backLieder, die das Leben schreibt

Kari Bremnes

Norwegens melancholische Stimme

go! www.karibremnes.no
(norwegisch; englische Seite noch im Aufbau)
Discographie

"Mit Ville Hjerte" (Indigo, 1987)
"Blå Krukke" (Indigo, 1989)
"Salmer Pa Veien Hjem" (Indigo, 1991)
"Spor" (Indigo, 1991)
"Løsrivelse" (Indigo, 1993)
"Gåte Ved Gåte" (Indigo, 1994)
"Erindring" (Indigo, 1995)
"Månestein" (Indigo, 1997)
"Svarta Björn" (Indigo, 1998)
"Norwegian Mood" (Indigo, 2000)
"Soløye" (Indigo, 2000)
"Desemberbarn" (Indigo, 2001)
"You'd Have To Be Here" (Indigo, 2003)

Kari Bremnes unterwegs:

23.01.04 Karlsruhe, Tollhaus
24.01.04 Mainz, Frankfurter Hof
25.01.04 Bochum, Bfh Langendreer
26.01.04 Köln, Stadtgarten
27.01.04 Hamburg, Fabrik
28.01.04 Flensburg, Flensborg Hus
29.01.04 Hannover, Pavillon
31.01.04 Hardegsen/Göttingen, Muthaussaal
01.02.04 Berlin, Tränenpalast

go! www.nordpool-musik.de

In ihrer Heimat kennt sie fast jeder. Ein schreibender Landsmann bezeichnete sie gar als "seltene Kreatur", weil sie sowohl beim Mainstream als auch bei der kulturellen Elite gut ankommt. Vielleicht liegt das Geheimnis ihres Erfolges darin, dass man sich in ihren Liedern wieder erkennt. Wenn Kari Bremnes singt, dann bringt sie behutsam eine Seite in jedem von uns zum Schwingen. Jetzt will die norwegische Bardin auch das internationale Publikum erobern.

Von Suzanne Cords

"In meinen Liedern stehen eindeutig die Texte im Vordergrund. Daher war es unvermeidbar, sie ins Englische zu übersetzen, wenn ich auch die Menschen außerhalb meiner Heimat erreichen will." Kari Bremnes lächelt: jenes leicht melancholische Lächeln, das so charakteristisch für sie ist - und für ihre Musik. "Man hat mich oft gefragt, ob ich jemals mit dem Gedanken gespielt habe, fröhliche Lieder zu schreiben", sagt sie. "Meine Antwort darauf lautet: nein. Es reicht mir nicht, nur eine Emotion Kari Bremnesanzusprechen. Erst das Zusammenspiel mehrerer Gefühle wie Ärger, Traurigkeit, Verzweiflung oder Hoffnung ist für mich interessant. Schließlich ist das Leben ja auch komplex, sonst wäre es doch langweilig."

Mit dieser Philosophie entstehen dann Lieder wie das anrührende "Can It Really Be Years", "Ist es wirklich schon Jahre her". Da sitzt eine Frau Jahr für Jahr in ihrer kleinen Wohnung, hat aber nie alle Umzugskartons ausgepackt, weil sie von einem aufregenderen Leben träumt und auf ein Zeichen wartet. In dem Stück "A Fantastic Time Already" freut sich ein Mann an den schönen Momenten des Lebens, während seine Gattin ständig lamentiert und sich nie zufrieden gibt. Bis es irgendwann zu spät ist. Solche Kaleidoskope menschlichen Daseins klingen nur allzu vertraut.

