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Folker-Halbmast



Kieran Halpin * Foto: Promo

KIERAN HALPIN


4.6.1955, Drogheda, Irland,
bis 5.10.2020, Truchtlaching, Deutschland


Der kosmopolitische Ire mit der markanten, unverkennbaren Stimme und den charakteristischen Liedern hat die alte, zerspielte Gitarre niedergelegt und sich selbst zur Ruhe. Zu früh, möchte man ausrufen, aber nicht auszuschließen, dass fast fünfzig Jahre mehr oder weniger rastloses Unterwegssein ihren Tribut forderten. Ich erinnere mich gut, wie Kieran vor einigen Jahren vor seinem Konzert in unserem Wohnzimmer neben mir auf der Terrasse saß, vor sich das obligatorische Glas Weißwein, während wir uns für einen Artikel in dieser Zeitschrift (Folker 5/2013) über seine Karriere unterhielten. Anschließend schnappte er sich sein Album Crystal Ball Gazing aus dem Plattenschrank, zog sich zurück und übte noch einmal „Real Country Boy“, einen seiner Klassiker der Neunziger, den er seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt hatte und an diesem Abend mir zuliebe sang. In ebendiesen Neunzigern, als wir noch junge Spunde waren und er schon längst ein mit vielen Wassern gewaschener alter Hase, bat er uns während eines Konzerts ein Auge auf seine CDs zu haben, die er hinterher zum Kauf anbieten wollte – was waren wir stolz. Schon damals kannte Kieran Halpin die Straßen und Folkclubs von Dublin, Amsterdam und London bis Oslo, Kopenhagen, Korfu und Montreal, hatte mit Leuten gespielt wie Davy Spillane, Manus Lunny oder Maartin Allcock. Später kamen Weggefährten wie Chris Jones, Yogi Jockusch oder Christoph Schellhorn hinzu. Kieran Halpin hinterlässt ein Lebenswerk bestehend aus siebzehn Studio- und drei Livealben, einer EP und einer Live-DVD sowie drei Songbüchern mit Notationen zu insgesamt 133 seiner Songs. Beste Voraussetzungen dafür, dass die Lieder dieses wahren Songpoeten fortleben werden im Repertoire von Kolleginnen und Kollegen, aber auch zahlreicher Hobbymusikerinnen und -musiker, denen seine lebenserfahrenen Lieder etwas bedeuten. Bereits zu Lebzeiten wurde er vielfach gecovert, etwa von Dolores Keane, der Battlefield Band oder Geraldine MacGowan. Am 5. Oktober 2020 ist Kieran Halpin gestorben, in Deutschland, seiner zweiten Heimat – kaum ein Land, in dem er häufiger zu Gast war, hier nahm er 2017 im Studio des Reinhard-Mey-Produzenten Manfred Leuchter sein letztes Album Doll auf und hier lebte er zuletzt. Seine Freundinnen und Freunde sowie die seiner wundervollen Musik, mich eingeschlossen, werden ihn schmerzlich vermissen, hier und überall.

