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 FRÉDÉRIC SOLTAN (Fotogr.), DOMINIQUE RABOTTEAU: Whispering Walls / Photography – Frédéric Soltan ; Text – Dominique Rabotteau.
FRÉDÉRIC SOLTAN (Fotogr.), DOMINIQUE RABOTTEAU
Whispering Walls / Photography – Frédéric Soltan ; Text – Dominique Rabotteau.
www.earbooks.net
(– Hamburg : Edel Germany GmbH, 2013. – 217 S. : überw. Fotos mit erl. Texte)
ISBN 978-3-943573-04-6 , 39,95 Euro


Murals, Graffitis, Stencils, dazu Klezmer, kubanischer Son oder A-capella aus Simbabwe: Der Bildband Whispering Walls ist ein sogenanntes „Earbook“, er lässt uns audiovisuell in die Welt der Wandbilder eintauchen, einem Teil der Street Art. Beim Blättern in dem schweren Wälzer kann man Musik von drei CDs hören, inhaltlich auf die Themen der circa fünfhundert Fotos abgestimmt, sortiert in Ländergruppen. Traditionelle und moderne Folklore halten das Audioerlebnis lebendig und funktionieren auch für sich. Dafür verantwortlich ist der um ein Musiklabel erweiterte Reiseführerverlag Rough Guides. Als Bestandteil der Street Art, dieser klassenlosen, globalen Kunstform der Moderne, sind große Wandbilder weltweit zu sehen. Das französische Fotografenduo war jahrzehntelang in um die zwanzig Ländern zwischen Irland und Mexiko unterwegs, um unterschiedlichste Werke zu dokumentieren und in Themen einzuteilen: „Kämpfer“, „Frauen“, „Gewalt“, „Glauben“, „Soziale Kämpfe“ und „Zukunft“. Bemalte, beschriebene Wände sind eine wirksame Art, sich mitzuteilen, wo es sonst nicht erlaubt ist oder nicht jeder lesen kann. Stilistisch ist die Bandbreite groß: Simple Farbflächen (Kuba) oder eher naive Darstellungen wie die liegende Naturgöttin Pachamama (Chile) wirken genauso intensiv wie die realistisch dargestellten Hände (Philadelphia) oder raffinierte Schablonentechniken zur Hyperurbanisierung aus Polen. Oft sieht man Anlehnungen an Picassos Figuren aus „Guernica“, die symbolisch von Krieg und Gewalt sprechen. Englischsprachige Zitate von Weisen, Philosophen oder Politikern ergänzen das Werk.
Imke Staats
 ROSEMARIE TÜPKER: Musik im Märchen.
ROSEMARIE TÜPKER
Musik im Märchen.
www.reichert-verlag.de
(– Wiesbaden : Reichert, 2011. – 312 S. : mit Abb.)
ISBN 978-3-89500-839-9 , 39,80 Euro


Die Autorin befragt in ihrer Publikation über drei Kapitel das Verhältnis von Musik und Märchen und bezieht sich dabei vor allem auf das europäische Volksmärchen und das Musikerleben des historisch „einfachen Volkes“. Sie breitet zunächst den Forschungsstand der allgemeinen Märchenforschung und verwandter Wissenschaftsdisziplinen aus, versucht eine Einordnung musikalischer Elemente und beschäftigt sich dann im zweiten Kapitel über nahezu ein Drittel des gesamten Buches mit tiefenpsychologischen Analysen einiger weniger Texte. Die Beziehung von Musik und Märchen scheint in diesem Teil weniger in ihrer aktuellen Vitalität als praxisorientiertes Kommunikationspotenzial befragt zu werden, sondern vielmehr als eventuell therapeutisch relevantes Material. Anthropologische Blickwinkel, das Vergnügen am absichtslosen Spiel – auch mit Musik- und Märchenelementen – oder die fundamentalen Ergebnisse der modernen Hirnforschung bleiben völlig außer Acht. Das dritte Kapitel bietet eine sehr sorgsame Auflistung und Erläuterung verschiedener Instrumententypen, Formen von Gesang und Tanz in ihrer oft verschlüsselten oder vereinfachten Benennung in den tradierten Texten der verschiedenen Kulturen – Ansätze einer Semiotik musikalischer Elemente im Märchen, auch wenn die Autorin den Begriff nicht verwendet. Das umfangreiche Glossar mit Literaturliste und Quellenverzeichnis könnte ein wertvoller Fundus für die vielen Praktiker sein, die Musik und Märchen heute wieder aktiv und höchst lebendig im Vortrag verbinden, was bislang aber nur als Fußnote in diesem Buch auftaucht.
Cathrin Alisch

