backTroubadoure des 21. Jahrhunderts

L'Ham de Foc

Klänge aus der Schatzkammer mittelalterlicher Musik

go! www.galileo-mc.de
Discographie:

„U“ (Sonifolk/Galileo MC, 1999)
„Cançó de Dona i Home“ (Sonifolk/Galileo MC, 2002)

Wie unerschöpflich die Folk-Facetten Iberiens sind, zeigt sich auf dem deutschen CD-Markt erst seit wenigen Jahren. Bis vor kurzem traten als Gegengewicht zum Flamenco vor allem die keltisch bestimmte Tradition Galiciens und Asturiens in Erscheinung, doch allmählich fächern sich auch die eigenständigen Klänge der spanischen Mittelmeerküste vor unseren Ohren auf. L'Ham de Foc sind die Zugpferde der Szene Valencias, einer Hafenmetropole, die als Schnittpunkt mediterraner Kulturen einen äußerst spannenden Standort abgibt. Das charismatische Duo könnte, unterstützt durch variierende Gastmitglieder, mit seiner bezwingenden, handwerklichen Sound-Mixtur aus der Palette des Orients, panmediterranem Folk und Alter Musik zum ersten großen Export der Levante werden. Ihr aktuelles Werk „Cançó de Dona i Home“ zumindest hält sich seit Monaten unter den Top 5 der EBU World Music Charts.

Von Stefan Franzen

„Ich glaube, dass der ‚keltische Sound' eine gewisse Sättigung erreicht hat“, so die Einschätzung von Efrén López, Multiinstrumentalist von L'Ham de Foc. „Das spanische Publikum sucht andere Klangwelten, und von denen haben wir viele vergessene. Das führt dazu, dass man nun Regionen wie den Kanaren, dem Baskenland, Katalonien oder Valencia Aufmerksamkeit schenkt, wo viele Gruppen seit langer Zeit im Verborgenen gearbeitet haben.“ Die bisherige Verborgenheit von López und seiner Partnerin Mara Aranda, zuständig für Texte, Kompositionen und Gesang, stellt sich wie folgt dar: Aranda studierte seit ihrem 16. Lebensjahr traditionelle und Alte Musik, „andächtig, auf eigene Faust und eigenes Risiko“, wie sie es selbst ausdrückt. Dabei hat sie stets versucht, die strenge Disziplin der Alten Musik mit der Tugend freier Gestaltung aus dem Folk zu verknüpfen und einen persönlichen Stil zu entwickeln: „Ich habe keine Idole, weder im alltäglichen Leben noch im Gesang. Einen Vokalstil von jemand anderem zu übernehmen, ist doch eigentlich ein Raub der Seele“, so ihr Leitsatz. Gleichwohl belegt die Vokalistin bis heute regelmäßig Unterrichtsstunden im Cant d'estil, dem typischen valencianischen Gesang. López kam über die E-Gitarre zu seinem heutigen immensen Arsenal an Instrumenten. In seinen frühen Folkrock-Formationen (eine davon trug den ominösen Namen Gänseblümchen und Schweine) führte er nach und nach alte Saiteninstrumente ein, da sie einen „humaneren Bezug und größere Dynamik“ besäßen. Und er entdeckte, dass die Schatzkammer mittelalterlicher Musik, die er alsbald auf Kompositionen für Dokumentarfilme oder Werbe-Clips anwandte, viele heute populäre Stile erklärt.

Richtig versenkt in die Klänge vergangener Jahrhunderte hat er sich mit prominenten Lehrern wie dem englischen Hurdy-Gurdy-Meister Nigel Eaton oder dem Wahlkreter Ross Daly. Bei letzterem haben López und Aranda einige Monate gelebt, und L'Ham de Focs Bandphilosophie deckt sich mit seinem Credo: „Ross ist genau wie ich ein Musiker, der von Instrumenten und Stilen aus fremden Ländern fasziniert ist. Er betrachtet diese aus einer anderen Perspektive als jemand, der seine Musik genetisch oder kulturell geerbt hat. Dazu kommt, dass er sehr großzügig mit seinem Wissen umgeht. Ich bewundere seine Art, zu komponieren und Stücke zu arrangieren, ohne dabei jemals die traditionelle Ästhetik zu verlieren. Was wir machen, hat viel mit seiner Arbeit und seinem Wirken zu tun.“ Schon kurz nachdem L'Ham de Foc 1998 ihre Arbeit begonnen hatten, wurden sie auf die großen spanischen Festivals eingeladen, Vergleiche mit den Bands der ersten iberischen Folkliga wie Radio Tarifa machten die Runde und Moderatoren erklärten das Duo zu ihren Newcomerlieblingen. Mit ihrem zweiten Album „Cançó de Dona i Home“ gibt das Doppelgestirn dank eines deutschen Vertriebes nun auch in unseren Breiten eine schillernde Visitenkarte der reichen valencianischen Spielwiese ab. Unterstützt werden die beiden von drei Gastmusikern, die sämtlich Koryphäen auf traditionellen Instrumenten sind und deren Fokus sich von Alter Musik bis zur afrokubanischen Welt erstreckt.


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im Folker! 1/2003