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»Uns als Antisemiten zu bezeichnen, heißt, uns des Selbsthasses zu bezichtigen.«
47Soul * Foto: Jad Oakes




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Aktuelles Album:


Celeste
(Soft Science, 2014)



Balfron Promise


Doppelte Diaspora

47Soul

Die Musik einer palästinensischen Band muss zwangsläufig eine politische Dimension haben. Für die Band 47Soul stimmt dieser Satz – und er stimmt auch wieder nicht. Untrennbar vereinigen sich in ihrer Eigenkreation namens „Shamstep“ Party und Reflektion.

Text: Stefan Franzen

Dieser Sound fährt richtig in die Glieder: monströse Viertelton-Keyboards gepaart mit einer verzerrten Rockgitarre, darunter Beats, die teils programmiert sind, teils von den harten Schlägen auf die große Zylindertrommel Davul kommen. Als Kern ein messerscharfer, kehliger Gesang, der auf Arabisch und auf Englisch zündet. „Shamstep“ nennen 47Soul ihre Erfindung, die ganz klar in einem traditionellen Tanz verankert ist, im Dabke. „Jede Region an der Levante, die im Arabischen Bilad al-Sham heißt, hat ihre eigene Spielart des Dabke“, erklärt Tareq Abu Kwaik, der sich als MC von 47Soul El Far3i nennt. „Es ist der Tanz aller Feiern. Was wir spielen, ist ein Subgenre, in dem wir Beats aus dem Dabke mit den Einflüssen mischen, mit denen wir aufgewachsen sind: HipHop, Soul, Dub und Rock.“
Dass die vier sich im jordanischen Amman getroffen haben, ist Zufall. Abu Kwaik und Gitarrist Hamza Arnaout sind in Jordanien groß geworden, Sänger und Trommler Walaa Sbait kommt aus dem israelischen Haifa, Keyboarder Ramzy Suleiman wuchs in Washington D. C. auf. Alle sind sie Palästinenser, dürfen aber mit ihren Papieren weder ins Land ihrer Vorfahren reisen, noch konnten sie sich gegenseitig an ihren ursprünglichen Wohnorten besuchen. „Wir leben also in einer doppelten Diaspora“, fasst es Suleiman zusammen, und Abu Kwaik ergänzt: „Im Zentrum unserer Arbeit steht die Bewegungsfreiheit. 1948 war das Jahr der Besetzung Palästinas, 1947 gab es die Freiheit noch. Diesen Geist wollten wir im Bandnamen auffangen.“
Bewegungsfreiheit zumindest schöpferischer Art haben die vier Musiker mittlerweile in London gefunden. Das neue Album ist nach dem Balfron Tower benannt, einem Hochhaus, in dem die Band erlebte, das nach einer Renovierung ehemalige Bewohner nicht zurückkehren konnten. „Wir denken, dass diese schleichende Veränderung der Demografie Parallelen aufweist zu dem, was in Palästina passiert ist“, so die provokante These von Abu Kwaik.

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