Stefan Backes



Matthias Wagner * Foto: Dorothee Philipp

MATTHIAS WAGNER


4.1.1952, Sonthofen,
bis 26.9.2020, Badenweiler-Schweighof 


Er hat die musikalische Hochkultur der ganzen arabischen Welt ins Markgräfler Land gebracht. Seit 2010 gaben sich bei seiner Orientalischen Musik-Sommerakademie Meister von Algier bis Aleppo die Klinke in die Hand. Nach schwerer Krankheit ist Matthias Wagner nun mit 68 Jahren gestorben. Eigentlich war Wagner Instrumentenbauer, durch seine Arbeit in arabischen Ländern kam er in Kontakt mit den größten Solisten auf der Laute Oud. Als die negativen Schlagzeilen über arabische Länder bei uns überhandnahmen, reifte die Idee für seine Orientalische Musik-Sommerakademie, mit der er die wahre Seite dieser Kultur zeigen wollte. Dabei fuhr Wagner von Beginn an zweigleisig. Er bot den Musikern eine Konzertbühne und schuf zugleich die Möglichkeit, dass sie ihre Kenntnisse an hiesige Schüler vermittelten – auf der Oud, der Flöte Ney, dem Hackbrett Kanun, der Kniegeige Djoze oder auf Percussioninstrumenten. Ab 2014 fand die Sommerakademie ihren festen Platz in Sulzburg und erlangte internationalen Ruf. Dabei war es Wagner immer ein Anliegen, die Kunstmusik Algeriens, Tunesiens, Syriens, Ägyptens und des Irak mit der abendländischen Klassik in Dialog treten zu lassen. Das Resultat waren musikalisch erstklassige und berührende Abendkonzerte, die lange im Gedächtnis blieben. Mit einem kleinen Team stemmte Wagner bis 2018 die Mammutaufgabe mit großem Engagement. Sein Festivalmotto „Die Menschen sind die Feinde dessen, was sie nicht kennen“ ist aktueller denn je. Mit ihm geht einer der großen Vermittler unserer Region zwischen Orient und Okzident.

Stefan Franzen



Juliette Gréco * Foto: Manfred Werner (Tsui), Wikipedia

JULIETTE GRÉCO


7.2.1927, Montpellier, Frankreich,
bis 23.9.2020, Ramatuelle, Frankreich


Als Grande Dame de la Chanson kannte sie alle Welt. Zeitlebens interpretierte Juliette Gréco Geschichten – und schrieb Geschichte. Ihre Mutter, eine Widerstandskämpferin, und ihre Schwester überlebten das KZ Ravensbrück. Nach dem Krieg blieb die gebürtige Südfranzösin in Paris, wo sie mit neunzehn Jahren einen Club, das Tabou, führte, in dem Legenden ein- und ausgingen, unter anderem Marlene Dietrich, Simone de Beauvoir, Boris Vian, Miles Davis und Jean-Paul Sartre. Der erkannte ihr Talent und eröffnete ihre Karriere als Chansonnette, indem er sie zwei seiner Gedichte auswählen und interpretieren ließ. Seit 1949 trat Gréco damit erfolgreich auf, und weitere Dichter und Intellektuelle schrieben für sie, etwa Albert Camus oder Françoise Sagan, wodurch sie sich deutlich politisch positionierte. Sie wurde zur Muse der Existenzialisten. Die schwarze Kleidung dieser Szene bevorzugte Juliette Gréco ihr Leben lang. Bereits 1952 ging sie in den USA und Brasilien auf Tournee. Parallel dazu machte sie sich als Schauspielerin einen Namen. Schon bald förderte sie andere Künstler, indem sie deren Werke auf die Bühne brachte, legendär ist „La Javanaise“ von Serge Gainsbourg. Trotz ihres distanzierten Verhältnisses zu Deutschland sang Juliette Gréco dort 1959. 2005 nahm sie sogar ein Album auf, auf dem sie sieben Lieder auf Deutsch sang (Abendlied). Ihre Kunst lebte sie leidenschaftlich bis ins hohe Alter. Erst 2015, mit 88 Jahren, ging sie auf Abschiedstournee, auch in Deutschland. Drei Ehen schloss sie, auf die zweite mit Michel Piccoli folgte die mit ihrem Pianisten Gérard Jouannest. Trotz ihrer Bedeutung als „linke“ Interpretin und ihres Beinamens „Grande Dame“ sah Juliette Gréco sich selbst eher als Kind, stets unvoreingenommen und offen für Neues. Vielleicht ist das ein Grund für ihre ausgeprägte Vitalität, die sie bis zuletzt ausstrahlte. Gréco starb mit 93 Jahren am 23. September in Ramatuelle in der Provence.