 JOHN MUNRO: The Emigrant and the Exile.
JOHN MUNRO
The Emigrant and the Exile.
www.rosedogbookstore.com
(– Pittsburgh, PA : Rosedog Books, 2010. – VIII, 171 S. : mit Abb. )
ISBN 978-1-4349-8346-6 , 20,00 US-Dollar


Eine seltene Kategorie ist das: Auto- und Biografie! Wie das? Der Gefühlsmensch Munro schreibt über sich und vor allem über seinen musikalischen Duopartner Eric Bogle, der wiederum ein richtiger Grantler ist, aber auch der Verfasser von antimilitaristischen Welthits der Folkszene wie „And the Band Played Waltzing Mathilda“ oder „Green Fields Of France“. Beide verbrachten ihre Jugend in Schottland, beide emigrierten unabhängig voneinander nach Australien. Wechselweise erzählt Munro seine Geschichte und die des Kollegen, wobei die frühen Jahre den Schwerpunkt bilden. Erst ab Seite 124 geht es so richtig mit der Musik los, aber auch da gilt: Das ist keine hohe Literatur, da hat sich jemand hingesetzt, um ein paar lustige und weniger lustige Erinnerungen zu fixieren. Seine eigene Geschichte ist natürlich authentisch, wenn Munro aber von Bogle erzählt – nach all den Jahren schwingt immer noch eine große Bewunderung mit – und Bogle häufig wörtlich zitiert wird, dann ist vieles eben doch Munros Interpretation der Dinge. Diverse Liedtexte sind ebenfalls abgedruckt. Einige durchaus interessante Sachverhalte finden nicht statt, so Bogles erste LP auf dem deutschen Autogram-Label, die er wegen des simplen Mitschnitts überhaupt nicht mochte, die aber dennoch für geraume Zeit seine künstlerische Visitenkarte war. Vielleicht will Bogle einfach nicht mehr darüber sprechen. Munro klingt ehrlich, will nichts verschweigen und auch niemanden kompromittieren, aber es wird durchaus klar, wer von beiden der Emigrant und wer der Exilant ist. Fazit: Eingedenk der Tatsache, dass Bogle nicht der Typ für eine Autobiografie zu sein scheint, wird dieses Buch das wahrscheinlich einzige sein, was mit einiger Kenntnis unter anderem über sein Leben berichtet. Das sollte zumindest für seine Fans als ausreichendes Kaufargument gelten.
Mike Kamp
 JOSÉ MUñOZ, CARLOS SAMPAYO: Carlos Gardel – Die Stimme Argentiniens / Aus d. argent. Span. von Rike Bolte.
JOSÉ MUñOZ, CARLOS SAMPAYO
Carlos Gardel – Die Stimme Argentiniens / Aus d. argent. Span. von Rike Bolte.
www.reprodukt.com
(– Berlin : Reprodukt, 2013. – 124 S.)
ISBN 978-943143-08-9 , 20,00 Euro


