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Aktionsradius-Team, v. l. n. r. Irmi Egger, Alois Kinast, Robert Sommer, Uschi Schreiber * Foto: Dieter Schreiber

Heimspiel


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33. Leipziger Tanzhausfest





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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Kultur und ihre Nachhaltigkeit

Aktionsradius Augarten

Spaß an der Arbeit mit Kultur

In Wien gibt es immer etwas zu feiern. Trotzdem war 2017 ein besonderes Jahr, denn der Aktionsradius Augarten feierte seinen 25. Geburtstag. Das Projekt ist sperrig und außergewöhnlich. Allein seine bloße Existenz ist ein kleines Wunder.

Text: Harald Justin

Eigentlich hat Uschi Schreiber keine Zeit für Fragen und Antworten rund um den Aktionsradius Augarten, dieses Kulturverstärkerprojekt in der Leopoldstadt im 2. Wiener Bezirk. „Flyer müssen weggebracht, das Programm erstellt werden, Kollegen sind krank …“ Alltag in einem Kulturprojekt, in dem sie eine treibende Kraft ist. Eigentlich kommt auch der Gratulant zum 25-Jährigen nicht zur rechten Zeit. Er hat sich um ein Jahr verspätet. Trotzdem findet man auf einer gemeinsamen Zeitachse zusammen, am Gaußplatz 11, in den Räumlichkeiten eines Cafés, um ein kleines Zeitfenster zum Ausblick auf Vergangenes und Zukünftiges zu öffnen.

Landpomeranze und Piefke im Gartenwunderland

Uschi Schreiber kam aus Oberösterreich nach Wien, eine, wie sie sagt, „Landpomeranze“, die als Stadtplanerin arbeiten wollte und auf den Architekten Dieter Schreiber aus Berlin traf. Das hatte Folgen. Nicht nur, weil sie heirateten und gemeinsam in einem Architektur- und Stadterneuerungsbüro arbeiteten, sondern weil die Achse Wien-Berlin bis heute mit dem Austausch von Künstlerinnen und Künstlern geschmiedet wird. Damals, in den Endachtzigern, wurde Stadtplanung neu gedacht. Nicht allein um Straßen ging es, nein, soziokulturell wurden Menschen mit einbezogen. Und die Leopoldstadt mit seiner einst ostjüdischen, heute aber längst bunt gemischten Bevölkerung aus Juden, Moslems, Katholiken, Alt- und Neuwienern, Arbeiter und Bürgern bot sich einem neuen Kulturbegriff an. Anfangs ging es mit Bürgerbeteiligungsprojekten um die Wiederbelebung des nahe gelegenen Augartens, einer barocken Parkanlage, in dessen Gartenpavillon einst Mozart, Beethoven und Johann Strauß der Ältere aufgespielt hatten. Noch heute ist das Augartenpalais Heimstatt der Wiener Sängerknaben, aber die Geschichte dieser „Kindervermarktungsmaschinerie“, so Ex-Chormitglied Dominik Orieschnig, ist eigentlich der hochkulturelle Gegenentwurf zum erweiterten Kulturbegriff des 1989 gegründeten Arbeitskreises Augarten. Mit Open-Air-Konzerten, Kunst- und Kinderprojekten versuchte man, den Augarten in ein Projekt der Begegnung zu verwandeln. Erstmalig feierte man 1991 ein „Fest der Völker“, für innovative Kulturarbeit erhielten die Veranstalter einen Staatsförderpreis. Gleichzeitig aber blies der Gegenwind von Seiten der Stadtplanung. Demgegenüber stellte man sich neu auf, der „Arbeitskreis“ verwandelte sich in den „Aktionsradius Augarten“.

Projekte gegen die Bequemlichkeit

Mittlerweile kann man mit engagierten Mitarbeitern, Unterstützern und Partnern rechnen. Etwa mit dem Veranstalter Friedl Preisl, der mit seinen international renommierten Klezmore- und Akkordeonfestivals gewissermaßen zum Haus gehört. Sie alle garantieren eine Vielzahl von Projekten, die der Wiener Wurschtigkeit und der Bequemlichkeit entgegenstehen. So wurde bis 2001 das Fest der Völker organisiert, es gab „Klassik-Picknicks“, gefeiert wurden das Mozartjahr, Balkan- und Afrikafeste, Romareigen und Weltmusikreihen. Der blinde Akkordeonist Otto Lechner regierte eine Zeit lang als fiktiver Bürgermeister in der „Augartenstadt“. Architekturwettbewerbe standen neben sogenannten Pomali-Festen mit der Kirche Gaußplatz.

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