective Records CTV36532/ Broken Silence)
10 Tracks, 44:58 , mit engl. Infos


Die in Schweden lebende brasilianische Jazzsängerin Miriam Aida wagt sich hier an die legendären Afrosambas von Baden Powell und Vinícius de Moraes. Während es von vielen der Stücke wie „Canto De Ossanho“ von Powell Einspielungen gibt, die meist nur mit Gitarre, Percussion und Bass auskommen, wird hier ein ganzes Orchester mit Streichern, Flöten und Chor eingesetzt. Die oft archaische und hypnotische Stimmung der Originale steht bei Aida nicht so im Vordergrund wie die Melodie der Stücke. Der weibliche Gesang und die Arrangements lassen die Stücke nicht melancholisch wie bei Powell, sondern überraschend fröhlich wirken, mit einer eigenen Strahlkraft. Man versucht auch nicht, mit Powells begnadeten Gitarrenkünsten zu konkurrieren oder irgendwelche zeitgeistkonformen Sounds einzubauen. Baden Powell spielte jedoch etliche Stücke ebenso mit Orchester und Chor ein, woran sich die Neuinterpretation eher orientiert. Aida gelingt eine neue Wahrnehmung der Stücke, die einem gewahr werden lässt, welch zeitlose Kompositionen hier einst geschaffen wurden, die den so oft interpretierten Klassikern von Tom Jobim in nichts nachstehen.
Hans-Jürgen Lenhart
 MARIA BETHÂNIA: Meus Quintais
MARIA BETHÂNIA
Meus Quintais
www.mariabethania.com
(Discmedi DM5128-02/Galileo)
13 Tracks, 42:37 , mit port. Texten


Weniger ist bekanntlich manchmal mehr. Die große brasilianischen Sängerin Maria Bethânia reduziert auf ihrem neuen Album die Musik Brasiliens auf die Essenz. Gerade bei Liedern, die nur von ein oder zwei Instrumenten begleitet werden, kommt ihre warmherzige, reife Stimme zum Tragen. Das Album ist faszinierend ruhig und sehr atmosphärisch, besitzt aber auch rhythmische Titel. Meus Quintais, „meine Hinterhöfe“, hat die Künstlerin ihr einundfünfzigstes Album genannt. Sie singt über ihre Kindheit und changiert dabei zwischen Folksängerin und Liedermacherin – was in Brasilien ja eh kaum zu trennen ist. Die Siebenundsechzigjährige gehörte zu den Erneuerern der Música Popular Brasileira in den Sechziger-/Siebzigerjahren und ist eine der erfolgreichsten Sängerinnen des Landes. So klingt auch ihr neues Album durchgehend modern, durch die geschmackvollen Arrangements sogar zeitlos. Viele Titel sind mit traditionellen Instrumenten eingespielt und vertragen sich wunderbar mit Stücken, in denen zum Beispiel eine E-Gitarre oder nur ein Piano zu hören ist. Hübsch sind auch das Digipack und das 32-seitige Booklet. Eine Wohlfühlplatte!
Udo Hinz

Australien/Ozeanien
 BRETT HUNT: Dangerous Currents
BRETT HUNT
Dangerous Currents
www.bretthunt.com.au
(Tonetoaster Records TT 01019)
10 Tracks, 36:14 , mit Texten


Es ist nicht leicht, einen Countrysänger wie Brett Hunt zu beschreiben. Die großen Vorbilder wie Willie Nelson oder Johnny Cash hört man zwar auch bei dem Australier heraus, die Atmosphäre auf Dangerous Currents ähnelt aber viel mehr der von irischen Liedermachern wie Christy Moore. Dabei gehört der Künstler musikalisch weder in die eine, noch in die andere Schublade. Sein Fingerpicking ist sein Markenzeichen und eines Ian Melrose würdig. Die Songs klingen sehr rau, so als würden sie von bluesorientierten Rockmusikern eingespielt. Ein akustisches Countryalbum von Rory Gallagher hätte vielleicht so geklungen. Die Texte sind spröde und beschränken sich auf das Wesentliche: „Gonna love you in the mornin’“. Musik, um auf Arbeitssuche zu gehen oder seinen Rausch zu verarbeiten. Das Holzfällerherz wird tief berührt, und der Hörer gerät in Versuchung, seinen Rucksack zu packen und durch die australische Wildnis zu ziehen. Brett Hunt weiß genau, welche Wirkung er erzielt. Jeder Einsatz der Mundharmonika oder der seltenen perkussiven Elemente erfolgt nicht nur als musikalischer Ausdruck seiner Seele. Nein, er möchte beinah berechnend den Zuhörer nur noch tiefer in seinen Bann schlagen, bis dieser ihm und seinen Geschichten verfallen ist.
Chris Elstrodt



Asien
 DIVERSE: Magic Kamancheh. World Music Instruments – Die Streichlauten Vol. 1: Asien
DIVERSE
Magic Kamancheh. World Music Instruments – Die Streichlauten Vol. 1: Asien
www.noethno.de
(Noethno 1015-19/Galileo MC)
4 CDs, 41 Tracks, 317:50 , plus Buch u. DVD (240:00)


Eigentlich müsste man diesem Bernhard Hanneken eine Ehren-Ruth beim TFF Rudolstadt für sein Lebenswerk verleihen, wenn – ja wenn’s kein Geschmäckle hätte …! Denn Hanneken ist nicht nur seit Jahren künstlerischer Leiter des TFF, sondern parallel dazu auch noch Herausgeber einer CD-Edition über diejenigen (Welt-)Musikinstrumente, die beim TFF das „Special“ bestreiten. Und diese Edition kompiliert Hanneken mit der gleichen Akribie und immensen Fachkenntnis, mit der er auch das alljährliche Programm des TFF zusammenstellt. Auch die aktuelle Ausgabe der Edition ist ein dicker Brocken an kompetenter Information: vier randvolle CDs, ein 96-seitiges Buch (mit Lesebändchen), dazu eine knapp vierstündige DVD mit bewegten Bildern zum Thema. So werden im Buch die wichtigsten Instrumente in Einzeldarstellungen präsentiert, natürlich ist die persische Kamancheh ebenso vertreten wie die abchasische Apkhiartsa oder die indische Taus, eine Streichlaute mit dem Korpus eines Pfaus. Von allen finden wir Bilder und Beschreibungen; auf den beiliegenden CDs gibt’s dann die dazugehörenden Klänge. Tja, wie gesagt: Eigentlich müsste man … Aber das passiert wohl erst, wenn er sich ins Privatleben zurückgezogen hat!
Walter Bast