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»Das empfinde ich immer als Herausforderung, eine Band aus dem Nichts aufzubauen.«
Jörg Tresp (Mitte li.) mit seinem Team * Foto: Ulla Tresp

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Aktuelle Veröffentlichungen:


PM Newman, Turn Out
(2018)

Whiskey Shivers, Some Part Of Something
(2017)

The Dead South, Illusion & Doubt
(2016)

Talking To Turtles, Split
(2014)

The Dead South, Good Company
(2014)



Logo Devil Duck Records



Devil Duck Records

Im Namen der Ente

Finde deine Nische! Erst recht kleinere Schallplattenlabels sind gut beraten, ihr Profil zu schärfen, wenn sie auf einem Musikmarkt bestehen wollen, der von überbordender Vielfalt gekennzeichnet ist und Woche für Woche aberhunderte Veröffentlichungen in die Zirkulation schickt. Jörg Tresp wusste das, als er 2004 in Hamburg Devil Duck Records gründete.

Text: Bernd Gürtler

Manch einer würde die Abfindung eines ehemaligen Arbeitgebers an ein schnittiges Cabrio verschwenden oder sich auf Weltreise begeben, was selbstverständlich genauso legitim wäre. Jörg Tresp entschied sich dennoch zur Gründung einer Schallplattenfirma.
Spricht der heute 48-Jährige darüber, vermittelt sich nach wie vor ein gewisses Erstaunen. Die Wirklichkeitswerdung einer lange gehegten Jugendschwärmerei war das eigene Label nämlich nicht. Obwohl Musiknerd seit Teenagertagen, ist es erst ein Studienfreund, der überhaupt die Frage aufwirft, ob bei seiner Vorbelastung das Musikbusiness nicht eine Karriereoption wäre. „Ich dachte: Musikbusiness? Hinter der Musik steht ein Business? Das war eine echte Initialzündung, darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht!“
Nach Stationen bei Public Propaganda (seinerzeit die einflussreichste Promotionagentur Deutschlands), Edel Records (wo sie gerade ein eigenes Rockdepartment aus dem Boden zu stampfen versuchten) sowie einer siebenjährigen Tätigkeit als Marketingmanager bei Warner Music (die Betreuung von R.E.M. gehörte zum Aufgabenbereich) sind die Kenntnislücken geschlossen. Das, was sich Business nennt, gibt sich als Vermarktungsmechanismus zu erkennen, der die Musik zum Endverbraucher bringt.
Seine eigene Firmenphilosophie ist denkbar simpel. Jörg Tresp folgt niemals irgendeinem Trend. Bei Devil Duck erscheinen ausnahmslos englischsprachige Künstler, während die Mehrheit der einheimischen Labelkonkurrenten deutschsprachige Musik veröffentlichen. Die Käuferschaft verlangt es. „Siebzig Prozent des Marktes hierzulande sind deutschsprachig. Klar, die Grönemeyers, die Kunzes gab es immer. Aber anders als bei der Neuen Deutschen Welle, wo das Publikum schnell genervt war und wieder englische Songtexte verlangte, verfestigt sich seit fünfzehn Jahren eine Tendenz zu mehrheitlich deutschen Texten.“
Der beste Beweis, dass seine Marktanalyse zutreffender kaum sein könnte, entspringt dem eigenen Backkatalog. Das Leipziger Duo Talking To Turtles veröffentlicht bei Devil Duck drei englischsprachige Alben, die sich passabel verkaufen und auf beachtliche Kritikerresonanz stoßen. Als sich die männliche Duohälfte Florian Sievers mit Das Paradies und deutschen Texten selbständig macht, gehen die Verkaufszahlen des Debütalbums Goldene Zukunft, veröffentlicht 2018 bei der Konkurrenz, durch die Decke. Plötzlich stehen Haldern Pop oder das Reeperbahn-Festival auf der Matte, wo für Talking To Turtles kein Reinkommen war.

... mehr im Heft.