Als Anfang der 80er Jahre im Zusammenhang mit dem Folkmusik-Revival
auch eine neue Tanz-Bewegung entstanden war, ging es zunächst darum,
Volkstanz aus der sogenannten Traditionspflege zu lösen und von der
Bühne zu holen. "Nur Darbietung und passives
Rezipieren
sind verpönt. Aktive Teilnahme ist gefordert. Und es versteht sich,
dass man nicht in steifer, altehrwürdiger Tracht, sondern in Jeans und
Turnschuhen zum Tanzen kommt." - beschreibt Erich Stockmann das Phänomen
in einer Dokumentation des Deutschen Musikrates. Mit anderen Worten: Vor
allem in der DDR war Folk inhaltlich, äußerlich und faktisch Protest.
Mitmachtanz stammt als typischer Begriff aus dieser Zeit. Einfache Strukturen,
simple Schritte und Massenanimation über Vortanzgruppen gehören
dazu. An regelmäßigen Tanzabenden wird bald mit 300-400 Gästen
getanzt. Inhalt und Form dieser Veranstaltungen bedingen einander.
Identifikationsangebot und offene Begeisterung, Spaß am Miteinander
und am unkonventionellen Umgang mit Tradition erklären die schnelle
Breitenwirkung, die Dimension dieser Tanzbewegung. Neben Berlin, Erfurt,
Ilmenau war vor allem Leipzig eine Hochburg u.a. für Folk, Tanz und
Trotz gegen die offizielle Kulturpolitik. 1986 fand das erste Tanzhausfest
statt - Anfang Mai das Tanzhausfest Nr. 17. Anlass für einen
Vergleich.
Von Cathrin Alisch
Beobachtet man Bewegungen und Tendenzen in der hiesigen Weltmusikszene,
einschließlich der Umstrukturierung des Deutschen Folkpreises und einer
entsprechenden Resonanz bei der diesjährigen Bewerberzahl, drängt
sich die Frage auf: Und was macht der Tanz? Zuweilen entsteht der Eindruck,
je differenzierter konzertanter Folk - in welchem Crossover auch immer -
wahrgenommen und von den Medien reflektiert wird, desto mehr gerät an
den Rand der Aufmerksamkeit, was mit
Volkstanz,
traditionellem Tanz, Tanzfolk, Bal Folk usw. im weitesten Sinne in Verbindung
gebracht wird. Die Bezeichnungen selbst schließen teilweise schon
stilistische, historische oder soziale Aspekte ein und damit manchmal
mögliche Identifizierung aus. Denken Sie bei Tanz und Tradition an
Dirndlkleid, Estradenprogramm und Hitparade der Volksmusik, schieben Sie
diese Überlegung bitte gleich wieder zur Seite. Bis heute sind bei den
Insidern diesseits und jenseits der Elbe Begriffe wie Volksmusik oder Volkstanz
negativ besetzt, werden mit Ideologie oder banaler Vermarktung in Verbindung
gebracht und entsprechend gemieden.
Wo steht vor diesem Hintergrund nun das Tanzhausfest in Leipzig? Ein Ereignis, alljährlich am Himmelfahrtswochenende, das seinen festen Platz im Terminkalender der Tanzgemeinde hat, und den hält man sich frei. Die Gelegenheiten, über Tage zu tanzen, sind seltener geworden. Viele sind dem Studentenalter längst entwachsen und kommen teilweise schon mit dem Nachwuchs zum Fest. Berufliche und private Einbindung oder räumliche Distanz zu existierenden Tanzzentren lassen die Events wertvoll werden, die tatsächlich und vor allem Tanz meinen. Was in diesem Sinne bedeutet die Veranstaltung heute, und wie wird sie wahrgenommen?
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