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(Auswahl)
Time Of Gypsies (Philipps/Universal, 1991)
Kayah & Bregovic:
Krawczyk & Bregovic: |
Es hätte eine fast normale Rockmusik-Karriere werden können, die Goran Bregovic (Jahrgang 1950) im kommunistischen Jugoslawien Titos absolvierte. Mit Bestije (Biest) punkte der Jugendliche, der vor der Gitarre Geige zu spielen gelernt hatte, los und wurde mit der Band Bijelo Dugme (Weißer Knopf) erfolgreiches Aushängeschild sozialistischer Rockkultur. Er könnte heute, wie die DDR-Rocker Puhdys, von den Lorbeeren vergangener Ost-Exotik leben. Doch in dem Jugoslawen aus Bosnien, der mitten unter verschiedenen Völkern, Kulturen und Religionen aufgewachsen ist, steckt offensichtlich zuviel kreative Musikalität, um sich auf die faule Haut zu legen. Derzeit bereist der charismatische Balkan-Musiker, den der Folker! bereits 1999 einmal interviewte, mit seinem aktuellen Projekt die Welt: Tales And Songs From Weddings And Funerals. Der ungewöhnlich bodenständige Titel lässt die Frage aufkommen, ob Goran Bregovic zu traditionellen musikalischen Wurzeln seiner Heimat zurückgekehrt ist.
Von Jürgen Brehme
In
Europa wurde Bregovic vor allem durch seine Filmmusiken berühmt. Zu
den surrealistischen Filmen von Emir Kusturica schuf er eine kongeniale Musik,
die zu einer Einheit mit den Filmszenen verschmilzt. Mystisch-elysische
Musikklänge, auf- und abschwellende sakrale Gesänge vermischt mit
Rumba- und Tangoelementen. Hinzu kommen Zigeunerbrass, Klezmerklänge
und osteuropäische Tänze. Schon das erste gemeinsame Projekt
Time Of The Gypsies machte Bregovic in Deutschland bekannt. Die
Presse stellte ihn neben Ennio Morricone. Bei weiteren Filmen, Arizona
Dream (mit Johnny Depp) und Underground, perfektionierten
die beiden Freunde ihre Zusammenarbeit (Kusturica hatte schon auf
Bestije den Bass gezupft).
Der gemeinsame Erfolg verstellt etwas den Blick auf andere,
nicht so bekannte Aktivitäten von Bregovic. Neben weiteren Filmmusiken
(bereits 1978 zu Nije Nego von Mica Milosevic, später noch
zu Queen Margot von Patrice Chereau und Zug des Lebens
von Radu Mihaelanu) führte er 2002 im Hamburger Thalia-Theater seine
Dante-Version The Diving Compagnie auf. Einige Jahre lang dirigierte
er ein Großorchester von 120 Musikern durch Europa und er arbeitete
mit Künstlern wie Ofra Haza, Cesaria Evora, Boban Markovic und Scott
Walker zusammen. Dabei arrangierte er ähnliche musikalische Elemente
wie in seinen Filmmusiken: Symphonieorchester mit bulgarischen Sängerinnen,
Brass-Kapellen und jugoslawischer Volksmusik, traditionelle Instrumente mit
Drumcomputer.
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