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Jackson Browne (Asylum, 1972) |
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Jackson Browne unterwegs:
19.03.03 Hamburg, Musikhalle |
Sechs Jahre sind eine lange Zeit im Musikgeschäft und es gibt nicht
viele, die sich eine solch lange Plattenpause erlauben können. Jackson
Browne konnte es offensichtlich, obwohl der Singer/Songwriter aus Los Angeles
mit seinem 1996 erschienenen Album Looking East nicht
übermäßig erfolgreich war. Das ein Jahr später
veröffentlichte Best-Of-Album The Next Voice You Hear schien
eine kreative Durststrecke zu überbrücken. Sitzt man jedoch Jackson
Browne heute gegenüber, ist von Krise nichts mehr zu spüren und
man fühlt sich an die Geschichte von
Dorian Gray erinnert, an Oscar Wildes alterslosen
Jüngling, der zwar auf seinem Porträt, jedoch nicht in Wirklichkeit
altert, denn der im Oktober des vergangenen Jahres 54 Jahre alt gewordene
Jackson Browne sieht heute noch genauso aus wie zu Zeiten seiner
größten Popularität in den späten siebziger und frühen
achtziger Jahren trotz einiger grauer Strähnen. The Naked
Ride Home ist der Titel seines aktuellen Albums mit zehn neuen Songs.
Es sind Songs, die auch akustisch den Eindruck untermauern, dass einer der
einflussreichsten amerikanischen Singer/Songwriter seiner Generation sich
eigentlich nicht verändert hat. Er kehrt zwar häufiger zurück
zum Liebeslied-Terrain, doch Jackson Browne versicherte Harald
Mönkedieck im Folker!-Gespräch, dass dies nicht bedeutet, dass
er kein politischer Künstler mehr wäre ganz im
Gegenteil.
Frage: Jackson Browne, das letzte was man in Europa von dir gehört hat, waren akustische Solokonzerte vor ungefähr fünf Jahren. Heute bist du wieder mit fester Band unterwegs. Arbeitest du heute enger mit deinen Musikern zusammen? Du gibst Ihnen auf der neuen Platte ja auch Autoren-Credits.
Antwort: Die Band hat es verdient, für ihre kreativen Beiträge zur Entstehung dieser Songs Anerkennung zu bekommen. Sie schaffen eine sehr fruchtbare musikalische Umgebung und steuern Ideen bei, die ich selbst in einer Million Jahre nicht hätte. Seit 1996 spiele ich mit ihnen jetzt zusammen meine alten und neuen Songs. Wir spielen die alten Titel nicht genau wie früher und haben uns heute ein Repertoire erarbeitet, mit dem wir manchmal wie eine Jazzband umgehen. Es ist so ein freierer Geist in meine Musik gekommen und ich kann es kaum erwarten, die neuen Stücke auch live zu hören. Es ist toll, ich wollte immer in einer Band sein.
Frage: Lebst du noch immer in Barcelona?
Antwort: Ich habe nicht permanent in Barcelona gelebt. Ich habe dort zwar eine Wohnung, die ich auch behalten werde, im vergangenen Jahr war ich allerdings gar nicht da. Aber die Jahre davor war ich immer wieder in Spanien. Auch in der nächsten Zeit werde ich wohl öfter hin und her pendeln. Trotzdem habe ich dieses Zuhause außerhalb meines eigenen Landes gut in mein Leben integriert.
Frage:
Kalifornische Freunde ziehen gerade von Südkalifornien nach Vancouver,
weil sie die zunehmende Krassheit des amerikanischen Materialismus nicht
mehr ertragen. Entspricht das auch deiner Wahrnehmung?
Antwort: Das ist nicht nur in Südkalifornien so. Der Materialismus hat überall in den USA epidemische Ausmaße erreicht und den typischen Valley-Girl-Akzent aus L.A. hört man jetzt in jedem Vorort in den USA. Du kannst in jedem größeren Ort in das gleiche Multiplex-Kino und das gleiche Pizza-Hut-Restaurant gehen. Jedes Kaufhaus sieht gleich aus, in jeder amerikanischen Stadt.
Frage: The Pretender ist einer deiner bekanntesten Songs. Darin verfolgst du das Schicksal des kalifornisch geprägten Geistes der sechziger Jahre. Wie geht es der Generation von damals heute aus deiner Sicht? Hast du die Hoffnung für den jetzt angepassten Pretender schon aufgegeben?
Antwort: (lacht) Ich sage immer noch ein Gebet für den Pretender (Anm: Say a prayer for the pretender ist die Titelzeile dieses Songs). Aber es ist unmöglich, dieses optimistische und hoffnungsvolle Gefühl von damals zu vergessen. Es war eine politisch und gesellschaftlich sehr revolutionäre Zeit. Viele Menschen waren bereit, ihr Leben zu opfern für die Durchsetzung der Bürgerrechte. Es gab die sexuelle Revolution und man stellte die alten, sehr restriktiven Moralvorstellungen in Frage. Alles passierte auf einmal, wie in einem Schmelztiegel. Man experimentierte mit alternativen Bewusstseinszuständen und interessierte sich für fernöstliche Religionen. Heute ist nicht so eine Zeit, aber die Menschen haben noch immer die Freiheit, das alles zu tun. Ich glaube persönlich, der alte Geist der Sechziger existiert noch allerdings nicht in den Medien. Er war auch nie ein Medienprodukt, sondern eine Opposition gegenüber der Kontrolle durch die Medien. Ich möchte nicht ausschließen, dass etwas Ähnliches noch einmal passiert und in einem meiner neuen Songs About My Imagination geht es darum, dass man die Hoffnung auf einen positiven Wandel nicht aufgeben sollte. Wenn man das tut, erkennt man eine positive Veränderung gar nicht, wenn sie kommt.
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