Folker-Logo   Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 2/2020   Internetartikel
Yilian Cañizares * Foto: Ben Depp

SHORTstory


Weitere Artikel aus der Rubrik SHORTstory in dieser Ausgabe:

Bridget St. John

William Prince

Balbina





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Schnupper-)Abo.






Aktuelles Album:

Erzulie
(Planeta Y, 2019)


Cover Erzulie


Yilian Cañizares

Klangkompendium der Freiheit

Noch hat man die Geigerin und Singer/Songwriterin durch die erste Zusammenarbeit vor Kurzem mit ihrem kubanischen Landsmann, dem Pianisten Omar Sosa im Ohr. Da folgt schon ein eigenes Album, das von einer großen, energetischen Spiritualität und Stiloffenheit, einer überhaupt großen Freiheitsliebe der weltgewandten Habanera lebt.

Text: Katrin Wilke

Nicht in ihrer langjährigen Wahlheimat Lausanne nahm Cañizares das neue Album Erzulie auf, sondern in New Orleans. Dort, wo die titelgebende Göttin des haitianischen Voodoo auch Schutzheilige ist. Doch all das erfuhr die Künstlerin erst vor Ort. „Bevor ich 2017 erstmals in Haiti war, wusste ich nichts von Erzulie. Und das trotz der geografischen und kulturellen Nähe zu Kuba. Auf einmal erzählte man mir dort überall von ihr, und ich merkte, dass Erzulie für die Haitianer die gleiche Energie birgt wie die Yoruba-Göttin Oshun für die Kubaner. So konnte ich mich leicht mit ihr identifizieren, mit der ihr zugeordneten Liebes- und Entscheidungskraft – einer ganz klar weiblichen Energie!“
Die schon seit 1997 außerhalb der Insel lebende Afrokubanerin ist stark mit der Santería-Religion verbunden. Dies manifestiert sich in der Musik der auch auf Yoruba singenden, stets farbenprächtig und stilsicher gekleideten 36-Jährigen. Somit schloss sich für sie in ihrem Bewusstsein ein Kreis von der „gemeinsamen DNS“, die Afrika mit den beiden Karibikstaaten und dem seelenverwandten New Orleans verbindet – der entscheidende Impuls für diesen musikalischen Brückenschlag, der mit dazu passenden Musikern aus Haiti, Kuba, Mosambik und den USA gelang. Fast so wie beim Filmcasting sei sie bei der Auswahl vorgegangen von „Musikern, denen ich im Grunde nichts erklären muss, die etwas von Afrika, der Karibik verstehen, davon, ein Emigrant zu sein“. Neben musikalischen Qualitäten sei es vor allem um menschliche gegangen, so Yilian Cañizares, um „eine ähnliche Sicht aufs Leben, eine gemeinsame Kultur, das Teilen einer Vision“.
Und sie gibt sich glücklich und dankbar über die „wundervolle, beeindruckende Gästeliste für Erzulie, diese solide ausgebildete, virtuose Geigerin, die erst in Europa von der Klassik zum Jazz und dann auch zum Singen fand. Für die oft simultan ausgelebte Doppelbegabung schätzen sie heute auch die Großen der Zunft wie beispielsweise Chucho Valdés. So verwundert es nicht, dass auch der renommierte Trompeter Christian Scott bei den Aufnahmen in seiner Heimatstadt New Orleans mitmachte sowie Mitglieder von Snarky Puppy. Die jungen US-Fusion-Jazzrocker sorgen auch dafür, dass Cañizares’ Kompositionen aus den sanftmütigen Lagen heraus immer wieder regelrecht überschäumen vor herb-rockiger Energie. Das Zeug für beide Temperamentsseiten hat auch der ebenfalls aus Havanna stammende Percussionist Inor Sotolongo, der schon lange in Paris lebt.

... mehr im Heft. Die Ausgabe 3+4/2020 in voller Länge online lesen? Dann geht's hier entlang ...