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 WOLF BIERMANN:: Warte nicht auf bessre Zeiten – Die Autobiographie.  WOLF BIERMANN:: Im Bernstein der Balladen : Lieder und Gedichte.
WOLF BIERMANN:
Warte nicht auf bessre Zeiten – Die Autobiographie.
propylaen.de
(Berlin : Ullstein, 2016. – 543 S. : mit s/w-Fotos)
ISBN 978-3-549-07473-2 , 28,00 EUR


WOLF BIERMANN:
Im Bernstein der Balladen : Lieder und Gedichte.
propylaen.de
(Berlin : Ullstein, 2016. – 233 S.)
ISBN 978-3-549-07479-4 , 24,00 EUR


Um es gleich vorneweg festzuhalten: Ja, der Autor ist eitel, geht mit eigenen Irrtümern und Fehlern nachsichtiger um als mit denen seiner Widersacher, er polarisiert und er ist provokativ, vorlaut, polemisch, zuweilen grob und meistens geradeheraus. Doch zum Wichtigen. Wolf Biermann wurde 1936 im Hamburg geboren. Seine Eltern waren beide Kommunisten, sein jüdischer Vater wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Mit diesen familiären Prägungen legte Mutter Emma ihren einzigen Sohn auf sein Lebensthema fest und begleitete ihn sein bewegtes Leben lang liebevoll. Sie rettete ihn in der Hamburger Bombennacht 1943 und schickte ihren lernfaulen Politbengel 1953 nach Gadebusch in die DDR. Damit wurde die Weiche gestellt für die ganz außergewöhnliche Karriere eines gläubigen und dann widerspenstigen Liedermachers. Er schildert seinen Weg, der über die Uni zum Berliner Ensemble und über eine Liebe zu eigenen Liedern führte. Und mit den eigenen Liedern und Gedichten begann die Gängelei des Apparats. Diese Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten, unter denen alle Kulturschaffenden litten, deren harte Folgen und Verbote sie fürchteten und denen sie auszuweichen versuchten. Doch da begann er sich von anderen gemaßregelten Künstlern zu unterscheiden. Er versuchte nicht mehr, zu diplomatisch zu agieren, zu besänftigen, zu tricksen, nein, er widerstand und blieb frech bei seiner Meinung und seinen Liedern. Manfred Krug schrieb in seinem Buch Abgehauen: „Er war die Vorhut. Wenn er Richtung Front losging und es blieb ruhig, konnte man bequem hinterherrobben.“ Biermanns Ausbürgerung 1976 war deshalb für viele Künstler in der DDR ein Schock und letzter Anlass, dem Land ebenfalls den Rücken zu kehren. Sehr lebendig, engagiert und detailreich erzählt der Autobiograf diese Entwicklungen, schildert seine Veränderungen, Kompromisse, Fehler, Ängste, Feigheiten und seinen Mut, Zorn und Trotz, seine Frauen und Kinder, seine Freunde, Feinde und Kollegen. Da er nach eigener Aussage nur die literarische Kurzstrecke beherrscht, ist ein Großteil der Recherchearbeit in den Stasiakten und seinen Tagebüchern und die Auswahl und Zusammenstellung der Geschichten von seiner Frau Pamela geleistet worden. Sicher ein hartes Stück Arbeit, es galt, ein prall gelebtes Leben zu erzählen. Das Personenverzeichnis ermöglicht auch die gezielte Suche nach Informationen. Das mangels Relevanz aussterbende Genre Renegatenliteratur der kommunistischen Bewegung ist um ein wichtiges Werk erweitert worden. Annähernd zeitgleich zum achtzigsten Geburtstag Biermanns und seiner Autobiografie ist zudem ein Sammelband seiner Gedichte und Lieder aus über 55 Jahren erschienen. Hier kann man die Steine des Anstoßes nachlesen, seine Entwicklung verfolgen zu immer direkterer Kritik in der DDR bis zu persönlichen, milderen Gedichten seiner späten Jahre. Eine liebevoll gemachte Edition.
Rainer Katlewski
 MICHAEL DÜBLIN:: Der kalte Saphir
MICHAEL DÜBLIN:
Der kalte Saphir
skv.de
(Basel : Petri, 2016. – 336 S.)
ISBN 978-3-03784-098-6 , 24,90 EUR


