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Solo:
She Is Me (Mini-Album, Eigenvertrieb, 1998) |
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Christina Lux unterwegs:
12.09.03 Derneburg, Glashaus |
RTL-Land sucht den Superstar, der SPD-Kanzler fordert mehr Mut zur Ich AG? Über solch konzertierte Versuche, eine Nation aus dem Tal des Jammerns auf hohem und des Sich-Zerstreuens auf umso tiefer gelegtem Niveau herauszuführen, kann sich Christina Lux nur wundern. Ohne sich je in Casting-Shows zu verbiegen oder Existenzgründermodelle in Anspruch zu nehmen, hat sich die Kasseler Songschreiberin, Sängerin und Gitarristin in 20 Jahren ihr Publikum erobert und eine künstlerische Existenz geschaffen. Auf dem vierten, wieder selbstproduzierten Lux-Album Live im Kölner Stadtgarten der Mitschnitt eines Konzerts mit Bassist Marius Goldhammer und Perkussionist Nippy Noya steht ihr unter die Haut gehender Acoustic Soul & Funky Folk in voller Blüte.
Von Albrecht Pilz
Die Geschichte von Love & Lux das ins Fretboard von
Christinas Lakewood-Gitarre eingebettete Lux-Motto beginnt Mitte der
Siebziger, als sich auf dem elterlichen Bauernhof die Gruppe Guru Guru für
Proben einquartiert. Christina schnappt sich Vaters alte Gitarre und fängt
an, selbst zu zupfen und zu singen. Wie viele Mädels in meinem
Alter haben wir auf irgendwelchen Schülerversammlungen gehockt und
How many roads...' geklimpert. 1982, kurz vor dem Abitur, bricht
sie die Schule ab, jobbt zunächst in Kneipen immer mit
dem Gedanken, ich will doch eigentlich singen! und meldet sich
schließlich auf eine Zeitungsannonce: Sängerin
gesucht.
Ich habe einfach zu einem Song dieser Band improvisiert, die Hände
tief in den Taschen vergraben. Eine schmale, blonde Frau mit dieser seltsam
schweren, tiefen Bluesröhre. Das war ungewöhnlich. Schon bald nach
diesem Vorsingen lernte ich die damaligen Lokalmatadoren aus Kassel kennen,
eine richtige Achtziger-Rockband mit fetten Keyboards und lauten Gitarren.
Und sie wollten mich in ihrer Band! Leider hat es kaum ein halbes Jahr gedauert,
da war meine Stimme kaputt, weil ich einfach keine Technik hatte und klang
wie eine Mischung aus Rod Stewart und Tina Turner. Ein Jahr lang durfte ich
überhaupt nicht singen, das war bitter. Ich nahm Gesangsstunden wie
ein Überlebenstraining. Danach habe ich ganz langsam wieder angefangen,
nur mit Piano und Gesang, bis meine Stimme wieder stark war. Ich ging nach
Heidelberg und habe einige Jahre mit kleinen Cover-Gigs, Jazz- und Fusion-Bands
und Nebenjobs mein Leben gemeistert, bis mich '89 die Jule Neigel Band bei
einem dieser Konzerte hörte. Sie suchten für ihre Schatten
an der Wand'-Tour noch eine Background-Sängerin. Das ermöglichte
mir, endlich meine Nebenjobs zu schmeißen und richtig auf Tour zu
gehen.
1990 wird ein WDR-Redakteur auf die Sängerin mit der dunklen Samtstimme aufmerksam und engagiert sie für die Talkshow Drei vor Mitternacht. 1993 steigt Christina ins Kölner A-cappella-Ensemble Vocaleros ein, mit dem sie zwei viel beachtete Alben einsingt (Vocaleros, YéYé, 1997/98). In dieser Zeit häufen sich bereits die Solo-Engagements. Im Studio singt Das Lux u.a. Gitte Haenning, Reinhard Fendrich, Pe Werner, Fury In The Slaughterhouse, Mick Karn und Jon Deep Purple Lord, im Fernsehen für Live-Gäste der Harald Schmidt Show wie Grace Jones und Nina Hagen. Brot-Jobs, die Christina das finanzieren, was ihr eigentlich am Herzen liegt: meine eigenen Songs machen zu können. Songs, in denen sich Folk-, Blues- und Jazz-Elemente fein verweben und in deren Texten Christina Lux ohne jeden Anflug von Ironie, frei aber auch von Sentimentalität oder gar missionarischem Eifer die heilende Kraft der Liebe beschwört. Songs, vorgetragen in authentischem American English.
Christina,
warum schreibst du ausschließlich englische Texte, und wie kommt es,
dass dein Englisch so authentisch klingt?
Englisch lag nahe, weil ich wie die meisten meiner Kollegen fast ausschließlich mit englischsprachiger Musik groß geworden bin. Es gab zwar eine kurze frühe Phase, in der ich auch Konstantin Wecker und Reinhard Mey gehört habe, aber die Verbindung von Musik und Sprache bei den Soul- und Blues-Sängern war das, was mich richtig begeisterte. Ich kann in der englischen Sprache eine Freiheit genießen, die ich in Deutsch noch nicht so empfinde. Als ich 1990 meinen damaligen Mann kennen lernte, der Amerikaner ist, wurde meine ganze emotionale Welt plötzlich in Englisch gelebt und gedacht. So kommt es, dass die Zeilen, die mich zu einem Song bringen, immer zuerst in Englisch da sind.
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