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Backkatalog   Ausgabe Nr. 2/2020   Internetartikel
»Zeit für ein Album, das den innersten Kern stärkt.«
Will Oldham in Rudolstadt * Foto: Frank Szafinski

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Aktuelle Alben:

Bonnie „Prince“ Billy, When We Are Inhuman
(mit Bryce Dessner, Eighth Blackbird; 37d03d/Cargo, 2019)

Bonnie „Prince“ Billy, I Made A Place
(Domino, 2019)


Cover I Have Made A Place


Will Oldham

Das Orakel spricht, freilich nicht mit jedem

Immerhin, es gibt ein Generic Inter­view, etwas, worauf Schallplattenfirmen zurückgreifen, wenn Interviewanfragen zu einem ihrer Künstler die Möglichkeiten übersteigen. Bei Will Oldham wäre es diesmal schon deshalb zu Engpässen gekommen, weil seine jüngsten beiden Alben hervorragend gelungen sind!

Text: Bernd Gürtler

Warum? Warum ist die Banane krumm? Diese ewige Fragerei nach dem Warum! Nervig sei das bei Interviewterminen, um die Musik gehe es überhaupt nicht, beklagt Will Oldham 2002 gegenüber der britischen Sonntagszeitung The Observer. Und gibt fortan fast gar keine Interviews mehr. Gut anderthalb Jahrzehnte später ist eine Reihe von Albumveröffentlichungen aufgelaufen, die darauf schließen lässt, dass es zwischenzeitlich kreative Unpässlichkeiten gegeben haben muss. Bei What The Brothers Sang, im Duo mit Gastvokalistin Dawn McCarthy und Songs aus dem Repertoire der Everly Brothers, ergänzt sich der Gesang nur mäßig. Ein passables Duett will geübt sein, bedarf aber eben auch geeigneter stimmlicher Voraussetzungen. Best Troubadour, ein weiteres Coveralbum, diesmal mit Songs von Country-Koryphäe Merle Haggard, kann dem Originalmaterial keine einzige, bislang verborgen gebliebene Facette abringen. Sings Greatest Palace Music und Songs Of Love And Horror enthalten Neueinspielungen eigener Songs. Singer’s Grave A Sea Of Tongues ist fast eine Komplettneueinspielung seins drei Jahre älteren Vorgängeralbums Wolfroy Goes To Town. Wieder zum Besseren wendet sich das Blatt dank einer günstigen Fügung, die Substanzielleres hervorbringt als bloß ein weiteres Künstlerpseudonym.
Mit größter Begeisterung betreibt Will Oldham, geboren 1970 in Louisville, Kentucky, ein kurioses Rollenspiel. Er selbst nennt das „sein eigenes Publikum sein“. Aber egal ob als Palace Music, Palace Brothers, Little Willy Bulgakov oder wie im meisten aller Fälle als Bonnie „Prince“ Billy, seinen Anknüpfungspunkt findet er bei einer Tradition, die sich in der verdienstvollen Anthology of American Folk Music von Harry Smith manifestiert. Einer Songzusammenstellung aus dem, so drückt sich Rockschreiber Greil Marcus aus, unheimlichen Amerika der Vorväter, deren verstörende Gruselgeschichten und Meuchelmordballaden nach wie vor im Unterbewusstsein der Nation herumspuken und sich 1967/68 in Bob Dylans The Basement Tapes schon einmal massiv Bahn brachen. Entweder sind seine Songs Coverversionen aus dieser Überlieferung oder er schreibt eigenes, ähnliches Material, das kaum weniger gespenstisch wirkt. Kritikerkollegen wussten sich in der Vergangenheit manchmal nicht anders als mit einem gewagten Vergleich zu helfen. Der bärtige Waldkauz Will Oldham, befand das britische Musikmagazin Mojo Mitte der Neunzigerjahre, erinnere verblüffend an den zivilisationskritischen Harvard-Professor Ted Kaczynski, der als „Unabomber“ zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Der eine wie der andere würde aus dem amerikanischen Hinterland heraus als isolierter Einzeltäter handeln.

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