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 IONTACH: A New Journey
IONTACH
A New Journey
iontach.de
(Eigenverlag)
15 Tracks, 57:16 , mit dt. und engl. Infos/engl. und gäl. Texten


Iontach neu und doch in gewohnter Weise. Neu ist die Besetzung des berühmten Wremer Irish-Folk-Trios. Siobhán Kennedy aus Irland (Gesang, Flute, Whistle, Concertina, Fiddle) und Jens Kommnick aus Deutschland (Gesang, Piano, Bouzouki, Gitarre, Cello) repräsentieren zu zweit die bekannte Stammbesetzung, doch statt Angelika Berns ist als Dritter im Bunde nun Nick Wiseman-Ellis aus England (Gesang, Akkordeon, Fiddle) mit dabei. Durch ihn erklingt des Öfteren das Akkordeon. In gewohnter Weise spielen sie die irische Musik ganz fein und filigran, mit mehr zarten als rauen Tönen, einladend zum Träumen, aber auch zum Tanzen. Die Mehrstimmigkeit im Gesang ist auch geblieben, denn auch Nick kann singen. Sehr ergreifend ist zum Beispiel das von Eric Bogle stammende Antikriegslied „All The Fine Young Men“. Und passend zur Qualität der Musik ist auch das Beiheft anmutig und ansprechend gestaltet, in warmen Braun- und Ockertönen gehalten, also wie ein Whiskey am Kaminfeuer, und voller Informationen über die einzelnen Stücke sowie den Liedtexten zum Mitsingen. Dass sich der Albumtitel auf die neue Besetzung bezieht, mag man mutmaßen, jedenfalls wünscht der Rezensent ihnen eine gute Reise und dass sie seine Wege auch live einmal wieder kreuzen mögen!
Michael A. Schmiedel
 HÜSCH!: Jetzt, heut und hier
HÜSCH!
Jetzt, heut und hier
songs-of-heimat.de
(CPL-Musik CPL011/Broken Silence)
16 Tracks, 65:39 , mit dt. u. engl. Infos


Ein Hoch der Waldzither! Mit welch erfrischender Frechheit sie nicht nur des alten Meister Bachs Menuett „aufzithern“ – das hat schon was Geniales. Nach ihrem vielbeachteten 2014er Debüt legt die thüringische Band recht schnell ihr zweites Album vor. Ums vorwegzunehmen: Die hochgesteckten Erwartungen versteht das Quartett auf ganzer Linie zu erfüllen. Sie bleiben ihrem Konzept treu und haben sechzehn sattsam bekannte Volkslieder (darunter „Schneegebirge“, „Leineweber“, oder „Die Gedanken sind frei“) ausgewählt, aufgemöbelt und mit außergewöhnlich schönen und überraschenden Arrangements konsequent gegen den Strich der Hörgewohnheit gebürstet. Sei es durch Hanne Flocks ausdrucksstarke und ungewöhnlich phrasierende Gesangsstimme oder durch originelle Grooves und unerwartete Tempowechsel und Melodieänderungen („Kein Feuer, keine Kohle“). Mit drei Waldzithern, Piano, Flöte, Cajon, Banjo, diatonischem Akkordeon, Flöte, Mundharmonika, Violine, Gitarre, Maultrommel und bis zu vierstimmigem Satzgesang schaffen sie einen modernen, erstklassig produzierten Folksound. Mühelos und völlig unverkrampft spielen sie mit Folkmusikelementen verschiedenster Herkunft und verschmelzen sie zu einer unverwechselbaren Hüsch!-Handschrift. Und dieses Mal nicht, wie das Debüt, viel zu kurz, sondern über eine Stunde lang. Ganz großes musikalisches Heimatkino!
Ulrich Joosten

 LUCIE M. UND DAS TRIBUNAL DES ESCARGOTS: Kreuzweise
LUCIE M. UND DAS TRIBUNAL DES ESCARGOTS
Kreuzweise
luciemackert.de
(Way Out RecordsWO16222)
11 Tracks, 48:35 , Texte


Lucie Mackert hat eine Meise, mit der sie Mist gebaut hat, und sie ist zudem die wildeste Wutz der Vertikale. Und schon ist man mittendrin im geheimnisvollen, skurrilen, spielerischen und amüsanten Text- und Liederzirkus der jungen Sängerin, Sprecherin und Schauspielerin aus Kirchheimbolanden. Doch nicht nur ihre originellen Texte über Alltägliches und Spinnereien lassen aufhorchen, auch ihre abwechslungsreichen Melodien und die Arrangements von Gitarrist Thomas Maos können sich hören lassen. Mit Gitarre und Banjo weiß sie zudem hervorragend umzugehen, und so begleitet sie gekonnt ihren ansprechenden Gesang. Ihre Lieder sind angesiedelt irgendwo zwischen Chanson und Rock, Folk und Pop, und wechseln auch mal innerhalb des Liedes den Stil. Das Ganze hat eine unaufdringliche Leichtigkeit, eine intelligente Sprachspielerei, mit kleinen ironischen Widerhaken und einer flotten, rhythmischen, ja tanzbaren, musikalisch einfallsreichen Umsetzung. Ein beachtliches Debüt, das Lucie Mackert mit ihren drei Musikern vorlegt, frisch, vielfältig und in jeder Richtung anregend. „Und mein Vogel freut sich, scheinbar hab ich es voll drauf!“ So ist es!
Rainer Katlewski
 NOBODY KNOWS: Urbane Camouflage
NOBODY KNOWS
Urbane Camouflage
nobodyknows.de
(Prosodia 4280000827401)
12 Tracks, 44:27 , mit Texten


