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(norwegisch; englische Seite noch im Aufbau) |
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"Mit Ville Hjerte" (Indigo, 1987) |
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Kari Bremnes unterwegs:
23.01.04 Karlsruhe, Tollhaus |
In ihrer Heimat kennt sie fast jeder. Ein schreibender Landsmann bezeichnete sie gar als "seltene Kreatur", weil sie sowohl beim Mainstream als auch bei der kulturellen Elite gut ankommt. Vielleicht liegt das Geheimnis ihres Erfolges darin, dass man sich in ihren Liedern wieder erkennt. Wenn Kari Bremnes singt, dann bringt sie behutsam eine Seite in jedem von uns zum Schwingen. Jetzt will die norwegische Bardin auch das internationale Publikum erobern.
Von Suzanne Cords
"In meinen Liedern stehen eindeutig die Texte im Vordergrund. Daher war es
unvermeidbar, sie ins Englische zu übersetzen, wenn ich auch die Menschen
außerhalb meiner Heimat erreichen will." Kari Bremnes lächelt:
jenes leicht melancholische Lächeln, das so charakteristisch für
sie ist - und für ihre Musik. "Man hat mich oft gefragt, ob ich jemals
mit dem Gedanken gespielt habe, fröhliche Lieder zu schreiben", sagt
sie. "Meine Antwort darauf lautet: nein. Es reicht mir nicht, nur eine Emotion
anzusprechen. Erst das Zusammenspiel mehrerer
Gefühle wie Ärger, Traurigkeit, Verzweiflung oder Hoffnung ist
für mich interessant. Schließlich ist das Leben ja auch komplex,
sonst wäre es doch langweilig."
Mit dieser Philosophie entstehen dann Lieder wie das anrührende "Can It Really Be Years", "Ist es wirklich schon Jahre her". Da sitzt eine Frau Jahr für Jahr in ihrer kleinen Wohnung, hat aber nie alle Umzugskartons ausgepackt, weil sie von einem aufregenderen Leben träumt und auf ein Zeichen wartet. In dem Stück "A Fantastic Time Already" freut sich ein Mann an den schönen Momenten des Lebens, während seine Gattin ständig lamentiert und sich nie zufrieden gibt. Bis es irgendwann zu spät ist. Solche Kaleidoskope menschlichen Daseins klingen nur allzu vertraut.
"In allen meinen Liedern gibt es immer auch autobiographische Elemente",
sagt Kari Bremnes. "Ich mache das ein bisschen wie Hitchcock: Der war in
seinen Filmen immer in einer kurzen Szene präsent. Und so ist auch ein
Teil meiner Erfahrungen in diese kleinen Geschichten eingeflossen." Gibt
es denn auch etwas typisch Norwegisches in ihrer Musik?
"Da
bin ich mir nicht so sicher", überlegt sie. "Musikalisch gesehen mit
Sicherheit nicht, da knüpfe ich doch wohl eher an die Tradition der
amerikanischen Singer/Songwriter an. Aber wenn man wie ich von den Lofoten
kommt, dann lernt man sehr früh, dass wir Menschen nur ein Spielball
der Natur sind und niemals die totale Kontrolle haben können. Ich liebe
diese atemberaubende Landschaft, aber da sind auch diese endlose Einsamkeit
und das Wissen, dass man klein und unscheinbar dieser
Urgewalt
gegenübersteht. Das alles hat mich geprägt. Und dieses Gefühl
spiegelt sich eben auch in meinen Liedern wider."
Die Lofoten - das sind jene unwirtlichen Inseln nördlich des Polarkreises,
fast am Ende der Welt. Die imposanten Berge robben sich gebieterisch bis
an die Ufer der Eilande heran, steil stürzen die Klippen ins Meer hinab.
Im Sommer geht die Sonne nie ganz unter, doch im Winter verschanzt sie sich
hinter einem Wall aus Dunkelheit, und ein unwirkliches blaues Dämmerlicht
hüllt die Inseln ein. In dieser Umgebung, dem 5.000-Seelen-Ort Svolvaer,
ist Kari Bremnes zusammen mit ihren sieben Geschwistern aufgewachsen. Wer
jetzt allerdings meint,
dass im Schatten des Polarlichts weitab jeder Großstadt
automatisch der Nährboden für norwegische Folklore gesät ist,
der irrt. Als Kind hatte die kleine Kari, Jahrgang 1956, nichts mit norwegischer
Tradition am Hut, im Gegenteil: "Natürlich gab es diese uralten
Gesänge, die von ertrunkenen Seeleuten handeln, oder auch religiöse
Lieder. Meine Oma hat sie mir manchmal vorgesungen", erinnert sich Kari.
"Aber diese Art von Musik galt in meiner Jugend als altmodisch und pittoresk.
"Ich habe wie alle anderen auch Bob Dylan und Frank Zappa, Leonhard Cohen
oder Joni Mitchell im Radio gehört. Das waren meine Idole. So wollte
ich auch werden." Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: "Übrigens
stand ich schon mit zwölf Jahren das erste Mal auf der Bühne. Mein
Vater war Schuldirektor und veranstaltete diese Feste in der Aula. Ich hatte
ein pinkfarbenes Kleid mit ganz viel Glitzer an. Es muss fürchterlich
ausgesehen haben, aber ich war unheimlich stolz darauf. Meine Mutter begleitete
mich auf dem Klavier und raten Sie mal, was ich gesungen habe: Schuberts
Das
Wandern ist des Müllers Lust'."
Mit 19 verließ Kari Bremnes ihre kleine Welt und ging in die Großstadt: Oslo schien ihr wie eine Verheißung zu sein und noch heute lebt sie in dem pulsierenden Stadtteil Majorstua im Zentrum des Geschehens. "Ich liebe Städte", betont sie. "Hier ist immer Leben, rund um die Uhr. Dann ist da diese einzigartige Geräuschkulisse, die mich fasziniert. Und wenn man will, kann man sich trotzdem in der Anonymität verstecken. Auf dem Dorf wusste immer jeder über alle anderen Bescheid."
In Oslo studierte Kari Bremnes Journalismus. Singen war für sie ein Hobby. Sie war schon als Jugendliche mit ihrem Vater und den Brüdern Ole und Lars hin und wieder als Quartett aufgetreten. "Doch irgendwann in meinem Leben kam der Wendepunkt", erzählt sie. "Ich begann, eigene Liedtexte zu schreiben, baute eine Band auf und stand dann plötzlich vor der Entscheidung: Was möchtest du in Zukunft machen? Journalistin sein oder Musikerin? Für beides blieb nicht genug Zeit, zumal ich mittlerweile zwei Kinder hatte. Und so entschied ich mich für die Musik, denn ich wusste, ohne sie kann ich nicht leben."
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