Im Schatten des Polarlichts

"In allen meinen Liedern gibt es immer auch autobiographische Elemente", sagt Kari Bremnes. "Ich mache das ein bisschen wie Hitchcock: Der war in seinen Filmen immer in einer kurzen Szene präsent. Und so ist auch ein Teil meiner Erfahrungen in diese kleinen Geschichten eingeflossen." Gibt es denn auch etwas typisch Norwegisches in ihrer Musik? Kari Bremnes"Da bin ich mir nicht so sicher", überlegt sie. "Musikalisch gesehen mit Sicherheit nicht, da knüpfe ich doch wohl eher an die Tradition der amerikanischen Singer/Songwriter an. Aber wenn man wie ich von den Lofoten kommt, dann lernt man sehr früh, dass wir Menschen nur ein Spielball der Natur sind und niemals die totale Kontrolle haben können. Ich liebe diese atemberaubende Landschaft, aber da sind auch diese endlose Einsamkeit und das Wissen, dass man klein und unscheinbar dieser Kari BremnesUrgewalt gegenübersteht. Das alles hat mich geprägt. Und dieses Gefühl spiegelt sich eben auch in meinen Liedern wider."

Die Lofoten - das sind jene unwirtlichen Inseln nördlich des Polarkreises, fast am Ende der Welt. Die imposanten Berge robben sich gebieterisch bis an die Ufer der Eilande heran, steil stürzen die Klippen ins Meer hinab. Im Sommer geht die Sonne nie ganz unter, doch im Winter verschanzt sie sich hinter einem Wall aus Dunkelheit, und ein unwirkliches blaues Dämmerlicht hüllt die Inseln ein. In dieser Umgebung, dem 5.000-Seelen-Ort Svolvaer, ist Kari Bremnes zusammen mit ihren sieben Geschwistern aufgewachsen. Wer jetzt allerdings meint, Kari Bremnesdass im Schatten des Polarlichts weitab jeder Großstadt automatisch der Nährboden für norwegische Folklore gesät ist, der irrt. Als Kind hatte die kleine Kari, Jahrgang 1956, nichts mit norwegischer Tradition am Hut, im Gegenteil: "Natürlich gab es diese uralten Gesänge, die von ertrunkenen Seeleuten handeln, oder auch religiöse Lieder. Meine Oma hat sie mir manchmal vorgesungen", erinnert sich Kari. "Aber diese Art von Musik galt in meiner Jugend als altmodisch und pittoresk. "Ich habe wie alle anderen auch Bob Dylan und Frank Zappa, Leonhard Cohen oder Joni Mitchell im Radio gehört. Das waren meine Idole. So wollte ich auch werden." Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: "Übrigens stand ich schon mit zwölf Jahren das erste Mal auf der Bühne. Mein Vater war Schuldirektor und veranstaltete diese Feste in der Aula. Ich hatte ein pinkfarbenes Kleid mit ganz viel Glitzer an. Es muss fürchterlich ausgesehen haben, aber ich war unheimlich stolz darauf. Meine Mutter begleitete mich auf dem Klavier und raten Sie mal, was ich gesungen habe: Schuberts Kari Bremnes‚Das Wandern ist des Müllers Lust'."

"Mein wildes Herz"

Mit 19 verließ Kari Bremnes ihre kleine Welt und ging in die Großstadt: Oslo schien ihr wie eine Verheißung zu sein und noch heute lebt sie in dem pulsierenden Stadtteil Majorstua im Zentrum des Geschehens. "Ich liebe Städte", betont sie. "Hier ist immer Leben, rund um die Uhr. Dann ist da diese einzigartige Geräuschkulisse, die mich fasziniert. Und wenn man will, kann man sich trotzdem in der Anonymität verstecken. Auf dem Dorf wusste immer jeder über alle anderen Bescheid."

In Oslo studierte Kari Bremnes Journalismus. Singen war für sie ein Hobby. Sie war schon als Jugendliche mit ihrem Vater und den Brüdern Ole und Lars hin und wieder als Quartett aufgetreten. "Doch irgendwann in meinem Leben kam der Wendepunkt", erzählt sie. "Ich begann, eigene Liedtexte zu schreiben, baute eine Band auf und stand dann plötzlich vor der Entscheidung: Was möchtest du in Zukunft machen? Journalistin sein oder Musikerin? Für beides blieb nicht genug Zeit, zumal ich mittlerweile zwei Kinder hatte. Und so entschied ich mich für die Musik, denn ich wusste, ohne sie kann ich nicht leben."


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