Imke Staats



Willy Schwenken * Foto: privat

WILLY SCHWENKEN


7.2.1934, Coesfeld,
bis 21.9.2020, Nottuln


Wir schreiben das Jahr 1976. Ich hatte an einem Samstag in der Fußgängerzone in Moers gespielt. Am Sonntag danach: Matinee in der Kulturhalle Neukirchen-Vluyn mit einem Bluesduo. Ein Musiker war erkrankt, ich durfte einspringen – der Veranstalter hatte mich am Samstag gehört. Ich spiele fünfzig Minuten plattdeutsche Lieder. Danach kam Willy Schwenken zu mir und fragte mich, ob ich nicht eine LP für sein Plattenlabel Autogram Records (das er bereits 1959 gegründet hatte) machen wolle. Zwei Wochen später saß ich in seinem Wohnzimmer vor der berühmten Zwei-Spur-Revox-Bandmaschine, zwei Mikros davor – ab ging’s. An derselben Stelle hatten immerhin schon die richtungsweisende Deutschfolkband Fiedel Michel, der Bluessänger und Singer/Songwriter Gerry Lockran und viele andere gestanden! Eine Sternstunde für Autogram Records und Willy Schwenken war das im Folkclub Harsewinkelgasse in Münster live aufgenommene Album mit sämtlichen „Hits“ des schottisch-australischen Singer/Songwriters Eric Bogle. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der deutschen Folkszene spielte auch das unvergessliche Interfolk-Festival, das Willy von 1969 bis 1982 im Haus der Jugend in Osnabrück organisierte. Wer hat dort nicht alles gespielt: Die Sands Family, Archie Fisher, Gerry Lockran, Hamish Imlach, Iain MacKintosh. Und dann, ab circa 1973, fand dort immer mehr Deutschfolk statt. So erhielten Fiedel Michel dort zum Beispiel 1973 den Preis für Deutsche Folklore. Ich spielte dort 1978 mein Lied „Ich bin ein freier Mann und singe“. Willys Schwenkens Verdienste für die Folkszene sind nicht hoch genug einzuschätzen. Jetzt baut er seine Revox auf Wolke sieben auf und nimmt mit Hamish & Iain himmlische Gesänge auf. Mach’s gut Willy.

Günter Gall



Mory Kanté * Foto: Aboubacarkhoraa, Wikipedia

MORY KANTÉ


29.3.1950, Albadaria (bei Kissidougou), Guinea,
bis 22.5.2020, Conakry, Guinea


An ihm schieden sich die Geister: Die Afropop-Traditionalisten nahmen ihm den lockeren Umgang mit der Musikkultur seines Volkes, der Malinke, übel, seine Landsleute hingegen waren (und sind weiterhin) stolz, dass einer der ihren so erfolgreich die internationale Musikszene hatte aufmischen können. Kanté entstammte einer angesehenen Griotfamilie, wurde vom siebten Lebensjahr an von einer in Mali lebenden Tante in die Geheimnisse der Erzähl- und Sangeskünste eingeführt. Sein erstes Instrument war noch nicht die Kora, sondern die Gitarre. Ende der Sechzigerjahre gehörte Kanté diversen malischen Tanzmusikgruppen an, trat dann als Balafonspieler der legendären Rail Band aus Bamako bei, deren Sänger damals Salif Keita war. Als der 1973 ausstieg, sprang Kanté ersatzweise, ab 1975 fest als Leadsänger ein. 1977 startete er in Abidjan seine Solokarriere – der tanzbare Mix aus Mandinge-Pop, Salsa und Funk kam vor allem auch in Paris gut an. Bereits in jener Zeit gehörte die traditionelle Mandinge-Ballade „Yé Ké Yé Ké“ zu seinem Repertoire. Für das Album Akwaba Beach (1987) arrangierte Kanté sie neu, mit flotterem Tempo und erhöhter Dynamik, und schon stürmte der Song die Charts. Als Urheber hatte er ungeniert seinen Namen angegeben! Er blieb als Solokünstler und Sessionmusiker (unter anderem für Peter Gabriel, Talking Heads, Touré Kunda) weiter aktiv, engagierte sich für karitative Projekte, hielt Vorträge über Musik und Kultur für die UN und gründete ein Zentrum, das sich dem Erhalt und der Erforschung der Mandinge-Kultur widmet. Nach langer schwerer Krankheit ist der „electric griot“ nun gestorben.