Der egoistische und egozentrische Sänger einer aufstrebenden deutschsprachigen Band wird Anfang der Achtzigerjahre im Studio erschossen aufgefunden, und die Täterschaft bleibt ungeklärt. So was könnte – natürlich nur rein theoretisch, versteht sich – auch in der Folk-/Weltmusikszene passieren. Über dreißig Jahre später macht sich eine gefragte Journalistin auf den Weg nach Griechenland, um durch ein Interview mit dem eremitenhaften Tontechniker eben jener Band möglichst das Mordgeheimnis zu lüften. Die Dame hat für den Rolling Stone geschrieben, ist nun für das Magazin Schall tätig, und das ist dann schon ziemlich realitätsnah. Um es vorwegzunehmen, ohne zu viel zu verraten: Sie identifiziert den Mörder, und Autor Düblin lässt dennoch einen Nachfolgeroman im Bereich des Möglichen, man weiß ja nie. Die Story ist clever, falsche, aber dennoch plausible Spuren gibt es viele, und die Charaktere der Beteiligten sind glaubhaft geschildert, wenn auch teils ein wenig klischeehaft. Dazu passen die ab und an etwas zu üppigen Portionen Amateurpsychologie. Verwirrend wirken manchmal die unregelmäßigen und sprunghaften Wechsel der Erzählperspektiven zwischen Tontechniker, Journalistin oder anderen Personen. Und absolut unglaubwürdig erscheint, dass der Tontechniker die ganze komplexe Story im Laufe von etwa zwölf bis sechzehn Stunden in Blöcken erzählt, wobei seine Schilderungen voll von geschliffener eigener und fremder wörtlicher Rede sind – nicht eben sehr realistisch. Trotz der Kritikpunkte und vielleicht ein wenig überraschend: Als Krimi aus dem Musikgeschäft der Achtzigerjahre ist Düblins Buch trotzdem zu empfehlen, denn der Autor besitzt entsprechende Fachkenntnisse und genügend Hintergrundwissen. Und das Wichtigste: Die Spannung des „Wer war’s?“ wird bis ganz zum Ende intelligent aufrechterhalten. Ein Teil zwei? Warum nicht.
Mike Kamp

 MARTIN WIMMER: Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes
MARTIN WIMMER
Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes
weissbooks.com
(Frankfurt : Weissbooks, 2016. – 281 S.)
ISBN 978-3-86337-108-1 , 22,00 EUR


Martin Wimmer hat eine illustre Biografie vorzuweisen. Er ist genauso Büroleiter für einen Oberbürgermeister wie auch Kabarettist, DJ und Autor. Doch ist er wohl vor allem ein leidenschaftlicher Musikfan. Jedenfalls liest sich Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes wie das Werk eines Musikbegeisterten. Darin verwebt der Autor in etwas plauderhaftem Ton Persönlich-Biografisches mit Angelesenem, Aufgeschnapptem, Mitgehörtem, bei dem Musikthemen in der Regel im Mittelpunkt stehen. Doch ist das Buch keineswegs ein Sachbuch. Vielmehr ist Wimmer ein Humorist, der Themen oder Themenblöcke mit Hilfe seiner leichtfüßigen Schreibe umkreist. Die vielen kurzen Texte, aus denen das Buch zusammengesetzt ist, wirken wie ein Sammelsurium, das persönliche Interessen und Beobachtungen miteinander verknüpft. Sie könnten gut fürs Feuilleton einer überregionalen Zeitung geschrieben sein, doch changieren sie in ihrer literarischen Gekonntheit pausenlos zwischen Feuilleton-Journalismus und soziopolitischem Essay. Häufig werden reine Sachinformationen aneinandergereiht und bringen Themen nur auf sehr flüchtige Weise miteinander in Kontakt, ohne das ein Gesamtbild entsteht. Es würde sicher großen Spaß machen, Wimmer im Radio zuhören zu dürfen, wie er Songs spielt und zwischendurch nonchalant kurze Anekdoten erzählt, wie er es in Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes macht. Als Buch wirkt das Ganze dagegen eher dünn.
Michael Freerix
 Der Dudelsack: von dudelnden Böcken, kleinen Hummeln und anderen Pfeifen / Hrsg.: Verein Steirisches Volksliedwerk
Der Dudelsack
von dudelnden Böcken, kleinen Hummeln und anderen Pfeifen / Hrsg.: Verein Steirisches Volksliedwerk
steirisches-volksliedwerk.at
(Graz : Verein Stei­risches Volks­lied­werk, 2016. – 58 S. : mit zahlr. Abb.) , 4,00 EUR


Der Dudelsack ist das Thema des aktuellen Vierzeilers des Steirischen Volksliedwerkes in der österreichischen Steiermark. Ein aktuelles Thema, denn kaum ein anderes Volksmusikinstrument der Vergangenheit hat es geschafft, in der der heutigen Musikkultur derart präsent zu sein. Die Steiermark hat mit dem Dudelsackspieler und Musiklehrer Sepp Pichler einen der wichtigsten Protagonisten der Szene, auch in Deutschland durch Workshops und Konzerte bekannt. Seinem Auftaktartikel folgen interessante Aufsätze zur Geschichte und Gegenwart des Instruments. Michael Peter Vereno schreibt über die Namen von Sackpfeifen, Albin Paulus berichtet über den Dudelsack im Zwiegespräch mit der Wiener Klassik, und Gerhard Nierhaus betrachtet das Instrument als Bestandteil zeitgenössischer Kompositionen. Monika Primas, die Geschäftsführerin des Steirischen Volksliedwerks, interviewt die Dudelsackspielerin Anna Hrozny-Kügerl und Florian Wimmer den Dudelsackbauer Thomas Rezanka. Ein Artikel über den Dudelsack in der Slowakei von Bernard Garaj und ein Lebensbild des Grazers Arnold Lobisser von Daniel Fuchsberger beenden den Reigen interessanter kleiner Aufsätze. Der Vierzeiler gibt einen guten Einblick in die volksmusikalische Welt Österreichs, die sich sehr bewusst mit Traditionen auseinandersetzt und sie im Jetzt und Heute positioniert – als lebendige Volkskultur. Sehr lesenswert.
Ralf Gehler