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»Arabisch galt lange als Sprache des Feindes. Dennoch schaffte es die erste Singleauskopplung auf die Playlists der wichtigsten Rundfunksender.«
Sokratis Sinopoulos * Foto: Sevi Tsoni

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Aktuelles Album:


Metamodal
(ECM, 2019)



Cover Metamodal



Sokratis Sinopoulos

Das beste Szenario

Sokratis Sinopoulos spielt mit einem uralten Instrument moderne Musik, die ein wenig Folk, ein wenig Jazz und ein wenig Klassik ist und doch nichts von all dem sein will. Der griechische Lyra-Spieler fühlt sich wohl zwischen den Stühlen. Jetzt veröffentlicht er das zweite Album seines Quartetts beim Münchner Label ECM.

Text: Guido Diesing

Sein Instrument hat viele Namen und noch mehr Verwandte. Sei es die türkische oder die iranische Kemençe, die mitteleuropäische Rebec oder die bulgarische Gadulka – alle mit dem Bogen gestrichenen Lauten gehen auf die Lyra zurück, die auf byzantinischen Abbildungen aus dem zehnten Jahrhundert bereits in ihrer heutigen Form zu sehen ist. „Bei uns in Griechenland ist sie das Nationalinstrument, es gibt sie aber auch in Mazedonien, Kroatien, Malta, sogar in Kalabrien in Italien“, sagt Sokratis Sinopoulos. „Der technisch ausgeklügeltste Typ, den auch ich spiele, ist der aus Konstantinopel, aber ich benutze auch Spielweisen, die zu anderen Instrumentenvarianten gehören. Mir gefällt der Gedanke, dass all diese Instrumente einen gemeinsamen Großvater vor tausend Jahren haben.“
Es war ihr Klang, der Sinopoulos schon in seiner Jugend für die Lyra begeisterte – dieser elegante und wendige Ton, der zu schneller Tanzmusik passt, in dem aber immer auch eine Spur Melancholie mitklingt. Der gebürtige Athener hatte das Glück, einen prominenten Lehrer zu finden, der sein besonderes Talent erkannte und förderte. Ross Daly, seit den Siebzigerjahren auf Kreta lebender Ire, führt als künstlerischer Leiter in seinem „Musical Workshop“ Labyrinth bis heute junge Musiker an traditionelle Musik heran und holte den gerade einmal Vierzehnjährigen in seine Band. So fand ein beträchtlicher Teil der musikalischen Weiterbildung in Echtzeit auf der Bühne statt. „Ross steht am Anfang meines Weges als mein wichtigster Lehrer und Mentor, fast wie ein Vater“, blickt Sinopoulos zurück. „Ohne ihn wäre ich wohl kein Musiker geworden. Dann ging es sehr schnell. Ich habe in Folkgruppen gespielt, aber auch in Bands, die Musik verschiedener Kulturen kombiniert und zeitgenössische Kompositionen aufgeführt haben, teils auch mit Jazz- und Rockeinflüssen. Ich war immer sehr offen und hatte so das Glück, vielen großartigen Musikern verschiedener Stile und Genres zu begegnen.“

Freiheit erleben

Eine bedeutende Begegnung, die Sinopoulos’ weiteren Weg prägte, fand 2010 statt. Bei einem gemeinsamen Konzert mit der legendären griechischen Sängerin Maria Farantouri lernte er den ebenso legendären Jazzsaxofonisten Charles Lloyd kennen, der die Sängerin mit seinem Quartett begleitete. Das denkwürdige Ereignis ist auf dem ein Jahr später veröffentlichten Doppelalbum Athens Concert (ECM) nachzuhören. Als Lloyd zwei Jahre später für das Album Wild Man Dance seine Band neu besetzte, lud er den Lyra-Spieler überraschend als neues Mitglied ein – für Sinopoulos eine aufregende und erfüllende Erfahrung.

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