Roland Schmitt



Topsy Frankl * Foto: Promo

GUNNEL „TOPSY“ FRANKL


20.10.1926, Stockholm, Schweden,
bis 28.5.2020, Stockholm, Schweden


Hai & Topsy Frankl waren über Jahrzehnte fester und gleichermaßen wichtiger Bestandteil der bundesdeutschen Folkszene. Ihre Spezialität waren traditionelle jiddische Lieder, die sie authentisch und überzeugend interpretierten. Aber auch die prall-deftigen Gesänge des schwedischen Nationalpoeten Carl Michael Bellman hatten es ihnen angetan, ebenso wie die Lieder ihres Freundes, des Schriftstellers und Liederautors Werner Helwig. Darüber hinaus veröffentlichten sie zahlreiche Tonträger mit schwedischer beziehungsweise internationaler Folklore sowie zwei Bücher mit jiddischen Liedern. Topsy lernte ihren Mann und langjährigen künstlerischen Partner Hai, dessen Eltern wegen ihres jüdischen Glaubens von den Nazis ermordet wurden, während des gemeinsamen Studiums an der Kunstgewerbeschule Stockholm kennen und lieben. Während der Jahre 1964 bis 1966 nahmen sie an den ersten drei Burg-Waldeck-Festivals teil und gingen seither regelmäßig in Deutschland auf Konzerttournee. Der Burg Waldeck blieben sie bis zuletzt freundschaftlich verbunden. Topsy (bürgerlich Gunnel Frankl, geb. Wahlström) lebte seit Hais Tod 2016 in einem Altenheim, wo sie – wie Tochter Anna-Sofi mitteilte – am 28. Mai friedlich einschlief.

Kai Engelke



Uta Pilling * Foto: Ingo Nordhofe

UTA PILLING


1.11.1948, Westerhaus,
bis 8.6.2020, Leipzig


Alles, was sie tat, tat sie mit großer Überzeugung und ohne Kompromisse. Sie war Mutter, Malerin, Musikantin, Muse und (Akt-)Modell. Sie vertrat ihre Einsichten und Meinungen leidenschaftlich und konsequent, auch wenn es ihr zum Nachteil gereichte. Sie beherrschte eine inzwischen selten gewordene Kunst: Sie konnte zuhören, sich hinwenden, sich in andere Menschen hineinversetzen. Uta Pilling war ein empathischer Mensch von aufrichtiger Haltung. Ihre fünf Kinder zog sie alleine groß, arbeitete als Malerin und Zeichnerin, bevor sie sich – nicht zuletzt durch die enge Partnerschaft mit dem Leipziger Chansonnier Jens-Paul Wollenberg – aktiv der Musik zuwandte. Sie schrieb und sang ihre eigenen Lieder, wobei sie sich selbst auf dem Bajan begleitete. In Leipzig war sie als Straßenmusikantin viele Jahre fester Bestandteil des Stadtbildes. Nicht nur die Leipziger werden sie vermissen.

Kai Engelke



Balla Sidibé * Foto: Youri Lenquette

BALLA SIDIBÉ


1942, Sédhiou, Senegal,
bis 29.7.2020, Dakar, Senegal


Noch einen Tag vor seinem Tod probte er mit dem Orchestra Babobab für das Konzert zum fünfzigsten Geburtstag dieser legendären Band, mit der auch sein eigener künstlerischer Aufstieg begann. Aufgewachsen in der Casamance, der stets vernachlässigten Südregion Senegals, gab Sidibé im Unabhängigkeitsjahr 1960 seinen Polizistenjob auf und ging nach Dakar, um als Percussionist und Sänger zu arbeiten. In der Hausband des Club Baobab stieß er auf Kollegen, mit denen er 1970 das nach dem Club benannte Orchester gründete. Stilistisch war es stark von kubanischer Musik beeinflusst, die seit den Vierzigerjahren überall in Westafrika große Popularität genoss. Balla Sidibé schrieb viele Songs für die Band und tourte mit ihr um die Welt. In den letzten Jahren verlor das Orchestra Baobab einige seiner Gründungsmitglieder. Um die Tradition nicht abreißen zu lassen, wurde Balla Sidibé zum Lehrmeister einer neuen Generation von Bandmitgliedern, denn wie er in einem Interview sagte: „Ein Baobab stirbt nie. Selbst wenn er vertrocknet, bildet er neue Schößlinge und wird wiedergeboren.“

