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Friedl Preisl

Heimspiel


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Zum fünfzehnten Mal Klezmore in Wien

Das Mehr und die jüdische Kultur

Kultur ist in diesen Tagen keine Selbst­ver­ständ­lichkeit. Umso größer die Freude, dass das in Wien alljährlich gefeierte Klezmore-Festival vom 10. bis 25. November seine fünfzehnte Ausgabe feiern kann. Was da alles zusammenkommen muss, damit es passt, ist eine Nachfrage wert.

Text: Harald Justin

Das zarte Gewebe des Musikgenusses wird durch viele Komponenten bestimmt. Reden wir einmal nicht von musikalischen Talenten, nicht über Instrumente, Spielorte, Promoter, Schallplattenfirmen und Streaming, nicht über Manager und Steuerberater. Reden wir über Veranstalter. Einer der rührigsten Vertreter dieser Kulturaktivisten in Wien ist der 1948 geborene Friedl Preisl. Als „heilende“ Alternative zum tristen Leben einer Festanstellung in einer Bank wählte er einst das Dasein eines selbstständigen Kulturveranstalters. Denn was könnte gesünder sein als die selbstausbeutende Arbeit in einem nicht fest umrissenen Berufsbild, die haarscharfe Kalkulation mit Sponsorengeldern, Spenden und städtischen Zuschüssen, das Kümmern um eigensinnige, unkontrollierbare Künstler und die Sorge um den höchst wankelmütigen Publikumszuspruch? „Ach, man hat mir nachgesagt“, lächelt der nach einer Herz-OP wieder topfitte Siebzigjährige sanft und nippt an einem Espresso, „dass ich ein gutes Gespür für musikalische Strömungen habe.“

Klezmore und Weiteres

So richtet er unter anderem das Akkordeonfestival in Wien aus, das im nächsten Jahr zum zwanzigsten Mal als Hotspot aller Akkordeonisten stattfindet. Zudem veranstaltet er alljährlich im Dezember einen „musikalischen Adventskalender“, bei dem im Dezember bis zum Weihnachtsfest jeden Abend in einem der 23 Bezirke Wiens ein Konzert zu erleben ist. Im September lässt er seit Jahren das Miteinander von Dialekt und Musik feiern, und der November steht im Zeichen des Klezmore-Festivals. Wie es dazu kam, ist schnell erzählt: „Ich besuchte früher öfter das jüdische Straßenfest, ich mochte die Musik. Aber es kamen immer dieselben Leute. Da tat sich nichts. Da musste eine andere Art von Festival her.“ Der Kulturaktivist wurde tätig, Klezmore ins Leben gerufen, und die jüdischen Organisationen stellten das Festival sofort in Frage. Darf ein Nicht-Jude überhaupt ein jüdisches Festival veranstalten? „Da habe ich nur gesagt: ‚Warum habt ihr es denn nicht gemacht?‘ Jetzt gibt es uns im fünfzehnten Jahr. Mittlerweile werden wir sogar im Programmheft der Israelitischen Kultusgemeinde erwähnt.“

... mehr im Heft.