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 DAMA & ERICK MANANA: Vaonala
DAMA & ERICK MANANA
Vaonala
facebook.com/duo-dama-erick-manana-903044293077833
(Acoustic Music Records/ Rough Trade)
10 Tracks, 46:19,


Dama heißt eigentlich Rasolofondrasolo Zafimahaleo, hat Soziologie studiert und gilt als einer der führenden Musiker Madagaskars. Nicht nur als Sänger, sondern auch als Abgeordneter hat er die madagassische Identität massiv gestärkt. Die Art, wie er die Saiten zupft, wurde zum Dama-Stil. Seine Band Mahaleo genießt heute Kultstatus. Mit ihr machte er Popmusik in madagassischer Sprache populär, denn zuvor führten englisch- und französischsprachige Songs die Charts an. In ihren Liedern geht es häufig um gesellschaftsrelevante Themen wie Umwelt, Landflucht oder Korruption. Sein kongenialer Duopartner Erick Manana kommt ebenfalls aus Madagaskar, lebt aber seit Anfang der Achtzigerjahre in Frankreich. Ihm ist es immer wieder gelungen, seine musikalischen Wurzeln mit den modernen Einflüssen der Weltmusik zu verknüpfen. Er wird als „Bob Dylan Madagaskars“ gefeiert. Die beiden Megastars ihrer Heimat zeigen auf ihrem gemeinsamen Album, wie gut ihr filigranes Gitarrenspiel und ihre berührenden Vokalismen miteinander resonieren. Anspieltipp: das so sanft chromatisch absteigende „Barikavily“, das sich aufsteigend in der so wundersam vertrauten Akkordfolge von Cohens „Suzanne“ auflöst.
Stefan Sell



Nordamerika
 JON GINDICK: When We Die, We All Come Back As Music
JON GINDICK
When We Die, We All Come Back As Music
jongindickband.com
(Old Chimney/CD Baby)
Promo-CD, 10 Tracks, 42:23,


An geschichtsträchtiger Stätte, nämlich in Clarksdale, Mississippi, betreibt Jon Gindick seit Jahren sein Jon’s Blues Harmonica Jam Camp. Dort schult er mit weiteren Dozenten den musikalischen Nachwuchs in Sachen Bluesharmonika, Gitarre, Gesang und Komposition, und ein besseres Aushängeschild seines Camps als dieses Album ist dann auch schwerlich vorstellbar. Stilistisch zwischen Old-School-Blues, Swing und Funk, orientieren sich die zehn Stücke allesamt mustergültig in Aufbau, Choreografie und Dramaturgie. Sie wirken dabei keineswegs schulmeisternd, sondern werden lässig dargeboten, sind immer „laid back“ gespielt und voller kleiner Tricks und Wendungen. So beginnt das Titelstück mit einem locker geschlagenen Grundrhythmus auf der akustischen Gitarre, bei dem ab der zweiten Textzeile eine Hammond B3 ganz verhalten im Hintergrund lauert. Ein Backgroundchor kommt hinzu, und mit Beginn der zweiten Strophe öffnet sich der Song, die Mundharmonika setzt ein, eine Bläsersektion nimmt Fahrt auf, und durch einige wunderbare, gegenläufige Bass- und Pianolinien erhält das Ganze einen unwiderstehlichen Groove. Wenn so etwas auch den Schülern vermittelt wird, kann der Nachwuchs gerne kommen.
Achim Hennes
 MARTIN HARLEY AND DANIEL KIMBRO : Static In The Wires
MARTIN HARLEY AND DANIEL KIMBRO
Static In The Wires
martinharley.com
(Del Mundo Records, DM003)
11 Tracks, 44:57, mit engl. Infos