Selten sind sie geworden, die Folkmusiker der alten Schule, die mit traditioneller Musik und bissigen Texten der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Sucht man die Erben von Liederjan und Folkländer, so sucht man am besten in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen und findet dort vielleicht Bands wie Nobody Knows. Die fünf Jungs aus Stendal bleiben auf ihrem mittlerweile dreizehnten Album ihrer kritischen Linie treu. Das ironische „Cola“ klingt wie eine Fingerübung von Reinhard Mey. „Fleisch“ hingegen hat die Aggressivität und Rauheit eines Pogues-Songs, was beim Thema Fleischkonsum kaum passender sein könnte. Der wunderbare Türstehertanz bewegt sich zwischen Tango und Pogo, zwischen Ska und Wolf Biermann. Bläsersätze lassen das Balkanherz schneller schlagen, der Cha-Cha-Cha verführt in vermeintliche Harmlosigkeit. Die Songs sind trotz des erhobenen Zeigefingers absolut partytauglich, und so bleibt dem Hörer manches Mal das Lachen im Halse stecken, während die Beine sich im immer schnelleren Rhythmus bewegen. Die Songs machen auch nach wiederholtem Hören Spaß, also auch dann, wenn die „Message“ angekommen ist. Urbane Camouflage wird dadurch zu einem zeitlosen Album, so aktuell die Texte auch sein mögen.
Christian Elstrodt

 RINGLSTETTER: PNYA
RINGLSTETTER
PNYA
hannesringelstetter.de
(Millaphon Records/Broken Silence)
Promo-CD, 11 Tracks, 41:54


„Wo die Frauen ganz ohne Islam auf die Felder noch Kopftücher trag’n, wo kaum einer en Urlaub bucht, da muast Di hin verschlag’n, […] das is die Gegn’d, wo die Leit in erster Linie kei Geld, sondern Grund versteuern: Niederbayern.“ Hannes Ringelstetter und neun befreundete Musiker spannen auf ihrer neuen CD einen Bogen nicht über die ganze Welt, aber doch außer von Paris über New York nach Alteiselfing (Niederbayern, nahe Wasserburg im Inn) auch nach Wien und Budapest und auf die Kanaren und zurück nach Oberammergau, ins heimische Wirtshaus und an den Baggersee. Großartiger rockig-bluesig-schrammelig-folkiger Bandsound (Gitarre, Klavier, Schlagwerk, Bass, Keyboard, Akkordeon, Gebläse [z.B. eine Tuba], Slide Guitar), sympathisch-ironisch-kritische, welt- und heimatliebende Texte in niederbairischer Mundart – Volxmusik ganz ohne Tümelei. Leider liegt dem Rezensenten nur eine Promo-CD mit ausgedruckten Infos vor, so dass er nicht weiß, ob ein Beiheft mit Texten vorhanden ist. Laut dieser Info gibt es die Aufnahme auch als Vinyl-LP und laut Homepage auch ein Buch dazu. Jedenfalls ist sie sehr hörenswert für Menschen auf der Suche nach einem unverkitschten Heimatgefühl oder einfach nach guter Musik!
Michael A. Schmiedel
 FERENC SNÉTBERGER: In Concert
FERENC SNÉTBERGER
In Concert
snetberger.de
(ECM Records)
9 Tracks, 60:17


Eine gute Stunde akustische Gitarrenmusik. Ein breiter, ruhiger Fluss, Komposition und Improvisation in kaum unterscheidbarer, dicht verwobener Bewegung. Der Ungar Ferenc Snétberger spielte im Dezember 2013 live im Großen Saal der Franz Liszt Akademie in Budapest. Nicht einmal Titel verstellen dem Hörer den offenen Raum der Imagination. Budapest Part 1 – 8 sind die einzelnen Stücke benannt, abgesehen von der zarten Zugabe des Arlen-Klassikers „Over The Rainbow“. Reine Musik. Hier Elemente der brasilianischen Musik eines Egberto Gismonti, dort der argentinische Tango eines Astor Piazzolla. Oder auch Johann Sebastian Bach, nicht als Zitat, aber als geistige Verwandtschaft erkennbar. Und natürlich Snétberger selbst, in einem Roma-Haushalt aufgewachsen, Vater und Brüder spielten Gitarre, der Jazz von Coltrane bis Django Reinhardt gehörte zum Alltag. Oft meint man hier und da etwas Vertrautes wiederzuerkennen, und gleich löst es sich vor dem hörenden Ohr wieder auf. Snétbergers klassischer Gitarrenton hat eine leuchtend klare Qualität. Die stilistische Entgrenzung der Musik kann beim Hören eine regelrechte Befreiung bewirken. Gerne überlässt man sich den zeitlos schönen „Erzählungen“ dieses großen Virtuosen.
Rolf Beydemüller