Wolfgang König



René Zosso * Foto: Marc Anthony

RENÉ ZOSSO


1935 in Genf, Schweiz,
bis 31.7.2020 in Genf, Schweiz


Der Sänger, Drehleierspieler, Geschichtenerzähler und Lehrer lernte die Drehleier zu Beginn der Sechzigerjahre kennen. Zosso setzte sie nicht, wie damals üblich, als Folkloreinstrument ein, sondern hatte von Anfang an einen völlig anderen Ansatz. Als Mediävist interessierte er sich vor allem für Texte und fand in den Bordunen der Drehleier eine perfekte Begleitung für seine Stimme, ergänzt durch modale Melodien. Im Jahr 1967 trat René Zosso beim Waldeck-Festival im Hunsrück auf. Unter den Zuhörern war ein junger Kurt Reichmann, der zum ersten Mal eine Drehleier hörte und bald darauf begann, eigene Leiern zu bauen. Diese Begegnung war entscheidend für die europäische Wiederbelebung des Instruments in den Siebzigerjahren. Fast fünfzig Jahre lang bildete Zosso mit seiner Lebensgefährtin Anne Osnowycz (Epinette) ein musikalisches Duo. Zusammen spielten sie mehrere LPs ein. Im Laufe der Jahre unternahm Zosso sporadische Ausflüge in die traditionelle Musik, die Barockmusik (Vivaldis Il Pastor Fido) und zur elektroakustischen Musik. Mit dem Clemencic Consort nahm er einen großen Teil der zweihundert mittelalterlichen Gedichte der Carmina Burana auf. Mit den zahlreichen Ensembles Jordi Savalls arbeitete er an einer Vielzahl von Produktionen. In beiden Fällen war er als Sänger mehr gefragt denn als Drehleierspieler oder, besser noch, als Geschichtenerzähler, der mit seiner sonoren, klangvollen Stimme für alle Rezitative und andere Erzählpassagen sorgte.

René Meeuws



Waldemar Bastos * Foto: Jorge Vismara

WALDEMAR BASTOS


4.1.1954, Mbanza-Kongo, Angola,
bis 9.8.2020, Lissabon, Portugal


„Ich habe immer an ein besseres Leben geglaubt. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.“ Die Familie Bastos lebte neben einer Leichenhalle. Immer, wenn eine Person starb, begleiteten sie die Trauernden mit Gesang und Tanz auf die letzte Reise. Das hat den kleinen Waldemar geprägt. Der Vater schenkte dem Sechsjährigen seine erste Gitarre. Als Teenager spielte er Tanzmusik, die er bald mit eigenen Liedern ergänzte. Deren Kritik an der portugiesischen Kolonialregierung führte zu ersten Verhaftungen. Des anhaltenden Bürgerkriegs überdrüssig, ging er 1982 ins Exil. Sechzehn Jahre später spielte der Liedermacher für David Byrnes Luaka-Bop-Label das Album Pretaluz ein, wofür er mit dem World Music Award ausgezeichnet wurde. Zwei Jahre später durfte er bei einer Gedenkfeier zum Tod von Amália Rodrigues als einziger Nichtfadista für die Königin des Fado singen. 2018 verlieh ihm die angolanische Regierung den Kulturpreis für sein Lebenswerk. Seinen letzten Kampf, den gegen den Krebs, hat er verloren. Seine samtweiche Stimme wird fehlen.

Martin Steiner



Herbert Krienzer * Foto: Ulrike Rauch

HERBERT KRIENZER


1.1.1967, Södingberg, Österreich,
bis 11.7.2020, Badegg, Österreich


Hauptschullehrer, Musikant und Biologe, freiberuflicher Mitarbeiter, Referent und Vereinsbeirat des Steirischen Volksliedwerkes