Auf ihrem zweiten gemeinsamen Album imponieren Singer/Songwriter Martin Harley und Bassist Daniel Kimbro mit Blues- und Rootsmusik. In nur vier Tagen wurde die Platte im Wow-&-Flutter-Studio in East Nashville, Tennessee, eingespielt und vom Analogguru Joe V. McMahan energiereich gemischt. Als Gäste dabei sind der große Dobrogitarrist und Grammy-Gewinner Jerry Douglas, Derek Mixon am Schlagzeug und Micah Hulscher bei drei Titeln am Piano. Die Musiker beweisen ein feines Gefühl für das richtige Timing, die Titel „Trouble“ und „I Need A Friend“ zeigen ihre Bandbreite auf. Harley, der bereits sieben Produktionen vorgelegt hat, weiß genau, was er tut. Stücke wie „Feet Don’t Fail Me“ und „Dancing On The Rocks“ sind akustische Glanzstücke der Platte. Man hört zwei Könner, deren Musik für jeden CD-Schrank eine Bereicherung ist. Für die Rezensentin das Album des Monats.
Annie Sziegoleit

 HAT CHECK GIRL: Two Sides To Every Story
HAT CHECK GIRL
Two Sides To Every Story
hatcheckgirl.net
(Gallway Bay Music/Hemifrån)
Promo-CD, 16 Tracks, 46:37, mit engl. Infos


Eine Produktion der besonderen Art ist dem Folk-Blues-Duo Peter Gallway und Annie Gallup aus Kalifornien gelungen. Der Multiinstrumentalist Gallway überzeugt gleichermaßen als Produzent, Komponist, Gitarrist, Keyboarder, Bassist und Sänger. Auch Partnerin Gallup erweist sich als hochbegabtes Multitalent. Der Gastmusiker Jerry Marotta ergänzt die beiden feinfühlig als Schlagzeuger und Percussionist. Zehn Titel wurden gemeinsam komponiert und in fünf Kapiteln gesammelt. Dazu kommen fünf Zwischenspiele und Epiloge. Mit Songs wie „This Kind Of Money“, „Drive“ und „Loving A Drunk“ zeigen die drei die ganze Vielfalt ihres variablen Spiels.
Annie Sziegoleit
 THE KATIE McNALLY TRIO: The Boston States
THE KATIE McNALLY TRIO
The Boston States
katiemcnally.com
(Eigenverlag)
10 Tracks, 47:59, mit schlecht lesbaren engl. Infos


Ein wenig Hintergrund ist sinnvoll. Wenn die Einwohner Cape Bretons in der Vergangenheit (und zum Teil auch noch heute) gezwungen waren, sich außerhalb ihrer Insel Arbeit zu suchen, dann war Boston/USA ein bevorzugtes Ziel. Ein Blick auf die Landkarte zeigt warum. Und natürlich reiste mit den Menschen auch ihre Kultur, in erster Linie ihre Musik, die in Cape Breton vornehmlich Tanzmusik ist. In Boston gibt es also eine lebendige Exilantenszene mit entsprechenden Tanzschuppen, und die Fiddlerin Katie McNally ist in dieser Szene groß geworden. Als junge Musikerin pflegt sie die Tradition Cape Bretons ebenso wie sie das Überlieferte durch Eigenkompositionen vorantreibt. Dabei helfen ihr zwei exzellente Musiker. Zum einen der Pianist Neil Pearlman, denn ohne Piano geht bei der Fiddlemusik der Ostkanadier nichts, und zum anderen etwas überraschend der Violinist Shauncey Ali, der den Fiddleklang variabler und vor allem tiefer tönen lässt. Alle drei Musiker bedienen sich einfühlsam auch anderer Einflüsse wie Jazz oder Boogie-Woogie, und die arrivierte Cape Breton-Fiddlerin Wendy MacIsaac produziert das Ergebnis ausgesprochen stimmig. Ein frischer Wind weht von Boston nach Cape Breton.
Mike Kamp

 TANYA TAGAQ: Retribution
TANYA TAGAQ
Retribution
tanyatagaq.com
(Six Shooter Records, SIX0102)
10 Tracks, 47:28, mit Texten auf Engl. u. Inuktitut