Carlos Gardel, der legendäre argentinische Tangosänger, Stückeschreiber, Bedeutungsstifter des Tangoliedes Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, grenzüberschreitender Nationalheld, dessen Stimme seit 2003 dem Weltkulturerbe angehört, wird hier, erstmalig, im Medium Graphic Novel gewürdigt. Die Autoren erheben in ihrem Werk keinen Anspruch darauf, eine (weitere) Biografie des mysteriösen Gardel zu konstruieren. Unklarheiten, deren es viele gibt in seinem Lebenslauf, nähren den Mythos: Kam er in Frankreich oder Argentinien zur Welt? Wann genau? Starb er wirklich 1935 bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien? Bestimmten Fragen ist man auf der Spur, seinem Verhältnis zu Frauen etwa; wahrscheinlich bedeutsame Begegnungen werden illustrativ zum Leben erweckt. Erzählerisch eingebettet sind diese Momente in eine Rahmenhandlung: Eine TV-Show, bei der ein Gardel-Experte und ein Soziologe über die Relevanz Gardels für das „argentinische Wesen“ diskutieren. Aus den Statements dieser beiden plus den Kommentaren und Erinnerungen eines Zuschauers und Gardel-Zeitgenossen ergeben sich die Sequenzen und Rückblicke in das damalige Leben in der Metropole Buenos Aires. Gardel war in seinen Liedern ein Chronist des Stadtlebens. Er besang soziale Aspekte der Hafenmetropole: das Nachtleben in Glanz und Elend, Alltag und Kriminalität, die Misere in den Mietskasernen … Lebensgefühl und Stimmungen setzt der Zeichner José Muñoz in harten Schwarz-weiß-Bildern um, teils mit dem fast trockenen Pinselstrich und klaren Tuschelinien. Oft sind Gesichter mit minimalistischem Farbauftrag ausdrucksvoll umgesetzt, ein Spiel aus Licht und Schatten. In den lebendigen, rhythmischen Pinselstrukturen kann man eine Analogie zum Takt und Fließen der Musik ziehen. Das Autorenteam Carlos Sampayo und José Muñoz sind das berühmteste argentinische Comicduo, welches nach der erfolgreichen Krimiserie Alack Sinner in den Achtzigerjahren bereits eine Musikerbiografie hinlegte, nämlich die von Billie Holiday. Texter Sampayo ist zudem Autor von Romanen und Musikkritiken. Beide sind in ihren Siebzigern und stammen aus Buenos Aires.
Imke Staats

 JOHN NEIL MUNRO: Some People are Crazy – The John Martyn Story / Foreword by Ian Rankin.
JOHN NEIL MUNRO
Some People are Crazy – The John Martyn Story / Foreword by Ian Rankin.
www.polygonbooks.co.uk
(– Edinburgh : Polygon, 2010. – VIII, 263 S. : mit Fotos)
ISBN 987-1-84697-165-5 , 8,99 engl. Pfund


Künstler sind auch nur Menschen. Manche schreiben grandiose Lieder, geben mitreißende Konzerte und sind jenseits der Bühne völlig andere Typen. John Martyn, geboren als Iain David McGeachy, schottischer Singer/Songwriter und vor allem Gitarrist, war so einer. Er spielte einzigartige Alben wie Solid Air oder Grace And Danger ein, war aber zugleich ein Säufer und Drogenmensch sondergleichen, der trotz gefühlvoller Lieder zu Gewalt neigte, auch Frauen gegenüber. Selbstverständlich sah sich Martyn nie als Folkie, aber er begann in der Folkszene (Hamish Imlach war sein Mentor, auch er kein Kostverächter), und diese Schule hat er nie völlig verleugnen können. Er starb 2009 mit sechzig Jahren und wurde für viele Beobachter ob seines Lebenswandels trotzdem erstaunlich alt. Der Fan und Autor Munro verschweigt die negativen Seiten nicht, sein Buch ist ein ehrliches. Martyn selbst unterstützte ihn dabei, denn das Original erschien 2007 und wurde nach Martyns Tod für die zweite Auflage überarbeitet. Das Buch ist eine enorme Fleißarbeit, denn Munro lässt in erster Linie Martyns Zeitgenossen oder Kollegen wie Danny Thompson, Wizz Jones oder Ralph McTell sprechen und benutzt ausgiebig Zitate aus Zeitschriften und Fanzines. Auf fast jeder Seite des Buches sind Zitate zu finden. Munros Verdienst ist es, dass er sich mit Spekulationen zurückhält und seine Zwischentexte so intelligent schreibt, dass sich das Buch sehr flüssig und spannend lesen lässt. Hilfreich und beileibe nicht selbstverständlich sind auch die umfangreichen Anhänge bezüglich CDs, Konzerten, Literatur und schlussendlich ein Namensregister.
Mike Kamp