 GURDAN THOMAS: It’s Not The End Of The World
GURDAN THOMAS
It’s Not The End Of The World
gurdanthomas.com
(Beste Unterhaltung BU074/Broken Silence)
18 Tracks, 63:30 , mit Texten


Der Engländer und Wahlbayer Gurdan Thomas erzeugt mit seinem siebten Album einmal mehr gute Laune. Da trägt natürlich die Musik einen Teil bei, die mit einer Mischung aus Blasmusik, Skiffle und Singer/Songwriter ein leises Schmunzeln auf die Gesichter der Hörer zaubert. Der wahre Wert des Albums liegt aber in den Texten. Skurril, teilweise rabenschwarz und voller absonderlicher Romantik, zaubert Gurdan Thomas so manche Liebeserklärung an diese verrückte Welt. Da folgt der wundervolle Songtitel „My Head Is Stuck In The Honeypot“ einer Pseudomoritat in „I Want To Drill Her“ und einer Widmung an Terry Pratchett. Mit Ukulele, Tuba und Akkordeon werden die Songs kongenial begleitet. Es macht einfach Spaß, den Gedanken von Gurdan Thomas zu folgen und ihn trotzdem, oder gerade deshalb, als Künstler ernst zu nehmen. Gurdan Thomas bietet keine billigen, leicht verdienten Pointen, sondern eine Art von rustikalem, gefühlvollem Humor, der das Herz erreicht und wärmt. Seine Botschaft lautet: „Ich liebe diesen Planeten, und der Rest des Universums kann mir gestohlen bleiben“, und Douglas Adams würde nicken und antworten: „Danke für den Fisch“.
Christian Elstrodt
 FUNNY VAN DANNEN: Come On – Live im Lido
FUNNY VAN DANNEN
Come On – Live im Lido
funny-van-dannen.de
(JKP/Warner Music)
Promo-CD, 20 Tracks


Die wenigsten Erfolgsformeln sind für die Ewigkeit. Zuletzt ist selbst Bob Dylans Hit-Modell ständiger Drehungen um möglichst viele Grad in zwei hanebüchenen Cover-Alben implodiert. Und bei Funny van Dannen ist auch nicht mehr alles Gold, was seinen Fans in den Redaktionen, auf Elternabenden und Biomärkten zufolge alles glänzt – falls das je zutraf. Er kann sehr komisch, keine Frage. „Frozen Yogurt ist kein Name für ein Kind“ ist wirklich zum Piepen – gerade für Kreuzberger. Er kann aber auch ziemlich langweilig, spießig und platt. „Latente Homosexualität“ als Geheimnis des Fußballs – wie lustig ist dieser Stammtischwitz hundertfünfzig Jahre nach der Pubertät noch und nachdem er schon eine Milliarde Mal gerissen wurde? Ein „Ermittler Hitler“ als die Synthese der „beiden mythischen Figuren“, die Deutschland hat – des Führers und des Kommissars – oha. Eine „Stammzellenforscherin“, die während der Absenz ihres Freundes schwanger wird – puh. Und da haben wir von der ermüdend immer gleichen Komposition noch gar nicht gesprochen. Wer's mag, dem sei's gegönnt – aber ist das auf Dauer wirklich mehr als Gottlieb Wendehals für Alternative? Das ständige Gekreische des Publikums sagt deutlich „Nein“!
Christian Beck

 SOHEYL: Die Angst
SOHEYL
Die Angst
soheyl.bandcamp.com
(pretty noise records)
6 Tracks, 28:51


Leipzig scheint die neue Hochburg der Singer/Songwriter zu sein. Neben Jakob Hummel und anderen startet von hier auch der deutsch-persische, bereits preisgekrönte Theaterautor Soheil Boroumand durch. Von seinem letzten Iranbesuch brachte er so viele deutschsprachige Lieder mit, dass das nächste Album schon mit den Hufen scharrt. Soeben hatte er die Gelegenheit, auf dem Tolstoi-Gut Yasnaya Polyana in Russland das Theaterstück „Mann im Fahrstuhl“ zu spielen. Besser lässt sich eine grenzüberschreitend gelebte Verknüpfung kaum skizzieren. In diesem Tableau findet Soheil Boroumand seine klugen wie kritischen Liedtexte, verpackt sie in experimentellen Acoustic-Folk zwischen Pop und Indie. Seine EP Die Angst trifft das Thema, das in Deutschland laut aktuellen Umfragen eines der meistdiskutierten Themen ist. Zu Recht. Es heißt, Angst sei ein schlechter Ratgeber. Sind nicht die „Angst vor den Anderen“, die „Furcht vor sich selber“, der Nährboden für Terror und Gewalt? So heißt es in dem Titelsong spitzzüngig: „Halt die Klappe, sagt die Angst, in dem Spiegel an der Wand ein blinder Mann“. Soheyls EP ist eine Punktlandung. Unbedingt hörenswert!
Stefan Sell