Tanya Tagaq geht mit ihrer Musik an Orte, die nur wenige zu betreten wagen. Die Sängerin stammt aus der arktischen Region Nunavut im Norden Kanadas. Ihre Inuk-Mutter führte sie in die Tradition des Kehlkopfgesangs ein, bei dem zwei Frauen mit heulenden, knurrenden, kehligen Lauten ein rhythmisches Frage-Antwort-Spiel zelebrieren. Das interaktive Ritual macht Tagaq zum Stilmittel für ein politisches Manifest, das es in sich hat. In einer Zeit, in der die kanadische Gesellschaft eine Versöhnung mit seinen lange entrechteten Ureinwohnern anstrebt, fordert sie „Vergeltung“ für Tausende entführte, vergewaltigte und ermordete indigene Frauen und erfindet gleich ein passendes musikalisches Genre dazu: Wombcore – aus dem Herzen der Gebärmutter. In ihren dramatisch anschwellenden Klanglandschaften manifestiert sich der Schmerz eines von gierigen Ölkonzernen, globaler Erwärmung und kulturellem Genozid verwüsteten Planeten. Der Violinist Jesse Zubot und ein fünzigköpfiger Chor verleihen Tagaqs musikalischem Exorzismus die angemessene Bombastik, ihre zarte Gesangsstimme kontrastiert MC Shads Rapverse, und am Ende verwandelt sie Nirvanas „Rape Me“ in einen körperlich spürbaren autobiografischen Plot.
Clemens Grün
 OTIS TAYLOR: Fantasizing About Being Black
OTIS TAYLOR
Fantasizing About Being Black
otistaylor.com
(In-Akustik)
42:49, mit engl. Infos.


Als Bandleader und Songschreiber hat Otis Taylor mit seinem fünfzehnten Album den Nerv der Zeit getroffen. Er präsentiert und produziert die oft nachdenklich stimmende Geschichte der Afroamerikaner und somit auch die Geschichte Amerikas. Als Taylor, der bereits zwanzigmal für den Blues Award nominiert worden ist, im Jahr 2015 mit den ersten Aufnahmen für dieses Album begann, konnte er nicht ahnen, dass die Thematik wieder derart relevant werden würde. Bei sieben neuen Titeln, darunter „Banjo Bam Bam“ und „Tripping On This“, werden Erinnerungen an John Lee Hooker wach. Taylor interpretiert auch frühere Eigenkompositionen wie „Twelve String Mile“ und „Walk On Water“ zeitgemäß neu. Das Thema soziale Gerechtigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Taylors Leben, und er kann mit seiner Haltung für Freiheit und gegen Rassismus absolut überzeugen. Seit 2010 veranstaltet Otis Taylor jährlich das Trance Blues Festival mit dem Ziel, die Basis für einen Austausch zwischen Profi- und Amateurmusikern zu schaffen.
Annie Sziegoleit

 CHRIS THILE & BRAD MEHLDAU: Chris Thile & Brad Mehldau
CHRIS THILE & BRAD MEHLDAU
Chris Thile & Brad Mehldau
bradmehldau.com
(Nonesuch Records 0075597940992)
Promo-Do-CD, CD 1: 6 Tracks, 33:42, CD 2: 5 Tracks, 29:52,


Hier kommen zwei Ausnahmemusiker zusammen, der eine überragender Jazzpianist, der andere Grenzen überschreitender Mandolinist. Im Duo bieten die US-Amerikaner Brad Mehldau und Chris Thile eine ungewöhnliche Konstellation ihrer Instrumente. Ende 2015 gingen sie für Aufnahmen ins Studio. Das Ergebnis sind diese zwölf Tracks, wobei das von Fiona Apple geschriebene „Fast As You Can“ nur auf der Vinylversion des Doppelalbums zu hören ist. Geboten wird eine Mischung aus Eigenkompositionen und originellen Coverversionen mehr oder weniger bekannter Songs. Dylans „Don’t Think Twice It’s Alright“ erhält eine Ragtime-Anmutung, „Scarlet Town“ von Gillian Welch gewinnt an Eindringlichkeit, und die frühe Joni-Mitchell-Nummer „Marcie“ wirkt schlicht ergreifend. Sowohl Chris Thile als auch Brad Mehldau nutzen die Gelegenheit, auf ihren Instrumenten zu zaubern und sich perfekt zu ergänzen. Hinzu kommen die Sängerqualitäten Thiles – seinen hohen Tenor beherrscht er perfekt. Die beiden bewegen sich mit großer Sicherheit zwischen wilden Klangkaskaden und stillen Momenten. Da kann auch bei dem uralten irischen Harfenstück „Tabhair Dom Do Lámh“ nichts schiefgehen. Mando und Piano im Duo – es passt.
Volker Dick
 GILLIAN WELCH: Boots No. 1 – The Official Revival Bootleg
GILLIAN WELCH
Boots No. 1 – The Official Revival Bootleg
gillianwelch.com
(Acony Records)
CD 1: 10 Tracks, 38:42, CD 2: 11 Tracks, 38:06, mit engl. Beiheft


Boots, nicht „Roots“, heißt dieses Doppelalbum von Gillian Welch. Zwar hat sie unter eigenem Namen erst fünf Alben veröffentlicht, doch hinzu kommen noch zwei gemeinsame mit ihrem Songschreiberpartner Dave Rawlings als Dave Rawlings Machine. Scheinbar ganz nebenbei hat sie noch mit zahllosen anderen Musikern kooperiert. Doch nicht einmal T Bone Burnett als Produzent und ihre Mitarbeit am Soundtrack zum Coen-Brüder-Film Oh Brother, Where Art Thou haben ihrem alternativen Country große Aufmerksamkeit beschert. Nun ist es für sie an der Zeit, einen Rückblick auf ihr musikalisches Leben zu werfen. Welch tut dies, indem sie noch einmal in alte Aufnahmen hineinhorcht. Das Album stellt viele Songs in alternativen Versionen vor, aber auch bisher Unveröffentlichtes und das ein oder andere sehr intime Demo. Im Vergleich mit den Originalalben stellt Boots No. 1 ein interessantes Vergleichsmoment dar, und es stellt sich die Frage, was dazu geführt hat, dass die Titel so nicht auf den Originalalben erscheinen konnten. Insgesamt ist die Musik dieses Revival Bootlegs abwechslungsreicher, vielleicht sogar widersprüchlicher als die auf den Originalveröffentlichungen, und bietet einen Eindruck von der Arbeit im Studio, am Song und am Klang eines jeden Stücks.
Michael Freerix

Australien/Ozeanien
 MICK HARVEY: Intoxicated Women
MICK HARVEY
Intoxicated Women
mickharvey.com
(Mute/Goodtogo)
Promo-CD, 15 Tracks, 46:58,


Mittlerweile zum vierten Mal erklärt Mick Harvey musikalisch dem großen Serge Gainsbourg seine Liebe. Gainsbourg, der Inbegriff des französischen Chansons und auch des Skandals, starb 1991 in Paris. Zu dieser Zeit begann Harvey, insbesondere durch seine Mitarbeit bei den Bad Seeds selber zur Legende geworden, seine Hommage an den französischen Künstler. Die Seelenverwandtschaft der beiden Außenseiter liegt auf der Hand, ob mit Zigarette in Coolness versinkend oder den wilden Anarchisten unterstreichend. Harvey und Gainsbourg könnten vom gleichen Blut abstammen. Vielleicht klingt deshalb auch die vierte Hommage an Gainsbourg, als wären es Eigenkompositionen Harveys. Natürlich, man kennt die Stücke, allen voran den Archetypen des Softpornos „Je T’Aime“ und die Beathymne „Puppet Of Wax“. Wie Harvey die Lieder aber transformiert, ist schlichtweg atemberaubend. Die Grundstimmung des Songs jeweils wertschätzend und erhaltend, werden die alten Gainsbourg-Hits zu modernen Indieperlen, die zwischen Cohen und Cave, zwischen naiven Popsongs und schwermütiger Countrymusik pendeln. Harvey hat sich wundervolle Unterstützung zu seinem Projekt organisiert, allen voran die heimliche Erbin von Nico, Andrea Schröder, und Toby Dammit aus der alten Bad-Seeds-Seilschaft.
Christian Elstrodt